Seit März haben die Musikvereine im Wehratal ihre gemeinsamen Proben eingestellt – doch der Zusammenhalt ist trotz der Corona-Pandemie ungebrochen. Die Vereinsvorsitzenden Ilona Kunzelmann, Markus Reif und Harald Vesenmeier berichten von Geselligkeit im Internet, neuen Probenkonzepten und Ideen für die Zukunft.

Der Musikverein Öflingen wurde im Jahr seines 125. Bestehens hart von der Corona-Pandemie getroffen: Das große Festwochenende Ende Juni musste nun endgültig abgesagt werden. „Eine sehr kräftezehrende und belastende Hängepartie liegt hinter uns, weil die für uns so dringend notwendigen gesetzlichen Regelungen auf sich warten haben lassen und wir förmlich in der Luft hingen“, sagt Ilona Kunzelmann. Doch der Verein lässt sich dadurch nicht entmutigen: „Mitte Mai 2021 werden wir unseren 125. Geburtstag im Rahmen unseres Rettichfests zünftig nachfeiern und uns da richtig was einfallen lassen!“

Eigentlich war der MV Öflingen (hier ein Archivbild von 2019) auf Feiern eingestellt. Doch das 125-Jährige wird nachgefeiert.
Eigentlich war der MV Öflingen (hier ein Archivbild von 2019) auf Feiern eingestellt. Doch das 125-Jährige wird nachgefeiert. | Bild: Michael Gottstein

Von Anfang an habe man die Ausbildung der Jugend zusammen mit der Jugendmusikschule auf online umgestellt, so Kunzelmann weiter. Dies sei von Schülern und Eltern sehr gut aufgenommen worden. Die Jungmusiker werden online im Einzelunterricht vom Verein und der Musikschule betreut. So fielen weniger als zwei Wochen Probezeit aus. Das Orchester selbst habe nicht mehr zusammen geprobt: „Es ist online schwierig, richtig zu proben, wenn die Ton- und Bildqualität nicht passt“, sagt Kunzelmann. Trotzdem seien die Musiker daheim fleißig gewesen, weiß die Vorsitzende. Den Kontakt habe man auch über Onlinekonferenzen gehalten, nicht nur zur Absprache über das Festwochenende. „Wir haben die Hoffnung, mittelfristig als kleines Ensemble wieder zusammen spielen zu können. Die Abstandsregeln müssen dabei natürlich eingehalten werden, wir sind da sehr vorsichtig“, so Kunzelmann.

Das Akonima-Orchester mit seinem Leiter Vadim Fedorov (Mitte) ist nicht nur für tolle Musik sondern auch für seine Show bekannt. Ein Auftritt beim Ende Juli geplanten Burgfestival muss abgesagt werden.
Das Akonima-Orchester mit seinem Leiter Vadim Fedorov (Mitte) ist nicht nur für tolle Musik sondern auch für seine Show bekannt. Ein Auftritt beim Ende Juli geplanten Burgfestival muss abgesagt werden. | Bild: Michael Gottstein

Auch der Akkordeonverein Wehr musste eine große Absage verschmerzen: für Ende Juli plante das Rockorchester Akonima einen großen Auftritt auf dem zweiten Wehrer Burgfestival. Vereinsvorsitzender und Mitveranstalter Markus Reif bedauert die Absage, sieht aber optimistisch in die Zukunft: im nächsten Jahr soll es wieder ein Burgfestival geben. Wie der Musikverein Öflingen hat sich der Akkordeonverein derweil auf die Nachwuchsarbeit konzentriert: „Wir haben die Proben komplett ausgesetzt. Es gibt zwar Technologien für gemeinsame Proben, diese sind aber sehr teuer“, so Reif. Dafür gelang es, die meisten der 80 Schüler zwischen sechs und 75 Jahren nun online zu unterrichten. „Der Unterricht über Videokonferenz wird sehr gut angenommen, auch bei den älteren Schülern“, freut sich Reif. Teils habe man die Ausbilder mit Laptops ausgestattet.

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Die Onlineprobe könnte sogar langfristig im Angebot bleiben: „Für weniger Mobile wie Alleinerziehende oder Ältere. So wäre ein größerer Einzugsbereich möglich“, so Reif. Auch die Orcherstermitglieder haben die probenlose Zeit gut genutzt: Über Nachrichtendienste wurden einzelne Musiksequenzen geteilt und der Kontakt zum Verein gehalten. In kleinen Gruppen wurde außerdem das Vereinsheim zum Veranstaltungsort umgebaut – mit neuer Bühne und reichlich Platz für zukünftige Konzerte. Mit den Lockerungen der Corona-Verordnung sollen die Proben jetzt langsam wieder anlaufen: „Bis Ende Juli wollen wir in Kleingruppen mit wechselnder Besetzung zusammenkommen“, so Reif. Dies natürlich nur wenn es gewünscht sei – ansonsten gebe es weiterhin das Onlineangebot. „Wir haben als ersten Schritt eine kleine Combo formiert und stehen bereit für Auftritte, etwa in Restaurants oder Gartenwirtschaften“, sagt Reif.

Zusammenhalt: Wie hier die Stadtmusik Wehr hat sich das musikalische Vereinsleben im Wehratal ins Internet verlagert.
Zusammenhalt: Wie hier die Stadtmusik Wehr hat sich das musikalische Vereinsleben im Wehratal ins Internet verlagert. | Bild: Stadtmusik Wehr

Die Stadtmusik Wehr hat ihr 160. Bestehen bereits im vergangenen Jahr gefeiert – abgesagt wurde das Osterkonzert. „Wir hoffen, dass vielleicht das Promenadenkonzert Ende Juli draußen stattfinden kann“, so Vesenmeier. Die Zeit ohne Live-Proben überbrückt der Verein mit einer wöchentlichen Videokonferenz: „Wir spielen uns zusammen warm und lassen dann eine Aufnahme laufen, zu der alle mitspielen“, erklärt Vesenmeier. So könnten alle gut 30 Musiker relativ synchron spielen, auch ohne sich gegenseitig zu hören. Dirigentin Birgit Trinkl kann sich zuschalten und Hinweise geben. „Unsere Dirigentin bringt sich stark ein“, freut sich der Vorsitzende. Die Jugendkapelle würde ebenso proben, das Angebot werde gut angenommen. „Auch die Lehrer von der Jugendmusikschule sind da sehr aktiv“, so Vesenmeier. Da von daheim gespielt werde, habe man die Probezeit eine Stunde vorverlegt – aus Rücksicht auf die Nachbarn. Wichtig sei die Geselligkeit: „Im Anschluss sitzen wir online sicher noch gut eine Stunde zusammen und sprechen über Vereinsangelegenheiten“, so Vesenmeier. Eine besondere Idee hatte der Verein zum 1. Mai: Die Mitglieder spielten zu Hause das „Badnerlied“, Trinkl schnitt daraus ein virtuelles Orchesterstück.

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