Die Wehrer Hauptstraße als noch stärker verkehrsberuhigte Zone, eine bessere Vernetzung der unterschiedlichen Mobilitätsformen und ein besseres Miteinander im Straßenverkehr – zusammen mit rund 20 Bürgerinnen und Bürgern diskutierte der Grünen-Ortsverein am Donnerstag Abend große und kleine Ideen rund um die zukünftige Mobilität in Wehr.

Die Idee einer Fußgängerzone im Herzen Wehrs begeisterte die Mehrheit der Anwesenden – doch zeigte sich hier einmal mehr, wie komplex das Thema Mobilität sein kann. Denn bei der Hauptstraße handele es sich nach derzeitigem Stand um eine Landesstraße, welche die Zufahrt nach Todtmoos ermöglichen solle, gab Gemeinderätin Claudia Arnold zu bedenken: „Mit politischem Druck kann man hier vielleicht etwas erreichen, aber ich verstehe auch die Sorge der Einzelhändler.“ Auch in Säckingen hätten Geschäfte schließen müssen, als einst die Innenstadt zur Fußgängerzone wurde. Proteste habe es damals gegeben, und heute könne man es sich doch nicht mehr anders vorstellen.

Mehr Aufenthaltscharakter bei weniger Autos

Umgekehrt könne eine attraktivere Innenstadt zu mehr Publikumsverkehr und auch mehr Geschäften führen, weil sich die Aufenthaltsqualität spürbar erhöht. Die Infrastruktur gebe es her, so Arnold. Parkplätze gebe es an beiden Enden der Hauptstraße, sowohl in der Tiefgarage und hinter der Seniorenresidenz Adler als auch zukünftig bei den neuen Verbrauchermärkten im Brennet-Areal.

„Man muss den Menschen zeigen, wie schön es autofrei sein kann,“ so Julia Fritzsche – so wie bei Veranstaltungen wie Nikolausmarkt oder Sommer in Wehr. Das sei etwa mit einer Einbahnstraßenregelung möglich oder auch ein autofreies Wochenende im Monat. Zusammen mit ihrem Mann stellte Fritzsche eine Idee zum Thema Individualverkehr vor: Beide nutzen seit 2018 ein modernes E-Lastenrad, sowohl gewerblich als auch privat im nähren Umkreis aber auch für Fahrten nach Bad Säckingen. Keine Parkplatzsuche, ein nur geringer Zeitverlust auf Kurzstrecken und Fördermittel für die Anschaffung eines gewerblichen E-Lastenrads führte Fritzsche als Hauptvorzüge an. „Es geht nicht darum Autofahren zu verurteilen, sondern andere, gleichwertige Optionen aufzuzeigen“, so auch Michael Bauder vom Grünen-Ortsverein. Ziel sei eine bessere Vernetzung der verschiedenen Mobilitätsmöglichkeiten und Anreize für deren Nutzung zu schaffen.

Mobil: Der Wehrer Unternehmer Felix Fritzsche und die Vorsitzende des Stadtseniorenrats Susanne Andres nutzen ihre E-Lastenräder ...
Mobil: Der Wehrer Unternehmer Felix Fritzsche und die Vorsitzende des Stadtseniorenrats Susanne Andres nutzen ihre E-Lastenräder gewerblich und privat – das Auto vermissen beide nicht. Bilder: Julia Becker | Bild: Julia Becker

Ein Lastenrad statt Auto sei bereits in anderen Kommunen mit sehr positiven Rückmeldungen umgesetzt worden. So gebe es in Stuttgart ein eigenes Förderprogramm für den Verzicht aufs Auto.

Auch kostenpflichtige Anwohnerparkplätze wie in Freiburg könnten hierfür einen zusätzlichen Anreiz schaffen. Wer vor seinem Haus oder der Wohnung auf der Straße parke nutze schließlich öffentlichen Raum, welcher anderen Bürgern nicht mehr zur Verfügung stehe. Die Parksituation an Wehrer Straßen bleibt ein Dauerthema: Von den Problemen beim Winterdienst über die dadurch verengte Durchfahrt der Öflingerstraße bis hin zu Einschränkungen für Fußgänger durch Fahrzeuge im Gehwegbereich und Sicherheitsprobleme durch schlechte Sichtbarkeit von Kindern – beim Thema Parken wurde nicht nur an diesem Abend intensiv diskutiert.

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