Die Katholiken der Kernstadt können in diesem Monat auf zwei Anlässe von ortsgeschichtlicher Bedeutung blicken. Vor 110 Jahren wurde die Sankt-Martins-Kirche neu konsekriert und vor 45 Jahren das Pfarrzentrum seiner Bestimmung übergeben. Beide Ereignisse fanden in einem Juni statt und wurden damals groß gefeiert. Und noch an ein anderes kirchliches Datum kann erinnert werden: an die erstmalig urkundliche Erwähnung einer Wehrer Pfarrkirche im Jahre 1261. Ein erstes verlässliches Datum zur Wehrer Kirchen-Historie, aber sicher nicht der Beginn der Christianisierung im Wehratal. Geschichtsschreiber vermuten diese viel früher, zu Zeiten, als der heilige Fridolin von Säckingen die Gegend missionierte. Wegen der Corona-Pandemie kann in diesem Jahr Kirchweih nur sakral gefeiert werden. Ein weltliches Fest, wie etwa das traditionelle Dächlefest gibt es nicht. Nach 2020 also auch 2021 kein Sommerfest für die Pfarrei im Pfarrhof unter dem Dächle. Hinzu kommt, dass sich noch vor Corona der kirchliche Festausschuss aufgelöst hatte. Bis dahin war er für die Organisation und Durchführung sämtlicher Kirchenfeste zuständig. Ein neues Team ist in Planung, muss aber noch im Pfarrgemeinderat und im neuen Gemeindeteam beraten werden.

Vor 110 Jahren wurde die Sankt-Martins-Kirche konsekriert. Mit einem Festgottesdienst wird dies am kommenden Sonntag gefeiert.
Vor 110 Jahren wurde die Sankt-Martins-Kirche konsekriert. Mit einem Festgottesdienst wird dies am kommenden Sonntag gefeiert. | Bild: Obermeyer, Justus

Was es aber auf jeden Fall geben wird: einen Festgottesdienst mit einer Abordnung des Kirchenchores am Kirchweihsonntag, 27. Juni, um 10.30 Uhr. Ob dieser der Pandemie wegen eingeschränkt oder in gewohnter Weise gefeiert werden kann, das wird die Entwicklung der nächsten Tage zeigen. Gewiss ist jedoch die Erinnerung an das Jahr 1911 und den Tag, an dem die Sankt-Martins-Kirche nach dreijähriger Bauphase durch Erzbischof Thomas Nörber aus Freiburg feierlich konsekriert wurde. Ein Weiheakt, der immer dann stattfindet, wenn Kirchen umgebaut oder erweitert werden, was in Wehr in den Jahren 1908 bis 1911 der Fall gewesen war.

Pfarrer Hermann Marder erhielt vor 45 Jahren den Schlüssel zum Pfarrzentrum. Überreicht wurde dieser von Architekt Karl Scherble (links).
Pfarrer Hermann Marder erhielt vor 45 Jahren den Schlüssel zum Pfarrzentrum. Überreicht wurde dieser von Architekt Karl Scherble (links). | Bild: Archiv

Für die Einweihung des neu erbauten Pfarrzentrums vor 45 Jahren hatte der damalige Pfarrgemeinderat ebenfalls das Datum der Kirchweih im Blick. Daran orientierte sich nämlich der Zeitpunkt für die Einweihungsfeier im Jahre 1976. Ein neues Gemeindehaus für die Wehrer Katholiken hatte schon lange auf der Wunschliste der Pfarrei gestanden. Mit großem, leider nicht ebenerdig gelegenem Saal, Gruppen-, Probe- und Bastelräumen sowie einer Bibliothek wurde eine Ausstattung geschaffen, wie man sie sich ersehnt und dem beauftragten Architekten als Wunsch mitgegeben hatte. Das Pfarrzentrum ist nun schon über viereinhalb Jahrzehnte hinweg für alle Katholiken, aber auch für vielerlei Gastgruppen ein beliebter Treffpunkt. Ein später angebauter Personenaufzug machte bald vergessen, wie beschwerlich es bis dahin für gehbehinderte Besucher und Rollstuhlfahrer war, den Saal im Obergeschoss zu erreichen. Was dem Gebäude heute fehlt, ist eine grundlegende Sanierung und Modernisierung. Zuhauf wurden in der Vergangenheit Expertisen und Analysen in Auftrag gegeben. Einzig die Erneuerung der Heizung wurde bislang durchgeführt.

Das könnte Sie auch interessieren