Die Planung für das neue Ärztehaus wird konkret, noch offen ist allerdings die Frage, wie viele Mediziner sich in dem städtischen Gebäude auf dem Brennet-Areal niederlassen sollen und mit welchem Gesundheits-Angebot die Praxen ergänzt werden. „Noch können wir Wünsche von künftigen Mietern berücksichtigen“, läutete Bürgermeister Michael Thater die heiße Phase der Ärzte-Akquise ein und bat dabei auch um die Unterstützung der Gemeinderäte. „So viel medizinische Nutzung wie möglich“ solle in dem dreistöckigen Wohn- und Geschäftshaus konzentriert werden.

Das Ärztehaus aus Sicht der Todtmooser Straße mit seinem gefälligen Arkadengang.
Das Ärztehaus aus Sicht der Todtmooser Straße mit seinem gefälligen Arkadengang. | Bild: Müller + Huber

Bislang steht fest, dass die drei im Bündtenfeld niedergelassenen Mediziner Barbara Eisenhauer, Judith Gladewitz und Günter Straub eine moderne Gemeinschaftspraxis im ersten Obergeschoss beziehen werden. Hier wäre auch auf rund 87 Quadratmetern noch Platz für einen weiteren Arzt, der idealerweise in die Gemeinschaftspraxis eingebunden wird.

Auch im zweiten Stockwerk könnten auf den bis zu 484 zur Verfügung stehenden Quadratmetern noch weitere Ärzte oder Therapeuten angesiedelt werden. Falls dies nicht möglich sei, greife der „Plan B“, nämlich Wohnungen. Die Planer des Architekturbüros Müller und Huber haben hierfür eine flexible Planung vorgelegt und sechs Wohnungen in verschiedenen Größen geplant, die allerdings auch zu Praxen werden könnten. „Das muss in den nächsten Monaten entschieden werden“, so Thater.

Im Erdgeschoss soll eine Apotheke und ein Sanitätsgeschäft untergebracht werden, hier laufen bereits Gespräche mit den beiden in Wehr ansässigen Betrieben. Auch in diesem Geschoss ist noch Platz frei, hier könnte eine Physiotherapiepraxis das Angebot ideal ergänzen.

Laut einer ersten groben Kostenschätzung wird das Ärztehaus ca. 6,7 Millionen Euro kosten. Allerdings ist dies angesichts der derzeitigen Baustoffpreise nur ein erster grober Richtwert. Auch der Baustandard ist noch nicht festgelegt. Grünen-Fraktionssprecherin Claudia Arnold liebäugelt nach wie vor mit einer ökologischen Holzbauweise, damit auch der Aspekt der Nachhaltigkeit berücksichtigt werde. Das Ärztehaus werde nicht für 20 oder 30 Jahre, sondern für 50 bis 70 bis Jahre gebaut. „Es wird ein stadtbildprägendes und repräsentatives Gebäude, da sollten wir beim Baustandard auch den großen Blick in die Zukunft wagen“, so Arnold.

Bild: Müller + Huber

Bürgermeister Thater erwiderte, das Gebäude müsse „nicht nur finanzierbar sein, sondern auch re-finanzierbar“, deshalb müsse man die Kosten im Blick halten. Thomas Braun vom Architekturbüro Müller und Huber sagte zu, bei der Kostenberechnung verschiedene Varianten vorzulegen. Stadtrat Matthais Scheer (FW) sieht hingegen „keinen Widerspruch in Nachhaltigkeit und ökonomischem Denken.“

Mit dem „Zwillingsgebäude“, dem benachbarten Wohn- und Geschäftshaus der Brennet, soll das Ärztehaus äußerlich eine Einheit bilden. Eine Konkurrenzsituation über die potentiellen Mieter soll es aber nicht geben. „Wir werden mit Sicherheit unterschiedliche Ausbaustandards haben“, so Thater. Im Oktober, spätestens Anfang November soll der Bauantrag gestellt werden. Der Baubeginn ist für Anfang 2022 geplant, die Fertigstellung 2024.

Das könnte Sie auch interessieren

Das sagen die Gemeinderäte

Viel Lob für die Planung kam aus dem Kreis der Gemeinderäte. Insbesondere der Arkadengang entlang der Todtmooser Straße fanf Gefallen. Teilweise gab es aber auch einige kritische Anmerkungen.

Hans-Peter Zimmermann (FDP) sieht die senkrechte Anordnung der Parkplätze an der vielbefahrenen Todtmooser Straße kritisch. Um das Tempo des Verkehrs zu senken, brachte Bürgermeister Thater deshalb einen Kreisverkehr an der Kreuzung zur Schopfheimer Straße ins Gespräch.

Helmut Steinebrunner (CDU) merkte an, dass mit der Umsiedlung von Apotheke und Sanitätshaus im südlichen Bereich der Hauptstraße wichtige Geschäfte verloren gingen, nachdem auch schon der Müller-Drogeriemarkt aufs Brennet-Areal umzieht. „Mit der Umsiedlung erzeugen wir Leerstände“, so Steinebrunner, der davor warnt, dass sich in der zentralen und südlichen Innenstadt nur noch Nagelstudios und Dienstleister ansiedeln, aber kein Handel mehr. Bürgermeister Thater sieht in der Konzentration der Gesundheitsbetriebe im Ärztehaus allerdings eine Zukunftssicherung der Betriebe, die an ihren bisherigen Standorten nicht auf Dauer überleben könnten.