Zu einem Ortstermin am Bahnhalt in Brennet kam am Montagnachmittag der FDP-Bundestagsabgeordnete Christoph Hoffmann mit Vertretern der FDP-Kreistagsfraktion, der Wehrer Stadtratsfraktion sowie einigen Mitgliedern der Stadtverbände Bad Säckingen-Wehr und Schopfheim zusammen. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand naturgemäß die Elektrifizierung der Hochrheinstrecke – ein Projekt, das auch dem Abgeordneten aus dem Nachbarlandkreis Lörrach nicht fremd ist. Schon im kommenden Jahr solle das Planfeststellungsverfahren beginnen, dazu würde derzeit die detaillierte Planung ausgearbeitet, erklärte Klaus Denzinger als Vorsitzender der FDP-Fraktion im Waldshuter Kreistag. Im optimalen Fall könnten schon 2025 oder 2026 elektrisch angetriebene Züge rollen, damit sogar früher als bislang im Zeitplan vorgesehen. Aber: „Sollte es allerdings nicht gelingen, die Pläne bis zum Jahreswechsel fertigzustellen, droht eine ein- bis zweijährige Verzögerung“, so Denzinger, der Hoffmann deshalb bat, als Abgeordneter in Berlin entsprechend Druck auf Bahn und Verkehrsministerium zu machen.

IRE-Halt in Brennet?

Eine Herzensangelegenheit war Denzinger aber noch ein weiterer Aspekt: Die Aufwertung des Bahnhalts in Brennet zu einem Haltepunkt für Interregiozüge (IRE). In der bisherigen Planung ist ein solcher Haltepunkt für die Schnellzüge ausgeschlossen – darauf hatten sich die Projektbeteiligten schon früh verständigt. Denn jeder zusätzliche Halt verlangsamt die Fernverbindung und macht den Schnelligkeitsvorteil des elektrischen Antriebs wieder zunichte. Derzeit halten IRE-Züge in Rheinfelden, Bad Säckingen Waldshut, Tiengen und Erzingen. Dennoch sieht Denzinger noch immer Chancen für Brennet – möglicherweise auch im Wechsel mit einem anderen Bahnhof. Um einen solchen Halt zu bekommen, bedarf es allerdings mehr Anstrengungen der Kommune. „Die Stadt Wehr tut in unseren Augen zu wenig dafür“, kritisiert der Altbürgermeister. Es reiche nicht, dass der Gemeinderat die Forderung nach einem IRE-Halt formuliert, die Stadt müsse mit Investitionen in Vorleistungen treten, um mehr Passagierfrequenz an den Bahnhof zu bringen. „Was beispielsweise Schopfheim und Lauchringen in ihre Bahnhöfe investierte haben, ist beachtlich, das kann nur Vorbild sein“, so Denzinger. Gerade weil man weiß, dass die der Bahnkonzern etwas schwerfällig ist. Mit dem Expressbus zwischen Wehr- und Brennet gebe es zwar schon einen ersten zaghaften Versuch für eine bessere Anbindung des Bahnhofs, aber: „Bis zum heutigen Tag hat die Stadt Wehr dieses Angebot noch nicht ein einziges Mal in ihrem Mitteilungsblatt beworben“, kritisiert Denzinger.

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Dass Brennet genügend Potenzial für einen IRE-Haltepunkt hat, daran gibt es für Denzinger keinen Zweifel: „Rund 20000 Einwohner aus dem Wehra- und Wiesental könnten den Bahnhalt nutzen“, so der Kreisrat. Allerdings müsse hierfür die örtliche Infrastruktur, beispielsweise mit einem Park&Ride-Parkplatz oder verbesserten und barrierefreien Zugängen, verbessert werden.

Der Bundestagsabgeordnete Christoph Hoffmann sieht dies allerdings etwas anders: Zunächst müsse man den IRE-Halt bekommen, und erst dann in den Bahnhof investieren. „Es ist ein klassisches Henne-Ei-Problem: Ohne Fahrgäste bekomme ich keinen Haltepunkt und ohne Haltepunkt bekomme ich keine Fahrgäste“, so Hoffmann. Er versprach, den Wunsch nach einem IRE-Halt in Wehr-Brennet zu unterstützen. Denn: „Die Erfahrung zeigt: Wo Haltepunkte entstehen, entwickelt sich die Infrastruktur.“

Wehratalbahn als Vision

Eine Reaktivierung der Wehratalbahn sieht die FDP als Vision für die weite Zukunft an. „Man darf den Menschen nicht weismachen, dass die Wehratalbahn schon bald wieder fährt“, so Denzinger. Auch wenn das Reaktivierungsprogramm grundsätzlich zu unterstützen sei, müsse der kurz- und mittelfristige Schwerpunkt eher auf der Hochrheinbahn liegen, so Klaus Denzinger.

Was bei einer Elektrifizierung umgebaut werden muss

Höhenanpassungen: Mit der Elektrifizierung muss der Bahnhalt Brennet kräftig umgebaut werden. Alle Bahnsteige am Hochrhein erhalten laut Ronald Heil von der DB Netz AG eine einheitliche Länge von 155 Metern und eine Höhe von 55 Zentimetern, sodass ein ebenerdiger Zustieg möglich sein wird. Bislang hat der Bahnsteig eine Höhe von nur 38 Zentimetern.

Barrierefreie Zugänge: Außerdem sollen die Zuwegungen zu den Bahnsteigen barrierefrei werden. Aktuell sind zwar beide Bahnsteige über die Rampen zu erreichen, aber jeweils nur von einer Seite des Bahnhofs. Eine barrierefreie Verbindung besteht nicht. Ziel ist es, dass Rollstuhlfahrer auch die Bahnsteige wechseln können.

Mit den Elektrifizierung soll der Zugang zu den Zügen ebenerdig werden.
Mit den Elektrifizierung soll der Zugang zu den Zügen ebenerdig werden. | Bild: Obermeyer, Justus

Kosten: Einen Großteil der Kosten für den Umbau des Bahnhalts Brennet (insgesamt etwa 3,75 Millionen Euro) trägen der Bund (60 Prozent) und Land (20 Prozent), vom Rest muss die Stadt einen Anteil von mindestens 450 000 Euro bezahlen.