Die Stadt Wehr ist nun auch ganz offiziell mit dem European Energy Award (eea) ausgezeichnet. Bürgermeisterstellvertreter Paul Erhart und Klimamanager Sven Geiger brachten die Urkunde vom Festakt in Reutlingen mit Umweltstaatssekretär Andre Baumann ins Wehratal. Mit dem aktuell sehr gut nachgefragten Förderprogramm für Mini-PV-Anlagen und dem Ausbau des Nahwärmenetzes will sich die Stadt weiterhin für den Klimaschutz einsetzten.

Fast schon ein historischer Moment, dass die Stadt Wehr nach acht Jahren nun endlich den European Energy Award in Händen hält. Immer wieder schrammte man knapp an den für die Auszeichnung notwendigen 50 Prozent vorbei. Doch alles eine Frage des Blickwinkels: „Der Klimaschutz hat nicht lange gedauert, nur der eea. Wir waren eine der ersten Gemeinden am Hochrhein mit einen Nahwärmenetz, mit einem Bürgerbus und mit 100 Prozent Ökostrom“, so der kommunale Klimamanager Sven Geiger.

Ebenso eine Frage der Blickrichtung ist die Tatsache, dass mit Paul Erhart einer der größten Kritiker im Gemeinderat als Stellvertreter für den erkrankten Bürgermeister zur Übergabe nach Reutlingen reist. „Klimaschutz muss praxisorientiert sein. Wir müssen etwas tun und wir machen auch viel“, so Erhart. Handeln sei wichtig, man dürfe nicht nur reden und Unterlagen anhäufen.

Klimaschutz bleibt weiter wichtig

Auf den lange erhofften Lorbeeren wolle man sich jetzt nicht ausruhen, so Geiger: Kürzlich gab es den Spatenstich zum Ausbau des Nahwärmenetzes. Auch durch die aktuelle weltpolitische Situation habe man einen deutlich Zuwachs an Anfragen von Interessenten aus ganz Wehr, so Geiger.

Motiviert: Neben Kommunen und Kreisen aus ganz Baden-Württemberg durfte sich neben Wehr auch der Landkreis Waldshut erstmalig über den ...
Motiviert: Neben Kommunen und Kreisen aus ganz Baden-Württemberg durfte sich neben Wehr auch der Landkreis Waldshut erstmalig über den European Energy Award freuen. Die Stadt Rheinfelden konnte die Auszeichnung bereits mehrfach erhalten. | Bild: Martin Stollberg

Ebenfalls sehr gut laufe die kommunale Förderung für Mini-PV-Anlagen, welche man beispielsweise auf den Balkon stellen kann. „Hierzu bekomme ich fast täglich Anrufe“, freut sich Geiger. Gebremst werde man hier nur durch die aktuell sehr schlechte Verfügbarkeit der Anlagen. Weiter voranbringen möchte Geiger auch die kommunale E-Mobilität. Ganz aktuell habe es eine Veranstaltung im Rathaus gegeben, um zu erkunden, wo man Elektrofahrzeuge sinnvoll nutzen könne. So soll etwa der Bauhof bald sein erstes E-Fahrzeug erhalten. Hier warte man noch auf Fördermittel, so Geiger.

Ein langer Weg zur Auszeichnung

Durchschnittlich brauchen Kommunen drei Jahre bis zur ersten Zertifizierung. Dass es in Wehr ein paar Jahre länger gedauert hat, lag aber weniger am bürokratischen Aufwand – dieser gehöre einfach dazu. „Viele Projekte sind ja nur möglich wenn es Fördergelder gibt“, so Geiger. Für Verzögerung habe unter anderem die schlechte Zusammenarbeit mit der Energieberatung Freiburg gesorgt: Diese habe Projekte vorgeschlagen, die gar nicht zu Wehr gepasst hätten oder in der Kommune nicht umsetzbar waren, so auch Erhart. Auch die wechselnden Zuständigkeiten im Rathaus und viele Personalwechsel seien eine Herausforderung gewesen, so Geiger im letzten Herbst.

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