Video-Konferenz statt Infostand vor dem Supermarkt: Die Corona-Pandemie sorgt in diesem Jahr für neue Formen des Wahlkampfs. Am Sonntagabend präsentierte sich der grüne Landtagskandidat Niklas Nüssle auf Einladung der Wehrer Grünen in einem öffentlichen Online-Format. Die Wehrer Bevölkerung nahm allerdings kaum Notiz davon, die Online-Diskussion blieb letztlich eine rein interne Veranstaltung der Wehrer Grünen.

Dennoch wurden einige lokale Themen diskutiert, beispielsweise eine mögliche Reaktivierung der Wehratalbahn. Für Niklas Nüssle ein gutes Beispiel, wie der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs im ländlichen Raum gelingen kann. „Ich freue mich, dass der Wehratalbahn ein so hohes Fahrgastpotential bescheinigt wurde.“

Deutlich kritischer sieht der Landtagskandidat ein anderes Verkehrsprojekt am Hochrhein: Die A98. Der Wehrer Stadtrat Stefan Engel wollte wissen, welche Trasse er denn bevorzuge. Festlegen wollte sich Nüssle hier allerdings nicht. Bislang habe das Thema für ihn kaum eine Rolle gespielt, räumte er ein. Denn er nutze für weitere Strecken stets den Zug und nicht das Auto. „Priorität hat für mich die Elektrifizierung der Hochrheinstrecke“, so der Wutöschinger. Überhaupt sei die nachhaltige Mobilität ein Herzensthema für ihn. Nüssle widersprach der Behauptung, dass eine Autobahn die Ortsdurchfahrten in Bad Säckingen und Schwörstadt vollends entlasten könne. Laut einem Gutachten würden bei einer Realisierung der A98 geschätzte 18.000 Autos Bad Säckingen als Start und Ziel ansteuern und somit auf der Bundesstraße verbleiben und die Ortsdurchfahrten weiter verstopfen

Michael Bauder, einer der Vorsitzenden des Wehrer Stadtverbands der Grünen, brannte ein anderes Thema unter den Nägeln: Bezahlbarer Wohnraum sei mittlerweile nicht nur in den Städten knapp, sondern auch am Hochrhein. „Es spricht nichts dagegen, den Geschosswohnungsbau auch im ländlichen Raum verstärkt in den Blick zu nehmen“, so Nüssle, der die jüngste bundesweite Diskussion um höhere Hürden für Einfamilienhäuser allerdings nicht überbewerten wollte.

Scharfe Kritik übte Nüssle an Kultusministerin Susanne Eisenmann und ihrem Umgang mit der Corona-Pandemie: „Wir haben lange Zeit gehabt, Konzepte für den Schulunterricht zu entwickeln. Nach einem Jahr Corona sind wir immer noch so weit, dass Lüften der Klassenzimmer das beste Rezept ist.“