Die Stadt Wehr kann sich zukünftig naturschützende Maßnahmen als Ökopunkte anrechnen lassen. Mit einer Gegenstimme hat sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung dafür entschieden, ein naturschutzrechtliches Ökokonto einzurichten. Ausgleichsmaßnahmen sind für viele Baumaßnahmen vorgeschrieben – mit dem Ökokonto könne man nun diesen Ausgleich zeitlich von der Maßnahme entkoppeln, erklärt der Wehrer Umweltbeauftragte Clemens Thoma. Damit kann die Stadt sich nun naturschützende Maßnahmen wie die Aufwertung eines Waldgebiets, die Freilegung einer versiegelten Fläche oder – wie im ganz aktuellen Fall der Bau einer Fischtreppe – in Ökopunkte umrechnen und diese ihrem Konto beim Landratsamt gutschrieben lassen.

Für die Bewertung kommt es dabei auf die Fallhöhe an: Wie war der Zustand vorher und welche Verbesserung wurde erreicht. Für zehn Jahre stehen die Ökopunkte dann als Ausgleich für kommende Baumaßnahmen zur Verfügung. In dieser Zeit werden die Punkte mit drei Prozent verzinst und können auch mit anderen Teilnehmern an diesem System gehandelt werden. „Wir haben tatsächlich schon Punkte angeboten bekommen von Kommunen, die ihre Stadtkasse aufbessern wollen“, erklärte Bürgermeister Michael Thater.

Aktuelle Maßnahme

In Wehr wolle man die erarbeiteten Punkte aber behalten: „Die Punkte sollen bei uns bleiben. Für einen Verkauf bräuchte es den Beschluss des Gemeinderats. Ich will das aber nicht“, erklärte Tahter zu einem möglichen Handel. Anlass für die Bemühungen der Stadt ist der aktuell laufende Bau eines Wasserkraftwerks auf dem nördlichen Wehra-Areal durch die Papierfabrik Lenz und deren Inhaber Herbster Hülsen aus Schopfheim. Hier beteiligt sich die Stadt mit 300.000 Euro an einer Fischaufstiegshilfe, die die Durchlässigkeit des neuen Stauwehrs für die Tierwelt in der Wehra gewährleisten soll.

Stimmen aus dem Gemeinderat

„Aktuell wird ein Punkt mit rund 2 Euro gehandelt“, erklärt Thater. Im Gemeinderat gab es unterschiedliche Ansichten zu dem System des Ökokontos. Stadtrat Christoph Schmidt (FW) begrüßte die Einführung: „Es kostet uns nichts, wir können so progressiv nach vorne gehen und Maßnahmen umsetzen. Und es wird sogar mit drei Prozent verzinst.“ Auch die CDU-Fraktion äußerte sich positiv. „Aber die Punkte sollten bei uns oder mindestens in der Region bleiben und nicht bundesweit verschachert werden“, mahnte Helmut Steinebrunner. Stadtrat Vito Doria (Grüne) hingegen zeigte sich skeptisch: „Das ist ein Ablasshandel.“ Er sehe die Vorzüge, aber: „Wir werden angereizt, diese Punkte für Versiegelung zu nutzen – gerade das möchte ich aber nicht.“ Dazu würden die Punkte und ihr hoher Geldwert Begehrlichkeiten wecken. Doria stimmte darum gegen die Einführung des Ökokontos.