Wenn sich in der Hochrein-Region Landes- oder Bundespolitiker anmelden, ist das aufregend. Als ob sie die Spannung toppen wollten, kommen die Abgeordneten meistens zu spät. Der Grund: Verkehr, Stau, schlechtes Durchkommen. So war es auch, als der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Christian Jung, eine Viertelstunde zu spät zum Termin in Brennet erschien. Die Ironie: Er kam, um sich ein Bild über die jüngst veröffentlichte Vorzugstrasse der A 98 zu machen, die derartige Verspätungen künftig verhindern soll.

„Es muss herausgestellt werden, dass hier nicht das Ende der Welt, sondern das Herz Europas ist“, machte Jung aus seiner Sicht die Notwendigkeit der Autobahn deutlich. Jungs Ansprache enthielt einen Seitenhieb gegen die Grünen, die mit Winfried Herrmann den Verkehrsminister stellen: „Wer behauptet, der Bau der A 98 sei wegen des Klimaschutzes nicht gut, versteht nicht, um was es hier geht. Die Grünen sehen es nicht ganzheitlich.“ Ansonsten verlief der Termin weitgehend ohne Wahlkampf-Rhetorik, sondern sachlich und mit dem einen oder anderen Exkurs. Jung ist Fachmann für Logistik und Infrastruktur und auch Historiker.

Wichtige Strecke

Mit seinem Standpunkt „in Tangenten zu denken“ sprach Jung den nur wenigen Anwesenden – darunter Wehrs Bürgermeister Michael Thater, FDP-Bundestagskandidat Jareem Khawaja und der frühere Bad Säckinger CDU-Gemeinderat Wolfgang Lücker – aus der Seele. Die A 98 betreffe nicht nur die Region, sondern sei Teil einer Infrastruktur, die Basel mit Knotenpunkten in Europa wie Genua oder Rotterdam verbinde. „Allein der Güterverkehr und die Logistik sind ein legitimer Grund die Autobahn zu bauen.“ Jung hob die Funktion der A 98 als Ausweichstrecke für den Schienenverkehr hervor.

Größere Zusammenhänge

Vor allem Thater unterstütze Jungs Ansatz, in größeren Zusammenhängen zu denken. „Der Bau einer Autobahn ist kein minimalinvasiver Eingriff. Das wird Narben hinterlassen. Aber sie hat eine überregionale Wirksamkeit und Notwendigkeit“, sagte Thater. Zu einer geweiteten Perspektive gehöre der Ausbau des ÖPNV und der A 98. Nur so könne der prognostizierten Verdoppelung des Verkehrs in 20 Jahren entgegengewirkt werden. „Dieses Gutachten darf nicht Realität werden“, sagte Thater zur Einschätzung der Planungsbehörde Deges Die Argumente der Gegenseite stießen auf wenig Verständnis. Auch die Erklärung, dass der A 98 wegen der dünnen Besiedelung die Priorität abgesprochen wurde, hält Jung für nichtig. „Es geht um die kommenden 80 bis 100 Jahre in einem Radius von 100 bis 150 Kilometern. Das betrifft mehr als die angeblichen 80.000 Menschen.“