„Ja, dann muss ich wohl ran“, meinte Ulrich Delhey beiläufig, als er am Freitagabend im Bürgersaal an das Rednerpult trat und mit einer Prise Ironie das ernste Pathos der vorangegangenen Preisverleihung brach. Auch nach dem Erhalt der Ehrenmedaille der Stadt Wehr blieb der Geehrte seinem „zurückhaltenden und bescheidenen Auftreten“, so Bürgermeister Michael Thater, treu.

Der Gemeinderat hatte auf Antrag der CDU-Fraktion einstimmig beschlossen, diese Auszeichnung an Ulrich Delhey zu vergeben. Laut Bürgermeister Thater habe der Geehrte die Stadt in sechs Jahrzehnten mitgeprägt und sich dabei gleich auf drei Gebieten, nämlich der Wirtschaft, der Kultur und im sozialen Bereich, Verdienste erworben. Dass der gebürtige Westfale in Wehr heimisch geworden ist und sich hier „voll und ganz akzeptiert“ fühlt, ist letztlich der Tatsache zu verdanken, dass die 1919 im Rheinland gegründete Firma „Rota Apparate Maschinenbau GmbH“ während des Zweiten Weltkriegs nach Wehr verlagert worden war. Der 1941 in Dortmund geborene Ulrich Delhey kam 1951 nach Wehr, um sich bei seinem Onkel zu erholen, und konnte damals noch nicht ahnen, dass die seine Heimat werden würde. Zurück in Westfalen, machte er eine Lehre als Mechaniker, studierte in Essen Ingenieurswesen und trat 1966 in das Familienunternehmen ein.

Ein gravierender Einschnitt in der Firmengeschichte erfolgte Anfang der 1990-er Jahre, als die Rota vom japanischen Konzern Yokogawa erworben wurde, aber Ulrich Delhey und seine Kollegen entschieden sich im Zuge eines Management-Buy-Outs, den Bereich Verpackungstechnik herauszulösen. Mit 30 Mitarbeitern wagte er den Neubeginn, der zu einer Erfolgsgeschichte wurde, denn die Firma zählt heute 130 Mitarbeiter und agiert weltweit. 2008 zog sich Ulrich Delhey aus dem operativen Geschäft zurück, seither liegt die Leitung bei seinem Sohn Joachim. Für seine Leistungen hatte er bereits die Wirtschaftsmedaille des Landes erhalten. 2009 wurde er zum Vorstandsvorsitzenden der Hanna-und-Paul-Gräb-Stiftung gewählt, und vier Jahre später wurde Delhey von Lothar Späth berufen, ihn in der Lothar-Späth-Förderpreis-Stiftung zu vertreten. Als Stiftungsrat organisiert er die Benefizkonzerte, die Anne-Sophie Mutter zugunsten des Hauses der Diakonie gibt. Der Geehrte dankte seinen Freunden und Mitarbeitern, ohne die er die Auszeichnung nicht erhalten hätte. „Wenn man etwas macht, macht man es am besten im Team, denn alleine kann man nichts erreichen“, so sein Credo.

Petra Heinemann, Dusan Markovic und Helena Heinemann (von links) eröffneten den Festakt musikalisch.
Petra Heinemann, Dusan Markovic und Helena Heinemann (von links) eröffneten den Festakt musikalisch. | Bild: Michael Gottstein

Der Landtagsabgeordnete Niklas Nüssle (Grüne) würdigte seine Leistungen und meinte, die Ehrenmedaille der Stadt könnte durchaus die Vorstufe für die Verdienstmedaille des Landes sein. Die Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) ließ durch Gemeinderätin Angelika Buchmann-Flaitz (SPD) ihre Glückwünsche übermitteln. Mit einem anspruchsvollen klassischen Musikprogramm umrahmten Lehrer und Schüler der Musikschule Bad Säckingen – namentlich waren dies Petra Heinemann, Helena Heinemann, Selina Barthel, Dusan Markovic, Hanna Leibl und Michelle Zavala-Schoofs – den Festakt.

Das könnte Sie auch interessieren