Auch wenn Corona die Fasnacht in diesem Jahr auf Eis legt – mehr als ein halbes Jahrhundert Tradition verpflichtet. Und so machten sich die Chlosterhöfner Holzmacher auch in diesem Jahr auf, um einen Narrenbaum zu stellen. Etwas kleiner als sonst und in Zweitverwertung, dafür aber wie immer bunt geschmückt, ziert nun der ehemalige Weihnachtsbaum der Stadt den Rathaushof. Die Idee, den städtischen Weihnachtsbaum umzufunktionieren, kam über Weihnachten: „Das Symbol kann nichts für Corona“, erklärt Oberwälder Hubert Reiniger. Und so dichtete der Wälder-Poet Charly Senn in diesem Jahr auch „Oh Narr, sehsch du de Narrebaum halt inne und sei froh; mach Fasnacht Dajohr nur im Traum und denk s‘ Narri Narro.“

Mit den Wäldern beginnt und endet die fünfte Jahreszeit im Wehratal: Sie stellen nicht nur den Narrenbaum, am Fasnachtsdienstag fällen sie ihn auch wieder und mit der Bäntleverbrennung beenden die Wälder die närrische Zeit. In diesem Jahr aber wird der traditionelle Schlusspunkt wohl ausfallen: „In diesem Jahr gibt es keine Fasnacht“, so Reiniger, und darum auch keine Verbrennung. Im Gegensatz zu manchenreinen Partynarren legen die Wälder großen Wert auf ihre Traditionen: vom deftigen Frühstück am Tag des Narrenbaumstellens bis hin zum gemeinsamen Zug durch die Wehrer Geschäfte am Fastnachtsdienstag, inklusive dem Singen des Wälderliedes.

Auch gibt es in Wehr nur 22 Wälder, erklärt Reiniger: „So viele Leute, wie es braucht, um den Baum mit Muskelkraft in die Vertikale zu bringen.“ Als Erster unter Gleichen steht Reiniger den Wäldern vor, Entscheidungen von oben zu treffen, ist jedoch nicht notwendig: „Jeder weiß was er zu tun hat, jeder Handgriff sitzt“, erklärt Reiniger weiter.

Ein echter Chlosterhöfner Holzmacher kann nicht jeder werden: Entweder man werde hineingeboren oder man müsse vorgeschlagen werden. Erst nach einem Novizenjahr, närrischer Prüfung und geschlossener Zustimmung werde man aufgenommen. Nicht zu vergessen: Ein Wälder ist immer männlich und spricht natürlich alemannisch – so war es und so soll es auch in Zukunft sein.

Eine Ausnahme gab es nur dereinst für zwei SÜDKURIER-Redakteurinnen, die 2011 als Probewälder aus dem innersten Kreis der Chlosterhöfner Holzmacher berichten durften. Nachwuchssorgen gebe es auf jeden Fall keine, freut sich Reiniger: Sogar einige Enkel sind mittlerweile dabei – und außerdem auch immer noch drei Gründungsmitglieder.

Video: Wer sich das diesjährige Narrenbaumstellen noch mal coronasicher und aus dem warmen Heim ansehen möchte, hier geht es hier zum Narrebaumstellen 2021 in Wehr:
https://youtu.be/tJZ-0http://DMAJI4

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