Zukünftig wird in Wehr die Bestattung im Wald möglich sein. Der Gemeinderat beschloss die Einrichtung des Bestattungswaldes einstimmig. Wenn alle notwendigen Genehmigungen vorliegen, könnten erste Bestattungen bereits 2024 stattfinden. „Die Bestattungskultur in Deutschland und Europa verändert sich“, so Bürgermeister Michael Thater einleitend im Gemeinderat. Urnenbestattungen, oftmals auch anonym, würden auch in Wehr deutlich bevorzugt. Dazu gäbe es den Wunsch nach Naturnähe und Überkonfessionalität.

Unterstützung durch Gemeinderat

Immer wieder sei an die Stadtverwaltung in den letzten Jahren der Wunsch nach einer Möglichkeit im Wald bestattet zu werden herangetragen worden. Nun habe sich Stadtförsterin Swantje Schaubhut intensiv mit dem Thema befasst und gemeinsam habe man eine Fläche auf dem Dinkelberg für den künftigen Wehrer Bestattungswald gefunden. Die Fläche sei eben und damit auch für Menschen mit Gehbehinderung gut zu erreichen, so Schaubhut.

Der Standort des Bestattungswaldes.
Der Standort des Bestattungswaldes. | Bild: Steller, Jessica

Der Baumbestand sei zukunftsfähig und vital. Erst langfristig sei mit größerem Pflegearbeiten zu rechnen. Zudem sei die 3000 Quadratmeter große Fläche auf Wunsch erweiterbar, der gesamte Bereich ist in städtischen Besitz.

Genehmigung des Landratsamts nötig

Mit der Zustimmung des Gemeinderats werde die Verwaltung nun die Genehmigung beim Landratsamt beantragen, die Gebührensatzung überarbeiten und die vertraglichen Punkte mit den örtlichen Bestattern klären. Im Frühjahr solle das Thema erneut besprochen werden, bereits 2024 könnten die ersten Bestattungen stattfinden, so Bürgermeister Thater.

„Das war bei uns ein großer Wunsch“, so Claudia Arnold (Grüne). Ein Bestattungswald passe zu Wehr und sei keine Absage an den Friedhof, sondern eine Ergänzung des Angebots. Auch Martina Meyer (FW) begrüßte die „sehr gute Alternative zur Friedhofsbestattung“. Lob für den Standort mit der Möglichkeit zur Erweiterung gab es von Paul Erhart (CDU). Sorge um einen zu starken Eingriff in die Ökologie des Waldes hatte Christoph Schmidt (FW). Die Gestaltung werde so schlicht wie möglich sein, erklärte Schaubhut hierzu.

Eine Überdachung sei nicht vorgesehen, ebenso wenig Grabschmuck. Der Boden sei außerdem tiefgründig genug, damit keine Schäden an den Urnen durch grabende Wildschweine zu erwarten seien. Auch Stadtrat Hans-Peter Zimmermann (FDP) unterstützte das Projekt und regte gleichzeitig eine Überplanung des Friedhofs an: Hier gäbe es einige Lücken.

Die Vorreiter im Landkreis

Die Stadt Wehr wird damit nach Rickenbach eine der ersten Gemeinden im Landkreis mit einem Bestattungswald sein. Im Hohentengener Ortsteil Lienheim wurde 2019 ein Bestattungswald eingerichtet und erst im November entschied sich die Gemeinde Rickenbach ebenfalls für einen Ruheforst.

Dieser soll zukünftig zwischen den Ortsteilen Egg und Schweikof liegen. Im Gegensatz zur Einigkeit im Wehrer Gemeinderat musste Waldeigentümer Leopold Freiherr von Schönau-Wehr und Forstdirektor Jost Arnold hier aber mehr Überzeugungsarbeit leisten. Anders als der Wehrer Bestattungsforst wird der Rickenbacher Bestattungswald durch die Ruhe Forst GmbH auf einem privaten Waldstück betrieben. Die Gemeinde übernimmt hier die Trägerschaft.