Mit neuen Investitionen will der Eigenbetrieb Abwasser der Stadt Wehr weitere Schritte in Richtung Energieautarkie gehen. Mit einem weiteren Blockheizkraftwerk soll das Gas aus der bereits gebauten Klärschlammfaulungsanlage noch besser genutzt werden, dazu sollen eine Photovoltaikanlage und ein Stromspeicher kommen. Weitere große Investitionen sind für das Kanalnetz geplant.

Nach eineinhalb Jahren wurde im Frühjahr 2020 die Klärschlammfaulungsanlage mit Blockheizkraftwerk für rund 2,8 Millionen in Betrieb genommen. In der Anlage wird aus dem Klärschlamm Gas gewonnen, das dann zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt wird. Ein weiterer Vorteil ist die Reduzierung der Klärschlammmenge, was zu geringeren Kosten bei dessen Entsorgung führt.

Einsparungen

Die erhofften Einsparungen wurden bereits im Jahresabschluss 2020 festgestellten: Die Strom-, Gas- und Schlammentsorgungskosten würden sich planmäßig verringern, erklärte der technische Leiter der Anlage, Frank Lückfeldt: „Die Anlage läuft jetzt besser als erwartet.“ Nun soll im nächsten Jahr mit einem zweiten Blockheizkraftwerk, einer Photovoltaikanlage und einem Batteriespeicher die unabhängige Stromerzeugung der Kläranlage für insgesamt mehr als 500.000 Euro weiter voran gebracht werden. „Das zweite Kraftwerk soll in Ausfallzeiten genutzt werden“, erklärt Lückfeldt.

In zehn Jahren amortisiert

Mit der Photovoltaikanlage soll der Strombedarf tagsüber gedeckt werden. Nachts und an bewölkten Tagen soll das Gas aus der Faulungsanlage genutzt werden. Um für Stromausfälle gewappnet zu sein, soll dazu ein Batteriespeicher installiert werden. „Für das Blockheizkraftwerk gibt es 120.000 Euro Förderung“, erklärte Lückfeldt. Auf Nachfrage von Gemeinderat Mathias Scheer (FW) erklärte Lückfeldt, dass aktuell die erzeugte Energie von der Kläranlage selbst verbraucht wird. Angesichts steigender Energiepreise würde sich der Ausbau der eigenen Strom- und Wärmeerzeugung wohl in weniger als zehn Jahren amortisieren. Bedenken zum Stromspeicher in Hinsicht auf die Effizienz und die ökologischen und ethischen Probleme beim Lithiumabbau gab es von Vito Doria (Grüne).

Das Ziel

„Uns ist noch nicht klar, wie groß der Speicher werden soll“, sagte Lückfeldt. Man würde sich noch verschiedene Technologien ansehen. Ein weiterer Gastank sei keine Alternative, da diese sehr teuer seien. Unterstützung gab es von Bürgermeister Michael Thater: „Das ist ein Gesamtpaket und kommt vor der Vergabe noch mal in den Gemeinderat.“ Es gelte, eine Balance aus optimaler Verwertung und optimalen Energieeinsatz zu finden. Zielrichtung sei die Autarkie der Anlage, so Thater. Es sei wichtig, zeitnah zu handeln: „Jetzt gibt es die Förderung für Blockheizkraftwerke“, so Lückfeldt. Eine komplette Umsetzung 2022 sei dafür nicht zwingend notwendig.

Das Kanalnetz

Weiter investiert werden soll in das Kanalnetz. Fast 300.000 Euro sind für Kanalsanierungen im Bereich „Breitmatt III“ eingeplant. „Wir haben viele schlechte Kanäle in diesem Bereich“, erklärt die kaufmännische Leiterin des Eigenbetriebs, Andrea Frommherz. Insgesamt wird es in der Sparte Kanal Investitionen von 505.000 Euro geben. Der dritte Abschnitt der Sanierung der Breitmattstraße schlägt mit 100.000 Euro zu Buche, dazu kommen nochmals 80.000 Euro für die Entsorgung von Altlasten aus diesem Bereich. Zuletzt sorgt die kurzfristig eingeplante Erschließung der Gewerbeflächen im Bündtenfeld zwischen Novartisgelände und Wuhrstraße für geplante Ausgaben in Höhe von rund 200.000 Euro.