Schon im vergangenen Jahr deutete sich die Auflösung an – die Ortsgruppe vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Wehr wickelt 2022 ihre letzten verbliebenen Projekte ab. Eine Jahreshauptversammlung, die weitgehend nur noch von den verbliebenen sieben aktiven Mitgliedern besucht wurde, zeichnete ein trübes Bild. Die langfristige Arbeit vom BUND ist vor Ort nicht mehr hoch im Kurs. Marcus Asal führt weitgehend alleine die Ortsgruppe, „der Vorstand ist schon etwas zerbröselt“.

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Seit den 80er Jahren hat sich die Wehrer BUND-Ortsgruppe einen engagierten Namen erarbeitet. Aufbau- und Pflegearbeiten in manchem Gewann ist mit den Aktiven verbunden. Von Steinmauern, über kleinräumige Biotopvernetzungen, manch nötige neue Wasserstelle für allerlei Getier sowie die mit Argusaugen wahrgenommene Insektenvielfalt, da hatte sich die Ortsgruppe über fast vier Jahrzehnte gefunden. Die ökologischen Begleitprüfungen waren zeitweise sogar im politischen Umfeld ein Markenkern. Jetzt aber, wird ein geregelter Schlussstrich gezogen. Alles in geordneten Bahnen. Zuerst die Jahreshauptversammlung, die den Vorstand und Kassierer ordentlich entlastete. Dann der Beginn der Besprechungen, welche gepachtete Flächen auf Wehrer Gemarkung bei welchen Eigentümern zum Jahresende gekündigt werden müssen.

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Auch die verbliebenen Flächen, die aus dem Landschaftspflegefond vom Landkreis gefördert werden, stehen zur Disposition. „Da kam immer viel Geld rein, war auch mit viel Arbeit verbunden“, berichtete Kassierer Rudi Huber. Vom Anteil der Mitgliedschaftsbeiträge beim BUND hätte die Ortsgruppe nicht so viele Projekte über lange Jahre betreuen können. Doris Kattner plädierte gleich für eine privat organisierte Biotoppflege der Flächen, die ihr sehr ans Herz gewachsen sind. „Das könnten wir ja bei einem Umweltstammtisch weiterführen und zumindest die kleinsten Kerngeschäfte doch noch zu retten“, Kattner warb mit ihrem Engagement um Sympathie bei ihren langjährigen aktiven Vereinskollegen.

Drastischer Mitgliederschwund

Mitgliederrückgang, annähernd 50 Prozent der aktiven Leute in den letzten fünf Jahren verloren, „nur noch Schreibtischtäter und rein Einzelprojektorientierte“, Doris Asal war in ihrer Einschätzung über den BUND nicht alleine. Dirk Hanser sieht „niemanden dort, der auch arbeitet oder sich zu Wort meldet“, bei den verbliebenen Mitgliedern. Die bleiben zwar Mitglied im BUND, aber ohne einen eigenen Ortsverband. Kassierer Rudolf Huber verwies als Neurentner zwar auf die älter werdenden Aktiven, „aber wir hatten doch mit 20 Leuten das in den letzten Jahrzehnten auch immer gut gemacht, das war eine gute Energieleistung“. Vorsitzender Asal machte im Nachgang fast schon entschuldigend klar, „wir konnten uns bereits in diesem Jahr nicht mehr fundiert bei allem zu Wort melden, das bedauern wir“. Noch werden Gespräche mit dem BUND-Regionalverband geführt, die rechtlichen Formen für die Auflösung sind eingeleitet.