Für die Fertigstellung soll es nun eine letzte Frist bis Ende 2023 geben – ging es nach Stadtverwaltung und Gemeinderat sogar nur noch bis Ende 2022. „Diese Schießzentrum sucht seinesgleichen in Südbaden“, hob Bürgermeister Michael Thater die überregionale Bedeutung der Anlage hervor. Mehrere Vereine nutzen die Anlage, in der in drei Bereichen trainiert werden kann. Einzigartig – aber in negativem Sinne – ist aber auch die Baudauer: Ende der 90er wurde mit der Erweiterung der Anlage begonnen, 290.000 Kubikmeter Boden wurden bereits angehäuft. Es bestehe der Verdacht, dass so eine auf Umwegen legalisierten Deponie für mäßig belastetes Bodenmaterial entstanden sei, so die Stadtverwaltung. Weder Einbau noch Kontrolle seien bislang sachgerecht durchgeführt worden.

Durch die Materialanlieferungen zur Schießanlage wurden auch die neu angelegten Wege in Mitleidenschaft gezogen. Der Verein sagte zu, die Schäden zu beheben.
Durch die Materialanlieferungen zur Schießanlage wurden auch die neu angelegten Wege in Mitleidenschaft gezogen. Der Verein sagte zu, die Schäden zu beheben. | Bild: JUstus Obermeyer

Nun soll die Baumaßnahme erneut verlängert werden. Der sichelförmige Wall auf dem Dinkelberg soll am Ende sogar über 24 Meter hoch werden, dazu muss weiteres Material angefahren und angehäuft werden. In drei Jahren möchte man fertig sein. Mit einer neuen Bauleitung soll diese Fertigstellung vorangetrieben werden, versichert Volker Diefenthäler. Er fungiert dabei als Projektleiter und ist für die Überwachung des eingebauten Bodenmaterials verantwortlich.

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Mit dem aktuellen Antrag sollen nun mit weiteren 160.000 Tonnen Erdmaterial der Wall um die Anlage auf die Höhe von 24,5 Metern gebracht werden. Mit dieser Höhe soll gewährleistet werden, dass kein Bleischrot über die Wallkrone fliegen können, so Diefenthäler. Dabei sorgte der Hinweis des Projektleiters, er könne die Unzufriedenheit verstehen für wenig Entspannung. Vielmehr sorgte die nun nochmal großzügigere Dimensionierung für Irritation: Denn eigentlich sollten sogar weitere 230.000 Tonnen Material eingebaut werden. Ebenfalls beantragt wurden eine Erweiterung der Schießzeiten von aktuell gut 1000 Stunden im Jahr zukünftig auf 3000 Stunden nach Fertigstellung der Anlage. „Eine Nachbeantragung ist schwer. Das ist der maximale Rahmen und wird im realen Betrieb nicht so sein“, so Diefenthäler.

Kritische Fragen

„Wir haben Schwierigkeiten mit dem Antrag. Mir fehlt das Vertrauen, dass es jetzt gut zum Abschluss gebracht wird“, fasst Claudia Arnold (Grüne) zusammen. Die angekündigte Waage für das Material sei immer noch nicht vorhanden, es solle mehr Material als notwendig eingebaut werden – und dieses sei dazu auch noch teilweise belastet. „Wo kommt diese Material her? Gab es bisher kein passendes Material?“, so die Nachfrage von Mathias Scheer (FW). Schließlich habe man in 20 Jahren 290.000 Tonnen verbaut – nun wolle man mit ursprünglich 230.000 Tonnen fast die gleiche Menge in nur drei Jahren einbringen.

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Schärfer formulierte es Hans-Peter Zimmermann (FDP): „Wer hat bislang profitiert und wer wird profitieren?“ Eine konkrete Antwort hierauf blieb Diefenthäler schuldig: „Die Bodenmenge ist eine Berechnung vom Ingenieurbüro Matt. Das Material kommt möglichst aus der Region, wir unterstützen damit die Bauwirtschaft.“ Sollte die Anlage wieder abgebaut werden müssen, sei der Betreiber zuständig, so Diefenthäler. Eine von Stadtrat Scheer gewünschte Sicherheitsleistung des Vereins für diesen Fall sei aber nicht umsetzbar, so Thater: „Das übersteigt wohl die Möglichkeiten des Vereins.“

Beanstandet wurde auch der weithin sichtbare Wall, welcher nach Fertigstellung begrünt werden soll: „Wer garantiert die Pflege?“, so Christoph Schmidt (FW). Dazu müsse der Bau in das Naherholungs- und FFH-Gebiet Dinkelberg eingefügt werden. „Auf der Krone wird es einen Zaun geben, der Wall wird von Mensch und Tier begehbar sein. Auch ein Aussichtspunkt ist denkbar“, so Diefenthäler. Nachfragen gab es auch zur Entsorgung des Bleis nach den Schießübungen: „Das ist gerade in einem Karstgebiet wie dem Dinkelberg wichtig,“ so Schmidt. Eine Alternative zur Bleimunition geben es nicht, erklärte Diefenthäler. Der Wall sei aber mit einem Schutzmaterial ausgelegt, so das kein Blei eindringen könne.

Zustimmung mit Vorbehalt

Als Eigentümerin des Baugeländes stand schließlich eine kritische wie auch umfangreiche Stellungnahme der Stadtverwaltung zur Abstimmung: Auch wenn man das Vorhaben insgesamt unterstütze, seien Bürgerschaft und Stadt am Ende ihrer Geduld angelangt, so Thater. Es handele sich darum um eine letztmalige und nicht mehr verlängerbare Frist. „Wenn der Bau nicht in drei Jahren fertig ist, wird die Genehmigung entzogen“, so die klare Ansage des Bürgermeisters. Nicht alle Stadträte konnte Projektleiter Diefenthäler überzeugen: die Stellungnahme wurde zwar einstimmig beschlossen. Das Einvernehmen zur Änderung des Bauantrags gaben aber nur neun Stadträte, es gab fünf Gegenstimmen und zwei Enthaltungen.

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