„Spiel, Klezmer, spiel! Ein Lied gegen Traurigkeit, ein Lied mit Herz und mit Gefühl“, so heißt es – übersetzt aus dem Jiddischen – im ersten Stück, mit dem die Gruppe Chotsch am Freitagabend das Publikum in der Kulturscheune im Wehrer Enkendorf begrüßt. Der Platz in der Scheune alleine reichte allerdings längst nicht aus für die zahlreichen Zuschauer. Auch auf dem Hof waren noch mehrere Stuhlreihen aufgebaut für ein Publikum, das gekommen war, um sich mit jiddischen Liedern, Instrumentalstücken und anrührenden, auch ein wenig skurrilen Geschichten in die Welt des Klezmer mitnehmen zu lassen.

Klezmer, das war ursprünglich weltliche jüdische Festmusik, lebensfroh und lebensvoll: Überbordende Freude hat darin genauso ihren Patz wie für Melancholie und verhaltene Traurigkeit. Und die drei Freiburger Musiker und Komödianten von Chotsch sorgen für einen kurzweiligen Abend: An der Gitarre Moise Schmidt, der virtuose Geschichtenerzähler und Sänger, die Klarinette spielt Robert Dietrich und entlockt ihr lautmalerisch alle erdenklichen Stimmungen. Mit dem schweren Kontrabass, den er von Zeit zu Zeit auch mal leichtfüßig daherkommen lässt, komplettiert Winfried Holzenkamp das Trio.

In lebendigem spielfreudigem Miteinander singen und erzählen sie ihre Geschichten. Als genialer komödiantischer Erzähler lässt Moise Schmidt das Publikum eintauchen in eine ganz eigene Welt der etwas kauzigen, kleinen Leute: Da ist der Markttag im Örtchen Schissomir, zu dem sich zwei Dörfler mit Kälbchen und Ziege auf den Weg machen. Oder die Geschichte vom Herrn Grafen, der den Tag strecken will, damit er so noch etwas mehr an Arbeit rausholen kann von seinen Untergebenen.

Die Instrumente begleiten den Erzähler, sie lassen die Szenerie vor dem geistigen Auge der Zuschauer lebendig werden. Wenn sich am Ende die Geschichten in unerwarteten Pointen auflösen, bleibt das Publikum erstaunt, belustigt und auch etwas nachdenklich zurück. Dazwischen gibt es Instrumentalstücke, mal heiter und spritzig, mal melancholisch und ein wenig traurig. Die jiddischen Lieder handeln vom Kommen und Gehen der Liebe oder vom Glück, das ein bisschen zu spät gekommen ist. Das Publikum lässt sich mitnehmen, klatscht mit und darf auch mitsingen.

Gegen Ende des Konzerts gibt es noch ein sehr besinnliches Abschiedslied: „Stiller Abend“. Damit es aber nicht zu traurig endet, schickt Chotsch gleich ein fröhliches und lustiges Stück über Namensgebung hinterher. Das Publikum bedankt sich mit lang anhaltendem Beifall, bevor es mit einer Zugabe in einen weiteren heißen Sommerabend entlassen wird.