Celanese plant die Schließung seines Werks in der Industriestraße in Wehr bis zum 30. Juni 2021. Dies gab die Konzernleitung kürzlich den 30 Mitarbeitern am Standort Wehr sowie auf der Firmen-Homepage bekannt. Der Betriebsrat ist verärgert.

Die Gründe für die Schließung

Celanese möchte laut Mitteilung auf der Firmenhomepage an seinem Produktionsstandort in Forlì (Italien) ein Europäisches Compounding Center of Excellence gründen. Dazu plant das Unternehmen die Aufgabe seiner Compounding-Tätigkeiten an den deutschen Standorten Wehr und Kaiserslautern sowie in Ferrara Marconi (Italien) und deren Verlagerung nach Forlì. Mit Compounding ist die Produktion gemeint, bei der spezielle Hochleistungskunststoffe zusammengesetzt werden. In Wehr werden recycelte Polyamid-Verbindungen hergestellt. Zu der Schließung der Werke schreibt das Unternehmen auf seiner Homepage: „Dieser Schritt ermöglicht Celanese, das europäische Produktionsnetzwerk seiner Engineered Materials Standorte sowie die damit verbundenen Betriebskosten weiter zu optimieren.“ Das Unternehmen plane, seine Compounding-Aktivitäten in Wehr noch bis Ende Juni 2021 fortzuführen, heißt es in der Mitteilung.

Die Entscheidung, die Compounding-Tätigkeiten und somit die Produktion in den drei Standorten zu beenden, sei Celanese mit Hinblick auf die Auswirkungen auf seine Mitarbeiter und Standortgemeinden nicht leicht gefallen, schreibt das Unternehmen. Die Entscheidung spiegle nicht die Qualität der Arbeit oder die Bindung von Celanese an die Region wieder, sondern sei das Ergebnis einer kritischen Bewertung von Optionen, um das langfristige Wachstum des Unternhemens zu sichern. „Um die sozialen Auswirkungen auf die Mitarbeiter, deren Rollen durch das geplante Vorhaben betroffen sein können, zu minimieren und die bestmögliche, langfristige Lösung für sie zu finden, beginnen die Verhandlungen mit den Mitarbeitern, lokalen Betriebsräten und Gewerkschaftsvertretern so schnell wie möglich“, schreibt Celanese auf der Homepage.

Reaktionen von Belegschaft und Betriebsrat

Verärgert zeigt sich indes der Gemeinschafts-Betriebsrat der Standorte Utzenfeld und Wehr, wobei der Standort Utzenfeld von der Schließung nicht betroffen ist. Markus Kiefer, Mitglied des Gemeindschafts-Betriebsrats, hat die Reaktionen der relevanten Gruppen zusammengefasst und möchte diese nach Absprache mit der Gewerkschaft nun an die Öffentlichkeit bringen: „Der Betriebsrat kann die Entscheidung nicht nachvollziehen, befürchtet die Schwächung der Region und wünscht sich den Standorterhalt.“ Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE) sagt laut Kiefer dazu: „Das ist eine Riesen-Sauerei, wir in der Chemie sind einen besseren Umgang untereinander gewohnt und von Celanese enttäuscht und wir stehen hinter der Belegschaft und unseren Mitgliedern.“ Außerdem führt Kiefer in seinem öffentlichen Schreiben auch die Reaktion der Belegschaft auf. Diese fürchte einen Stellenabbau auf dem ohnehin schon schwierigen Arbeitsmarkt in der Branche. „Die Mitarbeiter haben seit Monaten Kurzarbeit mitgetragen, da man von der Automobilindustrie abhängig ist“, schreibt Kiefer. Auch welche Auswirkungen die Schließung in Wehr auf den Standort in Utzenfeld hätten, würden sich die Mitarbeiter fragen.

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Was mit dem Gelände der Celanese in Wehr von Konzernseite geplant ist, ist laut Betriebsrat Markus Kiefer unbekannt. „Ein Brachliegen des Werksgeländes kann der Betriebsrat nicht ausschließen“, schreibt er. Und außerdem: „Fragwürdig ist die Entscheidung des Konzerns ebenfalls, weil man laut einem Artikel vom 13. November 2019, im SÜDKURIER, noch von Erweiterung und strategisch wichtigem Standort gesprochen hat und mit großer Investition am Standort Wehr, an die Öffentlichkeit ging“, so Kiefer.

Thomas Drechsel, der Betriebsleiter der Celanese-Werke in Wehr und Utzenfeld.
Thomas Drechsel, der Betriebsleiter der Celanese-Werke in Wehr und Utzenfeld. | Bild: Verena Wehrle

Damals sprach Betriebsleiter Thomas Drechsel davon, den Standort Wehr erweitern zu wollen und dafür sollten in den Jahren 2019 und 2020 drei Millionen Euro investiert werden. Die bereits getätigten Investitionen am Standort Wehr erachten wir nach wie vor als sinnvoll; sie waren für uns als Unternehmen zum Zeitpunkt der Umsetzung die richtige Entscheidung“, schreibt Lisa Moessing von der Unternehmenskommunikation auf Anfrage des SÜDKURIER.

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