Fast genau ein Jahr nach dem offiziellen ersten Spatenstich wurden jetzt die Arbeiten für die Wehrer Breitbandversorgung neu vergeben. Nach der Insolvenz der Firma Stark Energies geht der Großauftrag nun an die Bietergemeinschaft Aytac Vau GmbH/TGB GmbH aus Darmstadt.

„Die Insolvenz war nicht vorherzusehen“, wiederholte Bürgermeister Michael Thater mehrfach im Gemeinderat. Stark Energies hatte im Juli 2021 den Zuschlag für das Bauvorhaben mit einem Auftragsvolumen von zehn Millionen Euro bekommen. Im Winter 2021 endlich los mit den ersten Bauarbeiten im Hölze, am 23. Februar diesen Jahres meldete Stark Energies Insolvenz an.

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Der Großauftrag musste im April erneut ausgeschrieben werden. Das beste Angebot kam diesmal von der Darmstädter Bietergemeinschaft Aytac Vau GmbH/TGB Gmbh und liegt mit gut 11,6 Millionen Euro rund zehn Prozent höher. Damit liege man aber im Durchschnitt der aktuellen Steigerungen im Baugewerbe, so Thater.

Man habe das Bewertungsverfahren noch verfeinert, erklärte Helge Laufer vom Eigenbetrieb Breitband. Die Bietergemeinschaft habe zudem sehr detailliert Auskunft gegeben. „Versicherungsnachweise, Referenzschreiben und Erfahrungen mit Großprojekten sind vorhanden“, so Laufer.

Zusammen mit Bauingenieur Lars Gutmann stand Laufer als technischer Leiter des Eigenbetriebs Breitband den Gemeinderäten Rede und Antwort. Die Stadt arbeitet für die Planungsleistungen mit dem Ingenieurbüro Gutmann aus Höchenschwand zusammen.

Gemeinderat bemängelt knappe Zeit

Trotz aller Informationen war Hans-Peter Zimmermann (FDP) die Zeit für eine eigene und genaue Prüfung des Angebots zu knapp. „Ich habe die gleichen Frage wie vor einem Jahr. Gut, dass es eine bessere Absicherung gibt, aber gibt es verbindliche Zusagen? Ich kann nicht mit gutem Gewissen zustimmen.“ Deshalb enthielt er sich schließlich auch bei der Abstimmung.

Erneut skeptisch äußerte sich auch Vito Doria (Grüne): „Das wir weiterbauen steht außer Frage. Ich hoffe das es gut geht und wir mit einem blauen Auge davon kommen – bin aber nicht optimistisch.“ Es bleibe keine andere Wahl, so auch Stefan Tussing (CDU). „Ich hoffe auf einen regelmäßigen Sachstand hier in der Sitzung“, so Mathias Scheer (FW). Letztlich stimmten alle Gemeinderäte außer Zimmermann für die Auftragsvergabe an die Darmstädter Bietergemeinschaft.

Mehr Zeit und mehr Geld nötig

Zahlungen an Stark Energies seien nicht erfolgt, so Bürgermeister Thater. Allerdings entstehen der Stadt Mehrkosten unter anderem durch die erneute Ausschreibung und die gestiegenen Baukosten. Diese werde man versuchen über die Vertragserfüllungsbürgschaft wieder zu bekommen, so Laufer.

Bei der Vergabe an Stark Energies wurde eine Bürgschaft in Höhe von fünf Prozent des Auftragswerts abgeschlossen. Durch die schlechten Erfahrungen habe man die Bürgschaft für Bietergemeinschaft Aytac Vau GmbH/TGB Gmbh nun auf zehn Prozent erhöhen können.

Wie geht es jetzt weiter?

Im nächsten Schritt solle nun eine Verlängerung der Förderzeit beantragt werden, erklärt Laufer. Denn das Bauprojekt wird größtenteils durch Landes- und Bundesmittel finanziert. Diese Fördermittel sind aber an sehr konkrete Bedingungen geknüpft, darunter festgelegte Daten zu denen mit den Arbeiten gestartet werden muss und auch wann diese spätestens Abgeschlossen sein müssen.

Aktuell läuft die Frist im September 2023 aus – die erwartete Bauzeit beträgt aber etwa zwei Jahre. Hinsichtlich einer Fristverlängerung zeigte sich Laufer zuversichtlich – wichtig sei es jetzt, zügig mit den Bauarbeiten zu beginnen.

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