Gemeinhin wird von einem krönenden Abschluss gesprochen, aber dass es auch umgekehrt geht, zeigte am Samstagabend die Stadtmusik Wehr. Zum "krönenden" Auftakt ihres 160-Jährigen Jubiläums hatte die Stadtmusik mit der Concert Band der Universität Hohenheim und der 3BA Academy Band zwei musikalische Orchester aufgeboten, die das Publikum in der Stadthalle restlos begeisterten.

Unbekannt waren den Konzertbesuchern lediglich die Orchester selbst. Denn beide Dirigenten sind im positivem Sinne stadtbekannt. Joachim Pfläging, vormals Dirigent der Stadtmusik, brachte die Concert Band aus Hohenheim nach Wehr, und die jetzige Dirigentin der Stadtmusik, Birgit Trinkl, die Brass Band der Bayerischen Brass Band Akademie. So kamen die zahlrechen Konzertbesucher in den Genuss zweier ganz unterschiedlicher Stile der Blasmusik. Der sinfonischen Blasmusik und einem satten Brass Sound. Hörgenuss und Spaß war in beiden Fällen garantiert.

Schwungvoll ging es mit der Concert Band, dem ältesten Uni-Blasorchester Deutschlands, in den ersten Konzertteil. Mit der "Sinfonischen Ouvertüre" von James Barnes konnten die 66 Musiker unterschiedlichsten Alters vom ersten Takt weg alle Facetten der Blasmusik gekonnt zeigen. Strahlend helle Eingangsfanfaren leiteten über zu wechselnd schnellen und technisch schwierigen Passagen sowie lyrisch getragenen Elementen. Mit "Red Hill" folgte eine interessante Komposition aus dem asiatischen Raum und wieder zurück in Europa interpretierte das Orchester mit der Suite "Dutch Masters" von Johan de Meij eine originelle Komposition, die musikalisch die Gemälde "Rembrandts Nachtwache", den "Liebesbrief" von Vermeer van Delft und den "Prinzentag" von Jan Steens lebendig werden lässt. Besonders der "Prinzentag", anlässlich der Geburt von Wilhelm V. von Oranien im 18. Jahrhundert gemalt, wird vielen in Erinnerung bleiben. Damals ein Freudentag, den die Holländer mit viel Alkohol feierten, und dessen Stimmung und Ausgelassenheit in sehr zeitgenössischen Takten seinen Niederschlag findet. Das klang dann schräg. Gekonnt schräg, versteht sich, denn das Orchester verirrte sich natürlich nur absichtlich in seinen Noten.

Nach der Pause nahm mit der 3BA Academy Band ein ganz frisch preisgekröntes Orchester auf der Bühne in der Stadthalle Platz. Bereits zum dritten Mal gewannen die 33 Musiker im Alter zwischen 13 und 21 Jahren den ersten Preis beim englischen Butlins Mineworkers Festival. In England hat Brass lange Tradition, entwickelt sich aus den Bergbauregionen heraus und wurde bei Freiluftgottesdiensten oft als Orgelersatz eingesetzt. Für den typischen Orgelklang ist eine spezielle Bauart von Instrumente verantwortlich, die einst Adolf Sax entwickelte. Zum Beispiel das Kornett oder das Euphonium.

Die 3BA Academy Band begeisterte mit Brass. Bild: Brigitte Chymo
Die 3BA Academy Band begeisterte mit Brass. Bild: Brigitte Chymo

Die jungen Musiker starteten mit "Prasmatic Light" von Alan Fernie, einem klassischen Brass Opener und ließen mit "Indian Summer" von Eric Ball unter anderem einen Klassiker über die Ureinwohner Amerikas folgen. Besonders eindrücklich war auch jenes Entertainment Programm, dass beim Wettbewerb gespielt wurde. Ein Choral, ein flotter Marsch, ein sehr schönes Tenorhornsolo und schließlich eine klassische Brasskomposition.

Das Orchester begeisterte mit Sound, Präzision und Spielfreude und wurde erst nach mehreren Zugaben von der Bühne entlassen.