Es ist einer der schwersten Bergläufe überhaupt – aber auch einer der schönsten: der Ultra-Marathon in Zermatt. Zwei Wehrer haben ihn Anfang Juli absolviert: Wolfgang Busshart (53) und Christian Leuter (55), zwei echte Ausdauerathleten.

Über eine Strecke von knapp 45 Kilometer – also über drei Kilometer länger als ein normaler Marathonlauf – geht es bei dem alpinen Laufspektakel von St.Niklaus, dem Hauptort des Walliser Mattertals, über Zermatt in Richtung Matterhorn. Die große Entfernung ist aber nur ein Teil der Herausforderung: Insgesamt müssen die Athleten fast 2700 Höhenmeter überwinden, bevor sie das Ziel auf dem 3089 Meter hohen Gornergrat erreichen. „Die ersten 21 Kilometer nach Zermatt sind noch vergleichsweise flach, danach geht es fast nur noch bergauf“, beschreibt Wolfgang Busshart die Strecke. Immer wieder verlangen steile Passagen mit bis zu 20 Prozent Steigung alles von den Läufern ab. Die letzten 3,5 Kilometer haben es besonders in sich: Sie führen über einen hochalpinen Gebirgsweg. Allein hier sind 400 Höhenmeter zu überwinden. Dass über 2500 Meter Höhe Luft spürbar dünner wird, macht die Sache nicht leichter. Entschädigt werden die Läufer im Ziel von einem einmaligen Blick auf den wohl schönsten Berg der Welt, das 4478 Meter hohe Matterhorn – und natürlich von jeder Menge Glücksgefühle nach den überstandenen Strapazen.

Auf den steilen Rampen auf dem Schlusstück ging es für die Läufer nur im zügigen Schtitttempo nachn oben.
Auf den steilen Rampen auf dem Schlusstück ging es für die Läufer nur im zügigen Schtitttempo nachn oben. | Bild: Wolfgang Busshart

Der erste Marathon gleich ein „Ultra“

„Bei mir stand ein Marathonlauf schon lange auf meiner Liste“, erklärt Wolfgang Busshart, der sich eigentlich als Mountainbiker sieht: In den vergangenen Jahren hat er an den verschiedensten Langstrecken-Radsport-Events teilgenommen: So fuhr er schon die Trans-Alp von Garmisch an den Gardasee, die Trans Germany quer durch Deutschland oder das Abenteuerrennen „La Ruta“ in Costa Rica, das vom pazifischen Ozean durch den Urwald bis zur Karibikküste führt. Als Hobby-Bergsteiger lag es für ihn natürlich nahe, nun bei einem alpinen Marathon zu starten. „Auf dem Fahrrad gibt es auch immer wieder Belohnungsphasen, wenn es bergab geht und man mal die Füße hochnehmen kann. Beim Marathonlauf muss man jeden einzelnen Schritt arbeiten“, beschreibt der 53-Jährige den größten Unterschied der beiden Ausdauersportarten.

Von der Reha auf die Laufstrecke

Für Christian Leuter war es hingegen schon der vierte Marathon: Zweimal lief er bereits den City-Marathon in Freiburg, einmal den Swiss Alpine Marathon in Davos. „Ich hatte 2016 eine schwere Knieverletzung und war danach zwei Jahre außer Gefecht gesetzt. Jetzt wollte ich wissen, ob ich wieder leistungsfähig bin“, so der 55-Jährige. Nach überstandenem Kreuzbandriss und kaputtem Meniskus hatte ihm der Arzt eher abgeraten, einen Ultramarathon in Angriff zu nehmen. „Letztlich habe ich auf mich selbst gehört und muss sagen, dass es sehr gut lief“, meint Leuter zufrieden.

Gemeinsames Training motiviert

Rund 1000 Trainingskilometer absolvierten die beiden in der Vorbereitung, seit dem sie sich im September 2018 für den Lauf angemeldet hatten. Das Training führte sie an den Rhein, nach Lörrach, auf den Hotzenwald oder über den Schluchtensteig „Das gemeinsame Training ist für die Motivation sehr wichtig“, blickt Leuter zurück. Allein falle es viel schwerer, immer wieder den inneren Schweinehund zu überwinden. Und auch beim Lauf selbst machten sie gemeinsame Sache: Auf der gesamten Strecke blieben sie zusammen, motivierten sich, halfen sich gegenseitig über Tiefphasen und überquerten zum Schluss gemeinsam die Ziellinie – als 199. und 200. aller Teilnehmer.

Gemeinsam von Start bis zum Ziel absolvierten Wolfgang Busshart und Christian Leuter den Ultra-Marathon.
Gemeinsam von Start bis zum Ziel absolvierten Wolfgang Busshart und Christian Leuter den Ultra-Marathon. | Bild: Wolfgang Busshart

Mit Verletzung an den Start

Schwierige Phasen hatte vor allem Wolfgang Busshart zu überwinden. „Vier Wochen vor dem Lauf hatte ich mir eine Zerrung zugezogen, die ich bis zum Schluss nicht mehr wegbekam“, so Busshart. Zwar leisteten die Physiotherapeutinnen in der Villa Rupp durch intensive Behandlungen erstklassige Arbeit, im Wettkampf spürte Busshart aber die Einschränkungen. „Nach 21 Kilometern bekam ich zum ersten Mal Krämpfe, die ich aber immer wieder in den Griff bekam.“ Zweifel, dass er es nicht schaffen könnte, hatte er aber nie. „Beißen konnte ich schon immer. Da muss schon viel passieren, dass ich nicht ankomme“, so der Ausdauerathlet. Einen „blöden Fehler“ in der Vorbereitung bereut Busshart allerdings: „Zehn Tage vor dem Lauf habe ich noch Blut gespendet – aus reiner Routine.“ Dies habe seinen Trainingszustand allerdings um Monate zurückgeworfen. „Meine Blutwerte waren danach natürlich im Keller“, ärgert er sich über die unbedachte Aktion.

Glücksgefühle im Ziel

Sechs Stunden und 24 Minuten benötigten die beiden für die fast 45 Kilometer – wobei die Zeit für sie keine Rolle spielt. „Es ist das Erlebnis, das zählt“, so Wolfgang Busshart. Schon an der Strecke habe er immer wieder Gänsehautmomente erlebt: Jubelnde Zuschauer oder Musikgruppen, die mit Alphorn oder Dudelsack die Athleten motivierten. „Die Glücksgefühle im Zeil sind enorm“, pflichtet Christian Leuter seinem Sportpartner bei.

Das Matterhorn.
Das Matterhorn. | Bild: Wolfgang Busshart

Und was sind die nächsten Ziele der beiden Wehrer? Wolfgang Busshart sucht die Herausforderung wieder auf zwei Rädern und einen Mountainbike-Marathon angehen: „Auf dem Fahrrad kann ich einfach mehr genießen“. Es sind vor allem sagenumwobene Etappenrennen wie die Trans Rockies (über die Rocky Mountains in den USA), die Cape Epic in Südafrika oder die Crocodile Trophy in Australien. Auch Christian Leuter kann sich solch ein Mountainbike-Marathon im Team gut vorstellen.

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