Bekommt der Windpark Hasel noch ein viertes Windrad? Dies könnte sich in den kommenden Wochen entscheiden, wenn das Verwaltungsgericht Freiburg über die Klage gegen die Baugenehmigung verhandelt, die das Landratsamt Lörrach im November 2016 erteilt hatte. Ein Anwohner der Mettlenhöfe hatte sich damals nicht mit dem vierten Windrad abgefunden, das das Unternehmen EnBW auf der Anhöhe in nur 409 Meter Entfernung zu der Siedlung geplant hatte. Am kommenden Dienstag beginnt das Hauptsacheverfahren in der Rechtsfrage, die Behörden und Gericht schon mehrfach mit völlig unterschiedlichen Ergebnisse beschäftigt hatten.

Das Verwaltungsgericht wird überprüfen, ob eine Windkraftanlage eine optisch bedrängende Wirkung hat.
Das Verwaltungsgericht wird überprüfen, ob eine Windkraftanlage eine optisch bedrängende Wirkung hat.

2017 hatte sich das Freiburger Gericht erstmals mit der Baugenehmigung befasst und das Lörracher Landratsamt per Eilentscheidung zurückgepfiffen: „Es spricht einiges dafür, dass die erteilte Genehmigung hinsichtlich der Windenergieanlage 1 rechtswidrig ist und den Antragsteller in seinen Rechten verletzt“, so die Kammer des Verwaltungsgerichts damals. Folgerichtig wurde die Genehmigung für dieses vierte Windrad ausgesetzt. In seiner Entscheidung hielt das Gericht eine „optische Bedrängung“ der Anwohner durch die nahe Windkraftanlage zumindest für plausibel.

Das Landratsamt Lörrach hatte dies nicht so gesehen, weil das etwa 200 Meter hohe Windrad knapp 100 Meter höher stehe und die Kläger „in den Himmel starren müssten“, um die Drehbewegung des Rotors wahrzunehmen. Der Anwohner argumentierte hingegen, durch den höheren Standort wirke das Windrad noch größer – entsprechend größer müsste auch der Abstand der Anlage zur Wohnbebauung sein. In der Folge überprüfte das Regierungspräsidium Freiburg die Genehmigung, stellte „keinerlei bedrängende Wirkung“ durch das Windrad fest und stellte im Juni 2018 die Weichen für die Errichtung des vierten Windrads. Nun landet die Sache vor dem Verwaltungsgericht Freiburg, wo es wohl auch um die Frage der Rotmilan-Populationen in der Umgebung des Windparks gehen wird.

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Das Verwaltungsgericht werde am kommenden Dienstag, 8. Oktober, voraussichtlich ab 16 Uhr im Schopfheimer Rathaus verhandeln, teilt das Gericht auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Möglicherweise finde aber auch noch ein Ortstermin bei den Mettlenhöfen statt.

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Das Energieversorgungsunternehmen EnBW, das nicht unmittelbar am Verwaltungsgerichtsverfahren beteiligt ist, hält derweil an den Plänen für das vierte Windrad fest. Dies bestätigte Unternehmenssprecher Ulrich Stark. „Wir würden das vierte Windrad schon gerne bauen“, so Stark. Die weitere Planung werde aber erst vorangetrieben, wenn es ein rechtskräftiges Urteil gibt. Die ursprüngliche Baugenehmigung war im November 2016 erteilt worden und ist für 24 Monate gültig. Allerdings unterbricht das Widerspruchs- und Klageverfahren diese Frist, so dass bei EnBW keine Eile herrscht. Beim Bau der drei Windanlagen waren sämtliche Schwertransporte über Wehrer Gemarkung geführt worden.

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