Die Wildkatze kehrt zurück: Erste Nachweise auf der Schweizer Rheinseite zeigen, dass die scheuen Tiere den Weg an den Hochrhein gefunden haben. Für Fachleute ein Grund zur Freude, für alle Hauskatzen kein Grund zur Sorge, erklären die Biologen Axel Wieland und Sabrina Streif. Der Wildkorridor westlich und östlich der Wehramündung steht nun besonders im Fokus der Tierbeobachter.

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Gleich an zwei Stellen bei Wallbach und Mumpf auf Schweizer Seite hat Sabrina Streif mit ihren Kollegen der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg die streng geschützten Tiere nachweisen können. Grund zur Freude auch abei Axel Wieland, Koordinator des Projekts „Rettungsnetz Wildkatze“ beim BUND Baden-Württemberg: „Insgesamt leben in Deutschland zur Zeit geschätzte rund 6000 Tiere, in Baden-Württemberg vermutlich um 400“, so Wieland. Ein großer Erfolg, galten Wildkatzen vor rund 60 Jahren als fast ausgerottet. „Seit zehn Jahren beobachten wir die Entwicklung und die Tendenz ist eindeutig steigend“, erläutert Streif.

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Neben Auswilderungen waren es auch die gestiegene Wildtierschutzbestrebungen, zum Beispiel die Anlage für Wildkorridore, welche den scheuen Minitigern zu einem neuen Aufschwung verholfen haben. Denn die scheuen Tiere schätzen naturnahen Wald mit Verstecken wie umgefallenen Bäumen, für die Jagd auch Waldsäume und Lichtungen. „Das Monitoring hat uns gezeigt, dass die Tiere Laubmischwald vorziehen“, weiß Wieland. Damit profitiert die Wildkatze auch von den aktuellen Bestrebungen, bei Ausgleichsmaßnahmen auf Mischwald statt schnell wachsendes Nadelholz zu setzen.

Biologe Axel Wieland weiß viel über Wildkatzen, die sich ganz anders als Hauskatzen verhalten.
Biologe Axel Wieland weiß viel über Wildkatzen, die sich ganz anders als Hauskatzen verhalten. | Bild: Georg Lange

Zersiedelung und Straßen als Problem

„Das Potenzial für eine Ansiedlung am Hochrhein ist da. Ein Problem ist allerdings die Zersiedlung und Straßen“, erklärt Wieland. Wildkatzen folgen typischerweise den Wildkorridoren und vermeiden Freiflächen. Eine gewisse Anpassung scheint aber möglich: „Wir haben auch Tiere in den Auwäldern der Rheinebene nachweisen können, obwohl dort einige Freizeitaktivitäten stattfinden“, so Streif.

  • Wie werden Wildkatzen gezählt? Früher musste man sich auf Totfunde und Sichtungen durch Wildbeobachtungen, wie etwa durch Jäger oder Wildkameras, verlassen, erklärt Wieland. Heute werden Haarproben gesammelt und genetisch analysiert. „Wir stellen Stöcke mit Baldrian auf, an denen sich die Tiere reiben und ihre Haare hinterlassen“, erklärt Sabrina Streif. So können damit auch Geschlecht, Abstammung und mögliche Herkunft ermittelt werden. Allerdings ist die Methode immer noch aufwändig und teuer. Darum werden nur gezielt Lockstöcke in Gebieten verteilt, in denen man bereits Tiere vermutet oder gesichtet hat.
  • Wo kommen die Wildkatzen her? In Südbaden wandern die Tiere vor allem aus Frankreich ein. Hier gibt es gering besiedelte Gebiete mit viel Wald, was die Tiere sehr schätzen. Dabei legen die Einzelgänger wert auf ein großes Revier: Weibliche Tiere beanspruchen etwa 100 Hektar, Kater sogar um 1000 Hektar. Zum Vergleich: der gesamte Dinkelberg hat etwa 14 500 Hektar. Die Einzelgänger treffen sich nur zur Paarung: „Im April/Mai bekommen die Katzen Jungtiere und ziehen diese im Sommer auf“, so Wieland. Danach muss der Nachwuchs wandern, bis er ein neues Gebiet für sich findet.
  • Ist die Wildkatze ein Risiko für Haustiere? „Weder Freigänger noch Federvieh muss sich wegen der neuen Nachbarn Sorgen machen“, erklärt Wieland: Wildkatzen ernähren sich von Mäusen und jagen am liebsten im Schutz der Dunkelheit. „Wildkatzen verhalten sich auch ganz anders als Hauskatzen, sie fressen kein Katzenfutter und kommen auch nicht auf die Terrasse“, weiß Wieland. Höchstens bei verwilderten Hauskatzen könnte es zur Verpaarung kommen. „Generell empfehlen wir vom BUND, freilaufende Katzen kastrieren zu lassen“, so Wieland und Streif.