Versteckt unter reichlich Grün ist die Wehra nicht nur wegen ihrer Lage geheimnisvoll. Nachweislich gute Wasserqualität und trotzdem wenig Fische stellen sowohl Biologen, Angelverein und die Stadt vor ein Rätsel. Zu viele Faktoren haben Einfluss auf die Wasserqualität. Erhalt und Pflege des Biotops im Herzen der Stadt bleibt darum eine Gemeinschaftsaufgabe, welcher sich Frank Lückfeldt als technischer Leiter der Kläranlage, der städtische Umweltbeauftragte Clemens Thoma und der Vorsitzende des Angelsportvereins, Winfried Eckert, gemeinsam stellen.

<strong>Austausch:</strong> Frank Lückfeldt (Leitung Kläranlage), Helge Laufer (Bauamt) und der Umweltbeauftragte Clemens Thoma haben nicht nur bei den regelmäßigen offiziellen Gewässerschauen die Wehra im Blick. <br />Bild: Julia Becker
Austausch: Frank Lückfeldt (Leitung Kläranlage), Helge Laufer (Bauamt) und der Umweltbeauftragte Clemens Thoma haben nicht nur bei den regelmäßigen offiziellen Gewässerschauen die Wehra im Blick.
Bild: Julia Becker
  • Abwasser: Abwässer aus Haushalt und Industrie stehen bei vielen ganz oben auf der Liste, wenn es um negative Einflüsse auf die Wasserqualität geht. Tatsächlich wird die Wehrer Kläranlage streng kontrolliert, weiß Frank Lückfeldt. Über neun Regenüberlaufbecken und zwölf kleine Regenüberläufe gelange tatsächlich Abwasser in die Wehra. Dies geschehe aber nur bei Starkregen, welcher die Haushaltsabwässer stark verdünne. Das „Wohlstandslametta“, so Lückfeldt, welches an den Regenüberläufen zu sehen sei, sei vor allem feuchte Toilettentücher, Küchenkrepp und andere Hygieneartikel. Diese seien sehr robust und würden sich im Abwasser nicht wie das normale Klopapier auflösen. „Hier sind auch die Bürger gefordert, diese Artikel nicht über die Toilette zu entsorgen“, so Lückfeldt. Gleiches gelte natürlich auch für Medikamente und Lebensmittel. Auch hinsichtlich Industrieabwässer kann Lückfeldt Entwarnung geben: Die ortsansässigen Firmen hätten eigene Zuleitungen ohne Überläufe, die Novartis sogar eine eigene Abwasseraufbereitung.
<strong>Nachfüllen:</strong> Wie jedes Fließgewässer spült die Wehra ihr Flussbett aus. Da der Nachschub durch das Stauwehr ausbleibt, muss von den Schluchseewerken regelmäßig gezielt Sediment nachgefüllt werden. Bild: Julia Becker
Nachfüllen: Wie jedes Fließgewässer spült die Wehra ihr Flussbett aus. Da der Nachschub durch das Stauwehr ausbleibt, muss von den Schluchseewerken regelmäßig gezielt Sediment nachgefüllt werden. Bild: Julia Becker
  • Durchlässigkeit: Hier kollidieren zwei wichtige Naturschutzthemen: Strom durch Wasserkraft zu gewinnen und gleichzeitig den Lebensraum Fluss vor allem für Fische durchgängig zu halten. Rückbauten von nicht mehr benötigten Schwellen und Fischaufstiegshilfen an den Wasserkraftwerken sind hier das Mittel der Wahl, weiß der Umweltbeauftragte Clemens Thoma. So plant der Energiedienst eine Fischtreppe am 2017 von der Brennet AG gepachteten Wasserkraftwerk in Öflingen. Eigentlich schon für dieses Jahr geplant, liegen die Pläne dafür noch zur Abstimmung, teilt der Energiedienst dazu auf Anfrage mit. Der Baubeginn ist nun für das nächste Jahr geplant.
<strong>Unnötig: </strong>Feuchte Toilettentücher und Küchenkrepp sorgen auch in der Kläranlage für Probleme. Die Toilette ist kein Mülleimer, erklärt Frank Lückfeldt. <em>Bild: Winfried Eckert</em>
Unnötig: Feuchte Toilettentücher und Küchenkrepp sorgen auch in der Kläranlage für Probleme. Die Toilette ist kein Mülleimer, erklärt Frank Lückfeldt. Bild: Winfried Eckert
  • Temperatur: „Besonders Forellen reagieren sehr empfindlich“, weiß Eckert. Das vom Stausee angewärmte Wasser war dem Angelsportverein darum lange ein Dorn im Auge. Der als Pächter mit Hege und Pflege der Wehra betraute Verein hat Messgeräte von Todtmoos-Au bis hinunter zur Wehrbucht installiert. „Im Sommer haben wir oberhalb des Stausees 18 Grad gemessen, danach 24 Grad“, stellt Eckert fest. Kürzlich wurde im Zuge der Neukonzessionierung von der Schluchsee AG nun ein Kühlmechanismus installiert. Nicht ändern könne man hingegen die hohen Temperaturen im Sommer. „Wir lernen aus der Erfahrung und setzten in dieser Zeit weniger Fische aus“, erklärt Eckert. Gleichzeitig gelte in dieser Zeit ein Angelverbot.
  • Gewerbekanäle: In Zeiten von geringen Niederschlägen werde, wie aktuell geschehen, die Wasserentnahme durch Privatpersonen untersagt, erklärt Lückfeldt. Wenig Eingriffsmöglichkeiten gebe es hingegen bei den gewerblichen Entnahmen: „Die Wasserrechte sind teilweise sehr alt und im Grundbuch festgehalten“, erklärt Thoma. Einfluss nehmen könne die Stadt maximal durch das Angebot von Ausgleichszahlungen. Gerade in den Gewerbekanälen heize sich das Wasser im Sommer sehr auf, Eckert. In diesen Bereichen haben die Angler in diesem Sommer besonders viele tote Fische gefunden.