Die Hoffnungen der evangelischen Kirchengemeinde Wehr-Öflingen haben sich dank der Spendenbereitschaft der Bevölkerung und zweier Zuschüsse erfüllt. So kann ihr „Kuh-Projekt“ in Indien starten. Am Samstag informierten Pfarrer Peter Hasenbrink und der Öffentlichkeitsbeauftragte Karl-Wilhelm Frommeyer über den Sachstand. Religionspädagoge Ernst Herold erzählte vom Besuch in Indien.

Der Religionspädagoge Ernst Herold informierte über seinen Besuch in Indien.
Der Religionspädagoge Ernst Herold informierte über seinen Besuch in Indien. | Bild: Michael Gottstein

Seit vielen Jahren arbeitet die Gemeinde mit der „Community Development Society“ (CDS) und deren Projektleitern Manoj und Alka Macwan zusammen. Um unabhängiger von Spenden zu werden, möchte man einen landwirtschaftlichen Betrieb mit 30 Kühen aufbauen. Der Erlös aus dem Milchverkauf soll der CDS für ihre Entwicklungsprojekte mit Menschen aus den Slums zugutekommen. Das Projekt erfordert eine Investition von 100.000 Euro, bisher sind 60.000 Euro zusammengekommen. Mit den Wirtschaftlichkeitsberechnungen hat die Gemeinde die Hilfsorganisation „Brot für die Welt“ überzeugt, das Kuh-Projekt mit 15.000 Euro zu unterstützen. Der Kirchenbezirk Hochrhein gab einen Zuschuss in gleicher Höhe, außerdem flossen im vergangenen halben Jahr 30.000 Euro an Spenden ein.

Ein Slum in Indien.
Ein Slum in Indien. | Bild: Ernst Herold

Nachdem das Land gepachtet und Anfangskapital gesammelt wurde, kann es nun losgehen: Ställe, Lagerräume und Zäune werden in Kürze gebaut, Strom- und Wasseranschlüsse gelegt, 20 Mitarbeiter eingestellt und geschult. Ab Mai möchte man die ersten Kühe anschaffen. Um auf 30 zu kommen (sie werden von anderen Kleinbauern gekauft), werden weiterhin dringend Spenden benötigt. Die Genossenschaft AMUL garantiert, dass sie die Milch zu für Indien stattlichen Preisen ankaufen wird. Nun stellen sich manche Bürger vielleicht die Frage, ob die Verarbeitung eines so leicht verderblichen Lebensmittels im heißen indischen Klima funktioniert und ob man heilige Kühe melken darf. Beides sei kein Problem, versicherte Herold: Es handle sich um Holsteiner Kühe, die in Indien nicht als heilig gelten.

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Herold hat sich vor Ort davon überzeugt, dass die von Kleinbauern angelieferte Milch nach westlichen Standards zu H-Milch, Joghurt und Käse verarbeitet wird, in einer Anlage, die zu 90 Prozent aus Deutschland stammt. Der Erlös kommt der CDS zugute, die in den Slums Kindergärten betreibt. Sie ermutigt junge Frauen und Mädchen, für ihre Rechte einzustehen, und ermöglicht ihnen, Berufe wie Näherin oder Kosmetikerin zu erlernen und Computerkurse zu besuchen – für all dies gibt es einen Bedarf in der stark wachsenden indischen Mittelschicht. „Das Geld ist dort gut angelegt“, versicherte Pfarrer Peter Hasenbrink.

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Dekanin Christiane Vogel dankte den Spendern. Auch wenn die Not groß sei, solle man sich nicht entmutigen lassen. „Für die Menschen, denen wir helfen können, ändert sich alles zum Besseren.“ Die Band Rollende Steinchen (Heiko Trefzger, Fabian Birzele, André Grunert, Oliver Ringeisen, Linn und Fiona Trefzger, Jonathan und Hanna Birzele) umrahmte den Empfang. Sie möchte den Erlös aus dem CD-Verkauf verdoppeln, um die Anschaffung einer Kuh (750 Euro) zu finanzieren.