Seit zwei Jahren gibt es organisierte Nachbarschaftshilfe in Wehr. Ein kräftiger Zuwachs an Teilnehmern und Einsatzstunden sorgt für Freude beim Vorstand. Als größte Herausforderung bleibt der Kampf mit der Bürokratie. „Die Nachfrage ist riesig“, so Einsatzleiterin Silke März-Mathieu: bis Oktober wurden bereits 2500 Helferstunden geleistet, im November allein waren 37 Helfer im Alter von 30 und 70 Jahren in Wehr und Öflingen unterwegs. „Mittlerweile sind auch zehn Männer sehr aktiv als Helfer dabei“, freut sich die Einsatzleiterin.

Verdoppelung der Helfer

Mehr als eine Verdopplung der Helferzahlen seit dem ersten Jahr, das bedeutet natürlich auch für die sechs ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder viel Arbeit. „Die Dokumentation ist sehr aufwendig, dazu kommen die Gespräche mit Helfern und Klienten sowie die Abrechnung“, erklärt die Vorsitzende des Vereins Susanne Fricker. Rund 60 Prozent der Klienten können den Beitrag für die Hilfe über die Pflegekasse abrechnen. Denn auch wenn der Verein für alle offen steht, vor allem Senioren nehmen die Alltagshilfe gerne in Anspruch. „Wir haben etwa 60 regelmäßige Klienten. Andere nehmen die Hilfe nur kurzfristig in Anspruch, etwa bei einer Erkrankung“, weiß Silke März-Mathieu. Ob Einkäufe erledigen, Unterstützung im Haushalt oder einfach mal nicht allein spazieren gehen – der Verein hilft ausdrücklich nur bei den kleinen Dingen des Alltags und ist kein Ersatz für eine Pflegekraft. Schulungen für die Helfer sind trotzdem selbstverständlich und für die Abrechnung mit der Pflegekasse sogar teilweise Voraussetzung, erklärt Susanne Fricker.

 

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Darum bietet der Verein regelmäßig kostenfreie Weiterbildungen über die Pflegekasse an. „Wichtig sind auch interne Schulung etwa zum Thema Arbeitssicherheit oder Hygiene sowie der Austausch untereinander“, so Fricker. Dafür, dass die Helfer hierfür ihrer Freizeit opfern würden, sei man sehr dankbar. Umso ärgerlicher sei es darum, so Fricker, dass aktuell von Seiten der Berufsgenossenschaft die Arbeit der Nachbarschaftshilfevereine sehr schwer gemacht werde. Die Berufsgenossenschaft der Wohlfahrtspflege (BGW) versichert die Helfer bei ihren Einsätzen. Diese Absicherung wird durch Spenden vom Verein bezahlt, die jeweilige Prämie richtete sich bisher nach den Einsatzstunden. Ab Januar dürfen bürgerschaftlich Engagierten nun nur noch Pauschalen, keine stundenbezogenen Vergütungen mehr bekommen.

Kritik an der Bürokratie

Für die Pflegekasse müssen die Einsätze aber stundenweise abgerechnet werden. „Wir fühlen uns da allein gelassen und sabotiert. Vermutlich werden einige Nachbarschaftshilfevereine durch diese wahnsinnige Bürokratie aufhören“, so Fricker weiter. Der Verein ist Mitglied im Freiburger Netzwerk Nachbarschaftshilfe. Hier man das Gespräch mit Abgeordneten, der BGW und dem Sozialministerium. „Ich habe den Eindruck, dass die Kampagne des Netzwerks nicht von Interesse zu sein scheint“, so Fricker.