Interview mit dem Wehrer Kommananten Nico Bibbo über die wachsenden Herausforderungen der Feuerwehren, das Ehrenamt und die Zusammenarbeit mit Nachbarwehren.

Im kommenden Jahr bekommt die Wehrer Feuerwehr zum ersten Mal einen hauptamtlichen Gerätewart. Wie kam es dazu?

Um ehrlich zu sein, sind wir da schon viele Jahre dran. Bislang haben wir die Aufgaben auf viele Schultern verteilt. Wenn wir durchzählen, kommen wir auf insgesamt 20 ehrenamtliche Gerätewarte in den beiden Abteilungen Öflingen und Wehr. Allein für den Atemschutz haben wir acht Verantwortliche. Bei deutlich über 100 Einsätzen pro Jahr müssen wir uns einfach an anderer Stelle entlasten.

Was ist denn die Aufgabe eines Gerätewarts?

Er muss die gesamte Ausrüstung regelmäßig prüfen und instandhalten. Von den Fahrzeugen, der technischen Ausstattung, den Atemschutzgeräten bis zur Kleidung: Für jeden Teilbereich haben wir bislang eigene Gerätewarte, die für die Einsatztauglichkeit sorgen müssen. Einen Fehler können wir uns nicht erlauben, letztlich geht es ja um Menschenleben. Jede Prüfung muss zudem genau dokumentiert werden, ohne die entsprechende Dokumentation hat eine Überprüfung formal nicht stattgefunden. Das ist mit teilweise mit einem enormen bürokratischen Aufwand verbunden, dass es für ehrenamtliche Kräfte kaum noch machbar war. Wir haben über einen längeren Zeitraum alle anfallenden Arbeitsstunden zusammengerechnet. Demnach bräuchten wir sogar mehr als eine hauptamtliche Kraft.

Viele umliegende Gemeinde-Feuerwehren haben längst einen hauptamtlichen Gerätewart. Teilweise sogar Wehren, die deutlich kleiner sind als Ihre.

Das stimmt. Murg, Albbruck und St.Blasien zum Beispiel. Bad Säckingen hat schon viele Jahre einen hauptamtlichen Gerätewart, Waldshut-Tiengen zwei und Schopfheim sogar drei.

Warum geht Wehr diesen Schritt zu einem hauptamtlichen Feuerwehrmann erst jetzt?

Die beiden Abteilungen Wehr und Öflingen sind geprägt von dem hohen ehrenamtlichen Einsatz ihre Mitglieder. Darauf sind wir und auch die Verantwortlichen der Stadt sehr stolz. Eine hauptamtliche Kraft verändert auch eine Feuerwehr, dessen muss man sich auch bewusst sein. Solange es ehrenamtlich funktioniert, wollten wir es auch so bewerkstelligen. Auch in Zukunft werden wir einige Aufgaben des Gerätewarts ehrenamtlich übernehmen.

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Anderes Thema: Die Mobilität in der Arbeitswelt wird immer wichtiger. Viele Wehrer arbeiten heute auswärts. Das wird auch die Feuerwehren treffen, die ja auch tagsüber eine schlagkräftige Truppe bereitstellen müssen.

Es wird tatsächlich immer schwieriger, eine Tagesbereitschaft zu gewährleisten. Im Moment können wir das notwendige Personalaufgebot aber noch halten. Wir müssen innerhalb von zehn Minuten nach Alarmierung am Einsatzort sein. Für einen Löschzug benötigen wir 21 Einsatzkräfte. Bei größeren Einsätzen können wir auch auf die Überlandhilfe zurückgreifen – dann unterstützen uns die Feuerwehren aus der ganzen Raumschaft – auch über die Kreisgrenze hinweg.

Könnte man tagsüber auch auf Mitglieder anderer Feuerwehren zurückgreifen, die ihren Arbeitsplatz in Wehr haben?

Es gibt tatsächlich einige Fälle, wenn auch nicht allzu viele. Dazu ist es natürlich erforderlich, in beiden Feuerwehren – am Wohn- und am Arbeitsort – mit zu proben. Das ist natürlich ein sehr hoher Zeitaufwand, denn man kaum erwarten kann.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Nachbarwehren?

Ganz hervorragend. Den Bad Säckinger Kommandanten Tobias Förster kenne ich beispielsweise schon seit unserer Zeit in der Jugendfeuerwehr. Ähnlich ist es mit vielen anderen Wehren. Wir kennen und schätzen uns, die Zusammenarbeit klappt da völlig problemlos.

Wir laden uns gegenseitig zu Schulungen ein und stehen in engem Austausch, auch mit der Ausrüstung: Heute hält nicht mehr jede Feuerwehr einen kompletten Fuhrpark vor. Über den Kreisbrandmeister wird die notwendige Ausrüstung koordiniert. Der Bad Säckinger Rüstwagen ist auch in den Nachbarstädten im Einsatz. Im Gegenzug stellen wir unseren neuen Gerätewagen samt des zugehörigen Personals zur Verfügung. Unser „Löschgruppenfahrzeug Katastrophenschutz“ ist im Katastrophenfall sogar bundesweit Einsatz, wenn es angefordert werden sollte.

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Die Gesellschaft hat sich verändert. Spüren Sie ausreichend Unterstützung fürs Ehrenamt?

Heute wird die Feuerwehr mitunter zu Einsätzen gerufen, wo es nicht unbedingt notwendig wäre. Da spürt man schon eine hohe Erwartungshaltung in der Bevölkerung. Von der Stadtverwaltung und insbesondere vom Ordnungsamt bekommen wir aber alle Unterstützung, die notwendig ist, um eine modern ausgestattete Feuerwehr mit leistungsfähiger Ausstattung zu bleiben. Und auch die Arbeitgeber sind sehr kulant, wenn es darum geht, Arbeitskräfte für Einsätze freizustellen. Auch das sollte mal positiv erwähnt werden.

Wie steht es um den Nachwuchs?

Im kommenden Jahr werden elf Mitglieder der Jugendfeuerwehr in die Mannschaften der Abteilungen Wehr und Öflingen wechseln. Das bedeutet auch: Unsere Jugendgruppen können wieder frisches Blut gebrauchen.

Fragen: Justus Obermeyer