Wehr Wehr macht aus der Gemeinschaftsschule eine "Realschule neuen Typs“

Der Gemeinderat soll am Dienstag nächster Woche eine neue Schulform beantragen. Die Gemeinschaftsschule läuft 2024 aus.

Die Stadt Wehr reagiert auf die nach wie vor niedrige Akzeptanz der Wehrer Gemeinschaftsschule (GMS) und will sie deshalb zu einer "Realschule neuen Typs" weiterentwickeln. Einen entsprechenden Antrag soll der Gemeinderat am kommenden Dienstag, 24. April, stellen. Das Kultusministerium muss diesem Antrag dann noch zustimmen. Die neue Schulform soll im Schuljahr 2019/2020 mit der fünften Klasse starten, die bisherigen Gemeinschaftsschuljahrgänge wachsen dann bis zum Schuljahr 2024/25 heraus.

Beim Pressegespräch am Montagnachmittag betonten sowohl Bürgermeister Michael Thater als auch der Leiter des Schulamts in Lörrach Hans-Joachim Friedemann, dass der Antrag keine "Rückkehr zur Realschule" bedeute, sondern vielmehr eine Weiterentwicklung der bisherigen GMS sei. "Wenn wir 2013 diese Möglichkeit gehabt hätten, wären wir schon damals diesen Weg gegangen", so Thater.

  • Was ist der Unterschied zwischen "Realschule neuen Typs" und Gemeinschaftsschule? Ein leistungsdifferenzierter Unterricht findet an der neuen Schule schon ab Klasse 7 statt. Bei der GMS war die Differenzierung erst in Klasse 9 vorgesehen, die dann in den jeweiligen Abschlüssen mündete. An der Realschule neuen Typs ist neben dem Realschulabschluss zum Ende der Klasse 10 auch der Hauptschulabschluss ab Klasse 9 möglich. Nach dem Hauptschulabschluss ist es möglich, die Mittlere Reife in zwei weiteren Jahren abzulegen. Ein ganz praktischer Unterschied: Die Schüler bekommen Noten, auch ein "Sitzenbleiben" ist nicht mehr ausgeschlossen. Durch individualisiertes Lernen soll allerdings der Leistungsdruck abgemildert werden. Die Option, irgendwann mit einer Oberstufe das Abitur anbieten zu können, entfällt. "Wir machen Realpolitik", so Thater.
  • Wie unterscheidet sich die neue Schulform von der altbekannten Realschule? Ein "Abschulen" gibt es nicht; kein Kind darf abgelehnt werden und auch ein "von der Schule fliegen" ist nicht vorgesehen. Helios Scherer vom Schulamt in Lörrach formuliert es so: "Die Schule muss mit den Schülern arbeiten, die sie besuchen." In den Klassen 5 und 6 gemeinsam auf mittlerem Leistungsniveau unterrichtet.
  • Wird die neue Schulform auch Ganztagsschule? Gab es bei der GMS verplichtend Ganztagesbetreuung, obliegt bei der Realschule die Entscheidung beim Schulträger. Bürgermeister Michael Thater sagte, dass er weiterhin an drei Tagen offen Ganztagesbetreuung wie einst bei der Realschule anstrebe.
  • Was passiert mit den Klassen 1 bis 4? Die Grundschulklassen der Zelg und der Außenstelle Öflingen sollen künftig wieder als eine eigenständige Grundschule mit eigenem Rektor und Konrektor geführt werden. Damit gäbe es neben der Talschule wieder eine zweite Wehrer Grundschule.
  • Was bedeutet der Antrag für die offene Rektorenstelle? Sobald der Antrag gestellt ist, werde das Schulamt die Rektorenstelle für die Realschule ausschreiben. Für einen unbestimmten Übergangszeitraum hat Helios Scherer ein sechsköpfiges Leitungsteam installiert, dass von zwei Externen unterstützt wird. "Wir haben da ein stabiles Team, das die Schule leitet, bis wir einen geeigneten kanduiaten gefunden haben. wir haben da keine Eile", so Helios Scherer. Derzeit führt Petra Thiesen für den abwesenden Konrektor Nikolas Knust die Schule. Die Rektorenstelle ist seit dem Weggang von Andreas Bosch zum Schuljahresanfang unbesetzt.
  • Werden Lehrer, Eltern und Schüler in die Entscheidung eingebunden? Dem Antrag, die Schulform zu verändern, ging ein mehrmonatiger interner Prozess mit mehreren Workshops voraus, an dem sich Lehrer, Eltern, Schüler, Schulsozialarbeiter und Vertreter der Stadt beteiligten. Klar sei gewesen, dass es neben der "Realschule neuen Typs" nur eine Alternative gegeben habe: Die Fortführung der GMS.

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