Vom Ehwald haben etliche Wehrer Bewohner schon gehört oder haben ihn vielleicht sogar durchwandert. Doch was es mit ihm auf sich hat, wissen vermutlich die wenigsten. Mit dem männlichen Vornamen „Ewald“ hat dieser Begriff jedenfalls nichts zu tun, vielmehr handelt es sich um den großen Forst im Norden der Gemarkung Wehr, der sich auf einem teilweise steilen Hang östlich der Wehra vom Heuelkopf bis zum Sägenbach hinzieht und eine Fläche von rund 350 Fußballfeldern umfasst.

Die 770 Meter hoch über dem Wehratal liegende Ehwaldhütte wurde bereits 1895 errichtet und kann von Familien, Schulklassen, Gruppen oder Vereinen gemietet werden.
Die 770 Meter hoch über dem Wehratal liegende Ehwaldhütte wurde bereits 1895 errichtet und kann von Familien, Schulklassen, Gruppen oder Vereinen gemietet werden. | Bild: Richard Kaiser

Der Ehwald galt möglicherweise einst als Grenzwald, denn die Silbe „eh“ könnte, so der Historiker Fridolin Jehle (1908 bis 1976), als Scheidelinie oder Trennung, auch Linie oder ein Bezirk, wo zwei verschiedene Gebiete aneinanderstoßen, bedeuten.

Im Norden und Osten grenzt der Ehwald an die frühere Grafschaft Hauenstein, und im Westen befand sich das Territorium der Herrschaft Rötteln. Der Ehwald war für die Holzversorgung des Eisenwerks in Wehr von Belang. Um ihn zankten sich 1567 das Kloster Klingental (das den Forst 1257 von Walther von Klingen für 27 Mark Silber erworben hatte) und Jakob von Schönau, als Inhaber der Herrschaft Wehr.

Doch herrschten erst klare Verhältnisse, nachdem 1595 die vorderösterreichische Regierung die Eigentumsansprüche des Ehwaldes für 20 Mark Silber vom Rechtsinhaber des Klosters Klingental, der Stadt Basel, erwarb. Damit ging das Areal in Staatseigentum über, wo es sich noch heute befindet.

Vorderösterreich beauftragt Kartografen

Im Süden stößt der Ehwald an den Grabenwald, der der Gemeinde Wehr bereits 1557 zugesprochen wurde. Doch ein dazwischenliegendes Gebiet, das um den Schwarzgraben, war umstritten. Bevor 1777 der „Plan über die Herrschaft Wehr“ des Geometers Thomas Walz entstand, wollte man jedoch Klarheit über die künftige Abgrenzung zwischen Staats- und Gemeindeeigentum.

Die vorderösterreichische Regierung beauftragte daher ihren Geometer Tobias Neeb, einen Plan über den Ehwald zu zeichnen, die strittige Grenze darin darzustellen und die entsprechenden Flächen zu berechnen.

Der Plan von 1776 beinhaltet keine fliegende Fledermaus, sondern den Staatsforst mit der Bezeichnung „Ehewald“. Er befindet sich auf der Gemarkung Wehr und grenzt im Osten an die Gemarkungen Herrischried und Hornberg.
Der Plan von 1776 beinhaltet keine fliegende Fledermaus, sondern den Staatsforst mit der Bezeichnung „Ehewald“. Er befindet sich auf der Gemarkung Wehr und grenzt im Osten an die Gemarkungen Herrischried und Hornberg. | Bild: Richard Kaiser

Neeb brachte die Ergebnisse seiner Vermessung 1776 im „Plan des bey Wehr gelegenen Kaiserl. Königl. Ehewalds“ zutage und beschrieb das Terrain mit „dessen Universal Innhalt bis an die rothe Differenz Linie exclusive des Bachs 614 Jauchert“ zuzüglich „Strittiger District 70 Jauchert“. Er wies den „Ehewald“ mit insgesamt 684 Jauchert (246 Hektar) aus, darin eingeschlossen das ehemalige Genter-Lehen mit 61 Jauchert (22 Hektar), an das heute noch der Genterhofweg erinnert, der vom Hornbergweg abzweigt.

Was hat es mit der Silbe „Ehe“ auf sich?

Der Geometer Neeb titulierte 1776 das Gebiet als „Ehewald“. So auch Thomas Walz, der ein Jahr später den Plan über die Herrschaft Wehr zeichnete, sowie Johann Hünerwadel, der den Namen „Ehewald“ als angrenzender Bereich seiner 1786 aufgemessenen Gemarkung Hornberg verwendete.

War dies ein Versehen, oder wurde das Areal früher tatsächlich einmal so genannt? Der Begriff „Ehe“ könnte aus dem mittelhochdeutschen „ewe“ abgeleitet werden und „Vertrag“ bedeuten, im Neuhochdeutschen dagegen als „ewig“ gelten, sodass es ein „seit unbedenklichen Zeiten geltendes Recht“ damit gemeint sein könnte.

Von der Felsenhütte am Ehwaldweg hat man einen schönen Blick ins Wehratal.
Von der Felsenhütte am Ehwaldweg hat man einen schönen Blick ins Wehratal. | Bild: Richard Kaiser

Die 76 auf 55 Zentimeter große „Ehewald-Karte“ hat den Maßstab 1:5000, weil seine abgebildete Maßstabsleiste, die 100 Ruthen (316 Meter) aufzeigt, 6,3 Zentimeter lang ist. Die Karte ist als eingerolltes Blatt auf einem Holzbrett dargestellt, mit lorbeerumrankter Titel- und Legendenkartusche, und zeigt die Grenzlinien des Grundstücks mit Grenzsteinen und seine Abgrenzung entlang der „Wühre“ auf. Mit Wühre nannte Neeb die Wehra. Handelt es sich um einen (weiteren?) Übertragungsfehler oder um die damalige Bezeichnung des Flusslaufes?

Die Karte weist zudem eine Besonderheit auf, wie sie von keinem anderen Plan bekannt ist. Tobias Neeb malte auf dem freien Platz der Karte einen sitzenden, zeichnenden Geometer in schmucker Uniform, daneben Messkette und Zeichenbrett auf Stativ. Die Vermutung liegt nahe, dass er sich damit in der felsreichen Landschaft des Ehwalds selbst verewigte.

Der Kartenfertiger zeichnete am unteren Rand seines Ehwald-Planes einen Geometer des 18. Jahrhunderts, wohl sich selbst.
Der Kartenfertiger zeichnete am unteren Rand seines Ehwald-Planes einen Geometer des 18. Jahrhunderts, wohl sich selbst. | Bild: Richard Kaiser