Wehr Warmlaufen für die Fasnacht: Wehrer Narren eröffnen die Saison

Humor war nicht unbedingt Trumpf bei der Fasnachts-Proklamation in Wehr. Vielmehr geriet die Veranstaltung über weite Strecken zum Schlagabtausch. Kein Wunder, ist die Fasnachtssaison, die nun eröffnet wurde, von politisch schwergewichtigen Themen geprägt wie selten. Allem voran gilt das für die Themen Spital Bad Säckingen und Windräder. Gerade Bürgermeister Michael Thater zeigte, dass der Spaß bei ihm bei eben diesen Themen aufhört. Aber immerhin gab es auch schöne Momente. Die Rückkehr des Fasnachts-Urgesteins Gallus zum Beispiel.

Was für ein Comeback. Acht Jahre, nachdem Thomas „Gallus“ Gallmann die Bühne des Wehrer Zunftabends verlassen hat, war er bei der Proklamation der Fasnacht 2018 am Samstag in der Stadthalle plötzlich wieder da. Und man darf gespannt sein, welche Überraschungen die bevorstehende fünfte Jahreszeit noch so mit sich bringt. Langweilig dürfte es jedenfalls nicht werden, Themen gibt es für die Narren nämlich mehr als genug.

Ein Burgi unter Narren: Michael Thater (links) fühlte sich in Gesellschaft von Christian Martin und Petra Meier sichtlich wohl.
Ein Burgi unter Narren: Michael Thater (links) fühlte sich in Gesellschaft von Christian Martin und Petra Meier sichtlich wohl. | Bild: Jörn Kerckhoff

Windräder, das Spital Bad Säckingen, Ultraleichtflieger auf dem Dinkelberg und natürlich Dauerbrenner wie die Autobahn A98 oder die Elektrifizierung der Hochrheinstrecke – all diese Themen kamen schon beim Auftakt in die Bütt und werden die Narren dann wohl erst recht während der heißen Phase der Fasnacht beschäftigen. Die Proklamation ist ja schließlich nicht mehr als ein kleiner Vorgeschmack, bevor es dann im neuen Jahr so richtig zur Sache geht.

Es hatte ein wenig was von einer Pressekonferenz vor einem großen Boxkampf, was sich da so abspielte. So nutzten auch Burgi Michael I. Thater, DJ Michael „Schlagi“ Schlageter, Hans-Peter „Ehrenoberzunftrat“ Zimmermann und Wolfgang „Stadtrat“ Meier die Gelegenheit, sich gegenseitig und andere verbal richtig auf die Ohren zu geben. Thater rügte etwa die Kritik an seinem urlaubsbedingten Fehlen im Kreistag als die Spitalfrage entschieden wurde. Zimmermann würdigte Thater, "der nur deswegen keine Fehler macht, weil er halt überhaupt nichts mach", und die „Schlafstadt“ Stadt Wehr deswegen langsam vor die Hunde gehe. DJ Schlagi schlug dagegen versöhnliche Töne an. Nachdem er im vergangenen Jahr die Narrenzunft und den Zustand der Wehrer Fasnacht kritisiert hatte, gab es in diesem Jahr Streicheleinheiten für die Zunft. Der Montagsumzug sei eine tolle Neuerung und auch mit dem Hemdglunki gehe es bergauf, so Schlagi.

Hans Peter Schlageter blickte auf die Geschichte der Geisterzunft zurück, die in diesem Jahr ihr 60-jähriges Jubiläum feiert und deswegen übrigens auch den Pin ziert, der in diesem Jahr als Plakette verkauft wird. Schlageter lobte die Leistungen der Zunftmeister der Geisterzunft – nicht zuletzt seine eigenen. Denn auch Schlageter führte die Geister über viele Jahre an. Geschichte schrieben die Geister, als sie im Jahr 1989 mit dem „Geisterjodler“ im Schwarzwaldradio – heute Radio Regenbogen – zu hören waren.

Und eben für diesen Geisterjodler wurde der "Gallus" wieder aus der Versenkung geholt. Thomas „Gallus“ Gallmann sorgte mit seinem Auftritt dann auch für die Lacher, die der Proklamation bis dahin ein wenig gefehlt hatten. Gallus ist eben ein Brüller. Ob der Auftritt bei der Proklamation vielleicht ein Zeichen dafür war, dass er auch auf die Zunftabendbühne zurückkehrt? Bei zurückgetretenen Boxern heißt es „They never come back“. Wie das bei abgetretenen Narren ist, wird sich zeigen.

Manchmal kommen sie doch wieder: Thomas Gallus Gallmann (links) sang, mit Begleitung von Michael Schlagi Schlageter, noch einmal den Geisterjodler von 1989.
Manchmal kommen sie doch wieder: Thomas Gallus Gallmann (links) sang, mit Begleitung von Michael Schlagi Schlageter, noch einmal den Geisterjodler von 1989. | Bild: Jörn Kerckhoff

Keine Proklamation in Wehr ohne Zehntabgabe. Die Windräder auf dem Glaserkopf und die damit verbundenen Schwertransporte durch Wehr hatten für einiges Kopfzerbrechen beim Gemeinderat und beim Bürgermeister gesorgt. Dafür bekam Thater von der Narrenzunft nun ein kleines Windrad für den Schreibtisch und ein Laufshirt vom Energieversorger EnBW überreicht, beziehungsweise angezogen. Warum er das Shirt schneller wieder aus- als zuvor angezogen hatte, bleibt Thaters Geheimnis. Aber die Miene des Burgis verriet so einiges.

Um die Windräder geht es auch beim Motto für die Wehrer Fasnacht. „De Flughafe vom Dinkelberg grüeßt’s Windrad vo de Hasler Zwerg“, wurde unter 51 Einsendungen als Motto für die bevorstehende Fasnacht ausgewählt. Patrick Lau zeichnet verantwortlich für das Motto. Das Gaudi-Motto stammt von Ralf Mohr und lautet: „De Schdrom chunnt vo Hasel, s’Abwasser au.“

Zwei Ehrungen für verdiente Narren gab es auch noch. Andrea Hauf wurde für sieben Jahre als Zunftmeisterin der „Blitzgi Schrätteli“ von der Narrenzunft zur Oberzunftmeisterin gekürt. Stefan Braun, der unter anderem auch der Narrenzunft Wehr vorstand, wurde vom Verband oberrheinischer Narrenzünfte für 25 Jahre als aktives Mitglied mit dem Verbandsorden in Bronze ausgezeichnet.

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