Vom Rathaus bis zur Sporthalle, vom Sportheim im Frankenmattstadion bis zur Toilettenanlage beim Bahnhof Brennet: Insgesamt 53 Gebäude stehen auf der Liste. Ganz vollständig ist sie allerdings nicht. So fehlt eines der ältesten Gebäude der Stadt, das frühere Krankenhaus in der Georg-Kerner-Straße, das derzeit noch als Unterkunft für Obdachlose und Asylbewerber in Anschlussunterbringung genutzt wird. „Wir haben das Gebäude in unserem Kataster nicht vergessen, sondern bewusst weggelassen“, erklärt der stellvertretende Bauamtsleiter Michael Herr. Nach geltender Beschlusslage vom Oktober 2015 soll das alte Krankenhausgebäude nämlich abgerissen werden. Eine Sanierung und Umnutzung sei wirtschaftlich nicht darstellbar, hatte ein Gutachten damals festgestellt. Weil das Gebäude als Stiftungshaus von Philipp Merian allerdings historisch bedeutsam ist und viele Wehrer Bürger mit ihrem Geburtshaus besondere Emotionen verbinden, gab es allerdings immer wieder Stimmen, die für einen Erhalt des Gebäudes plädierten. Bürgermeister Michael Thater will das Thema in der zweiten Jahreshälfte 2020 noch einmal auf die Agenda bringen – wenn das neue Obdachlosenheims in der Öflinger Straße fertiggestellt ist und das alte Krankenhaus damit vollständig leer steht. Unstrittig sei aus seiner Sicht, dass zumindest der Neubau aus dem Jahr 1969 abgerissen wird. Ein Abbruch werde aber frühestens 2021 vollzogen werden. „Wir werden im Haushalt 2020 keine Abbruchkosten für das alte Krankenhaus einplanen“, so Thater.

Städtische Gebäude und ihr Zustand

Neuster Zugang im städtischen Gebäudekataster ist das Nachbargebäude des alten Krankenhauses: das Familienzentrum mit Kindergarten, die beide kurz vor der Fertigstellung stehen. Aber auch einige ältere Immobilien wurden neu in die Liste aufgenommen: Allen voran das frühere Schulungsgebäude der Novartis (Pharma-Lehr-Zentrum) am Ende der Bündtenfeldstraße, das als sanierungsbedürftig gilt. Gekauft hat die Stadt das Gebäude im Jahr 2018 von der Novartis – im Paket mit einer großen Gewerbefläche, die die Stadt nun erschließen will. Rund 1,15 Millionen Euro müsste die Stadt in die Sanierung des seit vielen Jahren leer stehenden Schulungsgebäudes investieren. Zwar befindet sich die „Grundsubstanz in ordentlichem Zustand“, so Thater, eine energetische Sanierung der Immobilie aus den 70er-Jahren wäre aber aufgrund der vielen Fenster sehr teuer. „Wir würden das Gebäude deshalb in dem Zustand vermarkten, in dem es jetzt ist.“ Sollte dies nicht gelingen, werde man es wohl abbrechen und das Grundstück als Gewerbefläche verkaufen.

Sanieren oder abreißen? Wenn sich kein Pächter für das ehemalige Schulungsgebäude der Novartis findet, wird es wohl platt gemacht.
Sanieren oder abreißen? Wenn sich kein Pächter für das ehemalige Schulungsgebäude der Novartis findet, wird es wohl platt gemacht. | Bild: Obermeyer, Justus


Neu im Gebäudekataster ist seit 2018 auch ein ehemaliges Kirchengebäude: Nachdem die neuapostolische Gemeinde sich neu organisiert hat und ihr Domizil nun in Schopfheim hat, hat die Stadt die Gelegenheit genutzt und das alte nun leer stehende Gebäude im Keltenweg gekauft. Das Ziel sei, an dieser Stelle eine Wohnbebauung zu realisieren, erklärt Bürgermeister Thater – im optimalen Fall gemeinsam mit dem noch freien Nachbargrundstück. „Mit dem Eigentümer des Nachbargrundstücks haben wir bereits Gespräche aufgenommen“, erklärt Thater. Eile bestehe aber nicht. „Qualität geht vor Zeit.“ Wie bei den Wohnungen die im Familienzentrum gebaut wurden gehe es darum, sozialverträgliche Mieten zu gewährleisten. „Wir vermieten die Wohnungen im Neubau des Familienzentrums für acht Euro pro Quadratmeter.“

Seit gut einem Jahr ist die Stadt Eigentümerin des ehemaligen Kirchengebäudes der neuapostolischen Gemeinde im Keltenweg.
Seit gut einem Jahr ist die Stadt Eigentümerin des ehemaligen Kirchengebäudes der neuapostolischen Gemeinde im Keltenweg. | Bild: Obermeyer, Justus

Noch keine neuen Pläne gibt es für einen weiteren Leerstand: Das Bahnhofsgebäude in Brennet, das die Stadt vor knapp fünf Jahren gekauft hat. Eine Sanierung kostet grob geschätzt eine halbe Million Euro – allerdings ist es unwahrscheinlich, dass die Stadt dieses Geld tatsächlich in den nächsten Jahren ausgibt. Denn wenn die A98 mit einer Taltrasse verwirklicht würde, müsste das Bahnhofsgebäude weichen. „Eine Verpachtung des Gebäudes kann ich mir aber durchaus vorstellen“, so Thater, allerdings nur für eine Übergangsnutzung.

Auch für den Bahnhof in Brennet sucht die Stadt einen neuen Nutzer – will aber nicht sanieren.
Auch für den Bahnhof in Brennet sucht die Stadt einen neuen Nutzer – will aber nicht sanieren. | Bild: Obermeyer, Justus