Es ist eine steile Felswand, die dieser Tage für eine Vollsperrung der Landesstraße 148 zwischen Wehr und Todtmoos sorgt. Bis zuletzt stellte sie immer wieder eine gravierende Gefahrenquelle für den Verkehr dar, durch herabstürzendes Gestein, durch herausbrechende Felsbrocken.

Der Grund, dass nun gehandelt wird im Wehratal: Ein weiterer Schutzzaun soll errichtet und Fangnetze angebracht werden. 170 000 Euro kostet das Unterfangen. Bis 14. September bleibt die wichtige Verkehrsader zwischen dem Schluchseewerk und Au deshalb vollständig gesperrt.

Er sichert den Hang: Michael Winkler entschärft gemeinsam mit einem Kollegen akute Gefahrenstellen, die am Rande der Wehratalstrecke lauern.
Er sichert den Hang: Michael Winkler entschärft gemeinsam mit einem Kollegen akute Gefahrenstellen, die am Rande der Wehratalstrecke lauern. | Bild: Reinhardt, Lukas

Für die Sicherung der Hänge sind Spezialisten nötig. Sie kommen eigens aus Österreich und entfernen vor Errichten des Zaunes lockeres Gestein und labile Rutschmasse in der Gefahrenzone. Einer dieser Spezialisten ist Michael Winkler. 

Ausgerüstet mit Seil und Helm klettert der 35-jährige Österreicher mit einem Kollegen die steilen Felswände empor, um in rund 25 Metern Höhe mit Stemmeisen und Motorsense den Hang zu säubern. Für ihn ist das Alltag. Entsprechend weiß Winkler: "Das Gefahrenpotenzial hier ist natürlich enorm, wenn immer wieder Felsbrocken mit mehreren hundert Kilo Gewicht auf die Straße stürzen." 

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Menschen missachten die Absperrung

Dieser Gefahr ist sich auch das Landratsamt bewusst und veranlasste entsprechend die Vollsperrung der Straße. "Um Schadensersatzansprüche und Sach- und Personenschäden auszuschließen, muss so vorgegangen werden", heißt es von Seiten der Pressestelle. Dass Autofahrer und Spaziergänger diese Sperrungen jedoch immer wieder missachten, weiß Michael Winkler. "Gerade eben waren hier Fußgänger unterwegs", sagt er und fährt fort: "Wenn ich am Hang arbeite, sehe ich die nicht." Fußgänger und Autofahrer begeben sich dadurch blindlings in Lebensgefahr, ärgert sich Winkler.

Trotz der Absperrung wie hier auf Höhe des Schluchseewerks befahren immer wieder Autos die Strecke, sagen die Arbeiter. Auch Fußgänger begeben sich so in Lebensgefahr.
Trotz der Absperrung wie hier auf Höhe des Schluchseewerks befahren immer wieder Autos die Strecke, sagen die Arbeiter. Auch Fußgänger begeben sich so in Lebensgefahr. | Bild: Reinhardt, Lukas

Welche Naturgewalten sich an dieser Strecke bahnbrechen können, offenbarte sich zuletzt im Februar dieses Jahres. Damals war ein tonnenschwerer Felsbrocken auf die Fahrbahn gekracht. Der Abgang hatte sogar die massiven Prallwände am Straßenrand verschoben. Die L148 musste umgehend für mehrere Tage gesperrt werden. Erst nachdem Arbeiter den Felsbrocken zerkleinert hatten, konnten die Gesteinsmassen abtransportiert und die Straße wieder freigegeben werden.

Gewichtige Gefahren: Mehrere hundert Kilo wiegen die Felsen, die von den Arbeitern entfernt werden.
Gewichtige Gefahren: Mehrere hundert Kilo wiegen die Felsen, die von den Arbeitern entfernt werden. | Bild: Reinhardt, Lukas

Erosion sorgt weiter für Gefahr

Ein Gutachten des Landesamts für Geologie, Rohstoffe und Bergbau ergab dann: Wegen der fortschreitenden Erosion ist in diesem sehr jungen, tief eingeschnittenen Tal in Zukunft weiterhin mit Felsabgängen zu rechnen. Vor dieser Gefahr schützen soll nun die Steinschlagbarriere aus hochfestem Stahldraht. Sie entsteht auf einer Länge von rund 100 Metern und kann die Wucht von etwa 1000 Kilojoule aufhalten, wie Clemens Ruch, Geologe des Regierungspräsidiums Freiburg, weiß:

Clemens Ruch, Leiter des Referats für Landesingenieurgeologie im Regierungspräsidium Freiburg.
Clemens Ruch, Leiter des Referats für Landesingenieurgeologie im Regierungspräsidium Freiburg. | Bild: Markus Adler

"Das entspricht etwa einem Felsblock in Kühlschrankgröße, der aus der Steilwand ausbricht, auf den steilen Waldboden auftrifft und dann zur Fahrbahn hinabstürzt", sagt Ruch. "Das muss der Zaun auffangen können." Während der Errichtung dieses Schutzzaunes, geplant vom 14. September bis 5. Oktober, soll die Sperrung dann zumindest einseitig aufgehoben werden, heißt es von Seiten des Landratsamtes.

Ein weiterer Steinschlagschutzzaun dieser Art soll auf einer Strecke von etwa 100 Metern an der L148 die Gefahren für den Verkehr minimieren.
Ein weiterer Steinschlagschutzzaun dieser Art soll auf einer Strecke von etwa 100 Metern an der L148 die Gefahren für den Verkehr minimieren. | Bild: Reinhardt, Lukas

Keine zweite Albtalstrecke

Angesichts der vorherrschenden Gefahren für den Verkehr im Wehratal werden auf den ersten Blick durchaus Parallelen zur Albtalstrecke erkennbar. Die ist seit Pfingsten 2015 wegen Felssturzgefahr gesperrt – und soll es noch mindestens zwei weitere Jahre bleiben.

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Doch beim Landratsamt ist man sich sicher: Dieses Schicksal erwartet die L148 nicht: "Das Gefährdungspotenzial im Wehratal wird von uns und den Fachleuten abweichend beurteilt als im gesperrten Abschnitt des Albtals. Es ist punktueller und aus derzeitiger Sicht mit Maßnahmen beherrschbar", heißt es aus dem Landratsamt.

"Für drei bis fünf Jahre kehrt Ruhe ein"

In der Bekämpfung dieses Gefahrenpotenzials sind die aktuellen Arbeiten ein wichtiger Baustein. Diese garantiere aber nur für gewisses Zeitfenster Sicherheit, sagt Geologe Clemens Ruch: "Für drei bis fünf Jahre kehrt Ruhe ein, dann muss wieder etwas gemacht werden." Denn er weiß auch: "Die geologischen Prozesse lassen sich nicht aufhalten."