Vor allem die Wohngebiete im Ortsteil Öflingen – Weckertsmatt und Hardsiedlung – sind vom Straßenlärm geplagt. Laut genug für aktive Lärmschutzmaßnahmen durch die Stadt ist es aber nicht. So steht es jedenfalls im Lärmaktionsplan, den der Gemeinderat jetzt verabschiedet hat. Dafür ist jetzt eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der B 34 bei Brennet auf 50 Stundenkilometer (bislang 70) in der Diskussion.

Der Lärmaktionsplan des Freiburger Ingenieurbüros Rapp Trans hat genau berechnet, welche Wohngebäude besonders von Lärm betroffen sind: Im Hemmet sind es vier, in Öflingen-Nord drei, in der Hardsiedlung zwei, im Bereich Basler Straße drei Wohnhäuser.

Leiser Fahrbahnbelag und spezielle Fenster

Allerdings besteht für die Stadt Wehr kein akuter Handlungsbedarf. Als mögliche Maßnahmen in den vom Lärm besonders betroffenen Gebieten empfehlen die Experten: Bei zukünftigen Straßenarbeiten soll "leiser" Fahrbahnbelag eingebaut werden. Die bestehenden Lärmschutzwände könnten zudem bei einer Sanierung erhöht werden. Für besonders betroffene Gebäude bestehe zudem die Möglichkeit, den Einbau von Schallschutzfenstern zu fördern. Über diese "insgesamt verträglichen Maßnahmen" freute sich auch der Bürgermeister.

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Diskutiert wurde eine mögliche Geschwindigkeitsbegrenzung auf der B34 im Bereich Brennet. Stadtrat Siegfried Griener (CDU) sprach hier die hohe Lärmbelastung durch den Beschleunigungsstreifen und die kleinen Betonschwellen an der Brücke an. Hierzu sei man bereits im Gespräch mit dem Regierungspräsidium, so Thater. Aus Lärmgesichtspunkten sei eine Tempobegrenzung nicht möglich, wohl aber aus Sicherheitsgründen.

50 statt 70?

Eine Möglichkeit sei es, die Strecke in eine Ortsdurchfahrt mit entsprechender Geschwindigkeitsbegrenzung (50 Stundenkilometer) auszuweisen. Der Lärmaktionsplan wurde mit den Enthaltungen der Stadträte Siegfried Griener (CDU) sowie Susanne Kladisch und Karin Gallmann (SPD) mehrheitlich angenommen.

Kein Handlungsbedarf in der Waldstraße

Auf Wunsch des Gemeinderats hatte das Ingenieursbüro auch die Lärmbelastung an der Waldstraße geprüft. Mit einem täglichen Verkehrsaufkommen von nur rund 2800 Fahrzeugen und einem Schwerlastanteil von unter drei Prozent bestehe hier aber kein Handlungsbedarf, so die Gutachter.

Bei der anschließenden Erarbeitung konkreter Maßnahmen stellte sich heraus, dass nur durch den teilweise schon vorhandenen leisen Asphalt sogar noch weniger Gebäude als zu erst ermittelt von gesundheitsschädlichem Lärm von tagsüber mehr als 65 Dezibel oder nachts mehr als 55 Dezibel betroffen sind. Zum Vergleich: Ein Fernseher auf Zimmerlautstärke verursacht etwa 60 Dezibel.

Schallschutzwände und eine Verlängerung der Geschwindigkeitsbegrenzung, wie noch im Mai angedacht, sind darum nun nicht mehr im Gespräch. Möglich bleibt die Förderung von passivem Wohnschutz für die Anwohner, etwa durch Schallschutzfenster. Auskunft zur finanziellen Förderung von privaten Schallschutzmaßnahmen sind bei der Stadtverwaltung erhältlich oder unter www.lubw.baden-wuerttemberg.de

So entsteht der Lärmaktionsplan

  • Warum wurde der Plan erstellt? Die Stadt Wehr ist im Rahmen des EU-Umgebungslärmrichtlinie und des Bundesimmissionsschutzgesetz zuständig für die Aufstellung eines Lärmaktionsplans. Auf Basis von Lärmkarten des Landes Baden-Württemberg werden Bereiche mit hoher Lärmbelastung identifiziert und Maßnahmen zur Lärmminderung erarbeitet. Dies umfasst passive Maßnahmen wie Lärmschutzfenster und aktive Maßnahmen wie Lärmschutzwände und Geschwindigkeitsbegrenzungen. Die Pläne sind alle fünf Jahre zu überarbeiten.
  • Wie wurde gemessen? Für die Lärmkartierung werden nur Straßen mit einem Verkehrsaufkommen von mehr als 8.200 Fahrzeugen pro Tag erfasst. In Wehr betrifft dies die B 34 mit täglich rund 20 000 Fahrzeugen und die B 518 mit bis zu 12 000 Fahrzeugen. Der erzeugte Lärm wird berechnet und nicht gemessen. So soll ein möglichst objektives Ergebnis erzielt werden, bei dem auch Faktoren wie Wetterlage und Geografie einbezogen werden. Saisonal auftretender Verkehr, wie etwa Motorräder werden dabei nicht berücksichtigt. (jub)