Es ist schon länger her, da kam Alfons Ebner in die Schule in Öflingen, um einen Bericht zu schreiben. Die Kleinen fragten einander: „Wer ist dieser Mann?“ Da sagte einer: „Den kenne ich, das ist der Mann von der Zeitung.“ So kannte man Alfons Ebner in Öflingen und Wehr. Er ist in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag verstorben. Am 29. November wäre er 90 Jahre alt geworden.

Ein Dorfchronist im besten Sinne: Alfons Ebner als junger Mann.
Ein Dorfchronist im besten Sinne: Alfons Ebner als junger Mann. | Bild: privat/Ebner

Gradlinig, fair, freundlich, ab und zu ein bisschen knorrig – all das Wesenszüge, die Alfons Ebner, der den Lesern auch unter dem Kürzel „yk“ bestens bekannt war, ausmachten. Aufgewachsen ist er in Öflingen und zeigte schon in der Schulzeit, was in ihm steckt. Er war nämlich Ministrant und das gefiel dem Oberlehrer – einem linientreuen Nazi – überhaupt nicht. Er musste dafür immer wieder Schikanen in Kauf nehmen. Dies ärgerte ihn zwar, aber er blieb unbeugsam seiner Kirche treu. Geholfen hat ihm dabei, dass er ein sehr guter Schüler war.

Geschätzter Mitarbeiter der Firma Weck

Nach der Schule machte er eine kaufmännische Lehre zum Verlagskaufmann und war danach 50 Jahre Mitarbeiter der Firma Weck. Viele Jahre war er Vertriebsleiter des von der Familie Weck vertriebenen Ratgebers und hat sich dabei nachhaltige Verdienste erworben. Besonders stolz war er, dass er von den Inhabern der Firma Weck immer wieder um Rat gefragt wurde. Als er 1992 dem damaligen Seniorchef mitteilte, dass er nach 50 Jahren im Dienst der Weck in den Ruhestand wechseln will, meinte Dr. Franz-Josef Hackelsberger: „Willst Du wirklich schon aufhören, Du bist doch nach jung und fit?“

Am 29. November 1946 erschien sein erster Artikel

Der Ruhestand war für Alfons Ebner kein Rumsitzen. Er hatte jetzt noch mehr Zeit für seine Leidenschaft für den Lokaljournalismus. Bereits am 29. November 1946 erschien sein erster Bericht im SÜDKURIER über die Hauptversammlung des katholischen Kirchenchors Öflingen. Über mehrere tausend Hauptversammlungen, Gemeinderatssitzungen, Fasnachts- und Vereinstermine hat Ebner geschrieben. „Ich habe eine gewisse Neugier, das ist wohl unerlässlich, und ich bin vielseitig interessiert“, sagte Alfons Ebner vor einigen jahren im Gespräch.

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Das Schreiben war es, das Alfons Ebner bereits in seiner Jugend faszinierte. Und seinen Schreibstil wusste die SÜDKURIER-Chefredaktion bereits 1946 zu schätzen: „Aus ihren Berichten konnten wir außerdem schon entnehmen, dass Sie in Ihrem Ausdruck recht gewandt sind“, schrieb der Konstanzer Redakteur Häusler am 29. November 1946 an den 18-jährigen Alfons Ebner. Das war der Beginn der 72-jährigen erfolgreichen Zusammenarbeit.

Ein vorbildlicher Journalist

Als Journalist war er gradlinig, fair und auch hilfsbereit. Drei Episoden bezeugen dies: Ein Bürgermeister kritisierte ihn wegen eines Artikels heftig. Alle dabeistehenden konnten hören, wie Alfons Ebner mit deutlicher Sprache erklärte: „Und Sie, Herr Bürgermeister, haben mir überhaupt nichts vorzuschreiben – ich bin den Lesern und nicht ihnen verantwortlich!“ Da war es still im Raum. Auf einen vielleicht zu wohlwollenden Bericht über ein Konzert angesprochen, erklärte Alfons Ebner: „Das sind keine Profis sondern Laien. Deshalb werde ich diese nicht öffentlich kritisieren! Vereine sind für das Dorfleben wichtig, deshalb schreibe ich da rücksichtsvoll.“

Wenn er bei Terminen auf junge unerfahrene Kollegen – auch von der Konkurrenz – traf, war er in der Regel wie ein guter Lehrmeister und gab diesen Ratschläge und den einen oder anderen Hinweis. Wenn jedoch ein Jungfuchs meinte, er wisse alles besser, dachte Alfons Ebner für sich: „De chunnt au no uff de Bode!“

Familienmensch

Aber Alfons Ebner war auch ein Familienmensch. Am 4. Januar 1956 heirate er seine Ehefrau Marianne geb. Meier. Aus dieser Ehe entstammen eine Tochter und zwei Söhne. Zahllose Wochenend- und Abendtermine, die Zeit zum Schreiben: Seine Familie musste sich mit seiner Tätigkeit als Berichterstatter arrangieren. Ebners Fels in der Brandung war dabei seine Ehefrau Marianne.

Marianne Ebner war die Frau an Alfons Ebners Seite. Sie starb 2014. Unser Bild zeigt die beiden bei einem Ausflug 2004.
Marianne Ebner war die Frau an Alfons Ebners Seite. Sie starb 2014. Unser Bild zeigt die beiden bei einem Ausflug 2004. | Bild: privat/Ebner

Sie hielt ihm während seiner Berufszeit den Rücken frei. Trotzdem kümmerte er sich auch um das Wohl seiner Familie. Daneben war er förderndes Mitglied in vielen Vereinen und war bei allen sehr geachtet. Nach seinem Ausscheiden aus dem Beruf nahm er sich auch Zeit, seiner Frau bei vielen Arbeiten zu helfen. So sah man ihn oft gemeinsam mit ihr im Garten werkeln. Ein großer Schicksalsschlag war für ihn, als 2014 seine Ehefrau – zweifelsohne der wichtigste Mensch in seinem Leben – verstarb. Streng zu sich selber, versorgte er sich selber und war regelmäßig auf dem Friedhof anzutreffen, wo er sich um das Grab seiner Marianne kümmerte.

Das Seelenamt mit anschließender Erdbestattung findet am Mittwoch, 19. September, um 14 Uhr in der Pfarrkirche St. Ulrich statt. Der Rosenkranz wird am Dienstag, 18. September, 2018 um 18 Uhr in Pfarrkirche St. Ulrich gebetet.