Die Leidenschaft für das Kutschenfahren hat sie zusammengeführt: die Kutschenfreunde Finsterbach, ein noch junger Verein, der den Fahrsport liebt und lebt. „Unser Verein dient dem Erhalt dieses Sports und dem Erhalt der Tradition“, erläutert Volker Schöchlin, Vorsitzender und Initiator der Kutschenfreunde. Der gelernte Hufschmied ist von Berufswegen eng mit dem Pferdesport verbunden, wobei seine Begeisterung dem Fahren mit Gespann gilt. Diese teilt er nun mit seinen Vereinskollegen, die er in Wehr und den umliegenden Gemeinden gesucht und gefunden hat.

Die Idee, einen Verein zu gründen, um den Kutschensport auch in der hiesigen Region nachhaltig zu bewerben, hatte Schöchlin bereits im vergangenen Jahr. Das was ihn antrieb, war jedoch zeitgleich auch das, was die Vereinsgründung zunächst schwierig gestaltete: die geringe Popularität des Fahrsports in der südbadischen Region.

„Ich musste Leute finden, die Interesse haben und für eine Vereinsgründung brauchte ich mindestens sieben“, erzählt Schöchlin. Mittlerweile gibt es elf Finsterbacher Kutschenfreunde, die nun auch amtlich als Verein eingetragen sind. „Wir treffen uns immer ein Mal pro Monat“, berichtet Rebecca Seider, selbst eine überzeugte Kutschenfahrerin.

Dabei gehe es vor allem auch darum, sich auszutauschen, um das Wissen zu bewahren. „Der Sport ist hier einfach nicht so verbreitet, wie beispielsweise in Norddeutschland“, weiß Seider. Dementsprechend glücklich ist sie, dass ihre liebste Freizeitbeschäftigung durch den Verein nun Aufwind erfährt. Denn dank ihrer Vereinszugehörigkeit kann sie dem Sport nun auch wieder kompetitiv nachgehen: „Ich wollte schon länger wieder mal an einem Turnier teilnehmen, das geht aber nur über einen Verein“, erklärt sie.

Aber auch Kutschentreffen mit anderen Fahrern, oder eine Reise per Kutsche haben die Kutschenfreunde, die im Übrigen allesamt private Freizeitfahrer sind, schon unternommen. Eine besondere Reise führte beispielsweise mit dem Zweispänner innerhalb von sechs Tagen von Wehr bis nach Rottweil. Dabei legten die von Seider angespannten Ponies bis zu 30 Kilometer pro Tag zurück.

Derweil gehört zum Kutschenfahren vermeintlich mehr, als die Kutsche und die Pferde. So sind alle Vereinsmitglieder im Besitz der empfohlenen Fahr-Qualifikation der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Hinzu kommt, dass die Zugpferde weitaus besser für Verkehrsgeräusche sensibilisiert sein müssen, als berittene Pferde.

„Man kann schon sagen, dass unsere Pferde besser ausgebildet sind“, sagt Schöchlin aus Erfahrung. Nicht nur die vielen Umwelteinflüsse, auch die Distanz, die ein Kutscher zum Pferd hat, erfordert Gehorsam. Alles in allem ist das Kutschenfahren für die Freunde aus dem Finsterbach in erster Linie ein Hobby, das sie mit Freunden und Bekannten teilen, ganz gleich ob sie Pferdeleute sind oder nicht. Eine Einladung zur Kutschenfahrt hat selten jemand abgelehnt.