Sie zählt zu den hässlichsten Orten im Landkreis Lörrach: Die Autobahn bei der Burgruine Rötteln. Doch mit dem Blick des erfahrenen Fotografen kann sie zum Motiv eines Kunstwerks werden. Joachim Imping von den Fotofreunden Schopfheim hat mit dieser Aufnahme den ersten Preis der Fotoausstellung „Straßen und Wege“ gewonnen, die am Sonntag in der Galerie im Alten Schloss Wehr eröffnet wurde.

Vielfalt und Qualität

Martin Schulte-Kellinghaus, der zusammen mit Petra Böttcher und Uwe Kindermann die Bilder bewertet hatte, lobte die Vielfalt und Qualität der mehr als 60 Aufnahmen, die von den Fotofreunden Wehr und Schopfheim, den Fotoclubs Fricktal und Küssaberg sowie dem Fotokreis Lörrach eingereicht worden waren. Die Vorsitzende der Wehrer Fotofreunde, Sandra Scherer, erklärte, man habe ein weit gefasstes Thema ausgewählt, damit sich möglichst viele Fotokünstler beteiligten. Formate und Papier waren vorgegeben, damit die Ausstellung einheitlich wirkt.

Drei Hauptpreise

Neben den drei Hauptpreisen durfte die Jury auch Sonderpreise vergeben – und davon machte sie gerne Gebrauch. Für Wehrs Kulturamtsleiter Frank Wölfl zeichnet sich ein guter Fotograf durch Erfahrung und den Blick für die richtigen Motive aus. Durch Bildbearbeitungen könne man zwar aus einem recht guten ein sehr gutes Foto machen, aber kein Bild mit schlecht gewähltem Motiv in ein gutes Foto verwandeln.

Autobahn mit Tiefenwirkung

Die Fähigkeit, in dem scheinbar Alltäglichen und wenig Ansprechenden das Potenzial für eine künstlerisch interessante Fotografie zu sehen, hat der Preisträger zweifellos. Die Autobahn sorgt für die Tiefenwirkung, das Bemerkenswerteste ist aber, dass neben den Lichtspuren der Autoscheinwerfer auch die Lichtbahnen der Gestirne festgehalten wurden. „Bei diesem Foto waren wir uns schnell einig“, so Schulte-Kellinghaus. Der zweite Preis ging an Karin Meiner-Spannagel (Schopfheim). Ihr beinahe schwarzes Bild entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Aufnahme einer Kurve. „Es ist eine Kunst, darin ein Motiv zu sehen“, so der Juror.

Aberwitzig enge Straßenführung

Den dritten Preis erhielt Jackie Venzin (Fricktal), die von einem erhöhten Standpunkt aus eine Serpentinenstraße fotografiert hatte. Erst durch die Projektion auf die Fläche wird die aberwitzig enge Straßenführung sichtbar. Und für einen Farbtupfer sorgt ein gelber Wagen. Der Sonderpreis Technik ging an Thomas Hugenschmidt (Fricktal) für die nächtliche Aufnahme einer Großstadt, in der die Lichtspuren der Autos für Farbe und Dynamik sorgen. Den Sonderpreis Bildwitz erhielt Wolfram Reinert (Wehr), denn sein Werk gibt Rätsel auf: Es zeigt eine durch die Windschutzscheibe eines Autos aufgenommene Straße durch die Wüste.

Sonderpreis Experimentelles

Doch in dem Straßenbild gibt es ein weiteres Straßenbild: Ist es das Plakat auf der Rückseite eines Lastwagens oder das Navigationsgerät im Auto des Fotografen? Den Sonderpreis Experimentelles bekam Ernst Ostertag (Küssaberg) für eine Straßenszene, in der er den Impressionismus in die Fotografie eingeführt hatte. Den Sonderpreis Gestaltung hatte sich Kathrin Trittenbach (Fricktal) für ihre Architekturaufnahme in Schwarz-Weiß verdient. Der Verzicht auf Farbe lässt die Komposition abstrakter erscheinen. Die Perspektive wird durch die hintereinander gestaffelten Torbögen deutlich, die sich zudem im Wasser spiegeln. „Eine Fotografie, die ich gerne bei mir aufhängen würde“, lobte der Juror. Neben diesen Preisen vergeben die Fotofreunde Wehr noch einen mit 50 Euro dotierten Publikumspreis. Das Duo Times Square mit Elisabeth Baureithel (Gesang) und Dario Rago (E-Piano) untermalte die Vernissage musikalisch.

 

Die Ausstellung

Die Fotoausstellung „Straßen und Wege“ ist bis Sonntag, 17. November, immer samstags von 14 bis 17 Uhr sowie sonn- und feiertags von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr zu sehen. Die Besucher haben die Möglichkeit, ihre Lieblingsfotografie zu wählen. Der Gewinner erhält den Publikumspreis von 50 Euro.