Das sechseckige Turmzimmer im Alten Schloss, sonst immer verschlossen, birgt in der Ausstellung von Stefan Bergmann eine Überraschung in jeder Hinsicht: Die Tür ist geöffnet und gibt den Blick frei auf eine meisterlich gemalte Glas-Serie, die in den Fensternischen hängt.

In diesem Geheimkabinett entdeckt man sogenannte Vanitas-Stillleben, einen besonderen Bildtypus der Stilllebenmalerei. Stefan Bergmann, mit solchen Vanitas-Bildern bestens vertraut, malt ein altes kostbares Weinglas in verschiedenen Variationen: einmal mit Rotwein gefüllt, bald halbvoll, bald umgestürzt oder zerbrochen als Sinnbild der Vergänglichkeit. Ein Werk heißt "Lacrimae Christi", also die Tränen Christi, ein anderes ist "Leonard C." (Cohen) gewidmet. In dunklem Grafit gemalt, wirkt das Rot des Weines oft tragisch, wie Blut. Weitere Metaphern für Vergänglichkeit sind leere Nussschalen und abgebrannte Streichhölzer, die symbolisch für abgebrannte Kerzen oder den Tod stehen.

Diese dargestellten Gegenstände fungieren als Kultbilder. Man kann Bergmanns Vanitas-Kollektion also durchaus als private Andachtsbilder mit der Nebenfunktion einer Meditation über Tod und Leben verstehen. Ganz ähnlich, wie das Vanitas-Motiv Totenschädel die barocke Sehnsucht nach dem Tod ausdrückt.

Stefan Bergmann will in seiner Malerei sein Weltbild zeigen, mit was er sich beschäftigt. Da ist auch der Verweis auf Matthias Grünewald, den großen Meister des Isenheimer Altars. War Grünewald im Murgtal? Man könnte dies fast spekulieren, wenn man die Bäume, den vertrockneten kahlen und mit Flechten überwucherten Ast auf dem berühmten Wandelbild der "Begegnung des hl. Antonius" kennt. An Grünewald muss man bei Bergmanns naturmystischen Verehrungsbildern wie "Das Goldene Vlies" oder "Waldkulturerbe" denken. Immer derselbe bemooste knorrige Ast aus dem Murgtal, über viele Jahre hinweg und immer in anderer Perspektive gemalt. Es muss so etwas wie ein "Lebensbaum" für Stefan Bergmann sein, ein Sinnbild.

Speziell auf das große Gemälde "Waldkulturerbe" ging Einführungsredner Franz Armin Morat, Sammler und Mäzen vom Freiburger Morat-Institut, ein. Er erläuterte, dass bei näherem Betrachten das Gemalte fast abstrakt erscheine und erst wenn man zurücktrete, sich die Naturform deutlich herausbilde.

Dies und die besondere Tiefe, die in Bergmanns Malerei steckt, gilt auch für andere, oftmals vom Künstler immer wieder überarbeitete Bilder. Etwa für die in zarterer Malweise mit Früchten dargestellte "Kastanie" aus der Toskana oder die in der Farbigkeit sehr reduzierten Schilfpflanzen mit Wasserspiegelung der neuen "Kensho"-Serie. Auch in der Gegenstandslosigkeit der Thimosweiher-Spiegelungen ("Panta rhei"), den figurativen "Liebesbirken" oder den von japanischer Tuschmalerei inspirierten "Sommerbildern" ist für den Maler Bergmann die Natur, der Wald, das Wasser nicht festgelegt, sondern Stimmung. Jürgen Scharf

INFO Ausstellung

Bereits zum dritten Mal, jeweils in fünfjährigem Turnus, stellt Stefan Bergmann (Murg-Oberhof) im Rahmen der Kulturkooperation der Städte Schopfheim-Wehr aus. Seine neue Werkschau in der Städtischen Galerie Altes Schloss wurde von Franziska Degen-Bergmann kuratiert und gestaltet. Bergmann (70) studierte an der Kunstakademie Karlsruhe bei Horst Antes. Zur Ausstellung erscheint ein Auflagenbild ("Erwachender Zweig") mit 20 Exemplaren. Bis 14. Mai, geöffnet Samstag, Sonn- und Feiertag 14 bis 17 Uhr.