Viele Räder greifen in Wehr ineinander, wenn es um die Jugendarbeit geht: vormittags die Schulen und die Schulsozialarbeit, nachmittags dann Jugendhaus und mobile Jugendarbeit auf den Straßen in Wehr und Öflingen. Mit diesem engen Netz sollen auch die Jugendlichen erreicht werden, die mit Problemen verschiedenster Art zu kämpfen haben, mit dem aktuellen eng vernetzten Team sei man hierfür gut aufgestellt, freute sich Bürgermeister Michael Thater in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

  • Schulsozialarbeit: Aktuell sind drei Schulsozialarbeiter in Wehr tätig. Nach dem Ausschneiden von Miriam Mulflur nach nur einem Jahr konnte die vakante Stelle im Juni mit Jeanne Bosansky neu besetzt werden. "Wir sind mittlerweile gut eingespielt und zusammengewachsen", freut sich Thomas Meier. Zu den Aufgaben gehört die Beratung von Schüler und Familien, aber auch von Lehrern. Von Streitsituationen über familiäre und psychologische Probleme bis hin zu Liebe und Partnerschaft hilft das Team im Gespräch weiter und vermittelt nach Bedarf weitere Kontakte. Ein weitere Baustein von vielen ist das Sozialtraining, in Gruppen wird hier an der Konfliktkultur gearbeitet. Gute Erfolge konnte man auch mit dem realitätsnahen Drogenpräventionsprogramm erzielen: Mit Dominik Forster erzählte ein ehemaliger Drogenabhängiger und Straftäter aus seinem Leben "Das hat großen Eindruck gemacht", so Meier.
  • Mobile Jugendarbeit: Die mobile Jugendarbeit richtet sich an Jugendliche, die kaum oder wenig Interesse an den Wehrer Einrichtungen haben, erklärt Jochen Steinmann. Als Streetworker trifft Steinmann seit dem Abschluss seiner Ausbildung im Jugendhaus im September die Jugendlichen vor Ort und schafft über Gespräche ein Vertrauensverhältnis. Aktuell sind es etwa 30 Jugendliche und junge Erwachsene vor allem zwischen 13 und 16 Jahren, die so betreut werden. Mehr als zwei Drittel davon sind männlich, etwa die Hälfte der Gruppe hat einen Migrationshintergrund, so Steinmann weiter. Für das nächste Jahr sei die gemeinsame Sanierung des Grillplatzes geplant. Bestehende und beliebte Angebote wie das Klettern im Jugendhaus, Tischtennis, Billard- und Tischfußballturniere sowie gemeinsam geplante Partys werde es auch in Zukunft geben. Hier nehmen im Schnitt 100 Jugendliche teil.
  • Jugendhaus: Getragen wird das Jugendhaus aktuell von Leiterin Beata Rolirad, dem Jugend- und Heimerzieher Manuel van Kreij und dem Streetworker Jochen Steinmann. Ehrenamtliche Unterstützung gibt es durch das Jugendforum, Jugendlichen und jungen Erwachsene sowie Eltern, die Veranstaltungen und Aktivitäten mithelfen. Den offenen Bereich besuchen durchschnittlich 20 bis 30 Jugendliche, insgesamt sind es etwa 60 Jugendliche die zum "Stammpublikum" gehören. Größtenteils besuchen die Jugendlichen die Haupt- und Gemeinschaftsschule, vielfach in Förderklassen. Im offenen Bereich sind beide Geschlechter gleichermaßen vertreten, in Projekten und Workshops sowie der Selbstverwaltung sind zu etwa zwei Drittel Mädchen aktiv. Ein wichtiger Baustein ist seit 33 Jahren das Kinderferienprogramm: "Hiermit können wir erste Kontakte und Vertrauen zu Kindern und Eltern aufbauen", so Rolirad. Auch das Thema Jugendgemeinderat sei aufgleist, so Bürgermeister Thater. Der Startschuss soll aber erst nach der Gemeinderatswahl im nächsten Jahr fallen. Wenn Beata Rolirad Mitte Dezember nach fast 30 Jahren Jugendarbeit in Wehr in den Ruhestand geht, ist mit Manuel van Kreij bereits ein Nachfolger gefunden. "Es wird in Wehr keine offene Jugendarbeit ohne Frauen geben", so Thater. Angedacht sei es, hier eine Halbtagsstelle zu schaffen.

 

Von Streitschlichtung zur Präventionsarbeit

Als Vorreiter in der Region gibt es bereits seit über 15 Jahren einen Schulsozialarbeiter in Wehr. Vom damaligen Schwerpunkt Streitschlichtung auf dem Schulhof habe sich die Arbeit heute viel auf Präventionsarbeit verschoben, erklärt Simona Winkler im Gemeinderat. Zusammen mit Thomas Meier und Jeanne Bosansky stehen die drei Schulsozialarbeiter an allen Wehrer Schulen als Ansprechpartner zu Verfügung, bieten Workshops und Vorträge an und organisieren Veranstaltungen zusammen mit den Jugendlichen. Im Jugendhaus unter der Leitung von Beata Rolirad möchte man den Jugendlichen einen Treffpunkt anbieten. Hier kann ungezwungen ins Gespräch gekommen werden, außerdem stehen Räume für verschiedenen selbstorganisierte Gruppenaktivitäten zur Verfügung. Der Streetworker Jochen Steinmann trifft man an bei Jugendlichen beliebten Plätzen. Dabei stehen die Probleme der Jugendlichen im Vordergrund, nicht die Probleme, die sie verursachen, erklärt Steinmann seine Arbeit. Das Jugendhaus findet man online unter www.jugendinwehr.de (aktuell in Überarbeitung). Kontaktmöglichkeiten zu den Schulsozialarbeitern finden sich im Internet (http://gms.schulen-wehr.de).