Die Stadt Wehr treibt den Ausbau des Glasfasernetzes für das schnelle Internet voran – zumindest im Ortseil Wehr. Mit großer Mehrheit vergab der Gemeinderat die Ingenieurleistungen für das Erstellen eines Förderantrags an das Land Baden-Württemberg – und dies obwohl er deutlich mehr kostet, als ursprünglich gedacht. 262 000 Euro kosten die Vorbereitungen des Antrags, 150 000 Euro hatte die Stadt im Haushalt bereitgestellt, so dass nun 112 000 Euro überplanmäßig zur Verfügung gestellt werden müssen. Bevor die Summe tatsächlich ausgegeben und der Auftrag vergeben wird, soll es aber noch Gespräche im baden-württembergischen Innenministerium geben, um festzustellen, ob und in welcher Höhe überhaupt Aussicht auf eine Förderung für den Breitbandausbau in Wehr besteht. Das einmütige Votum gilt dabei aber schon als wichtiges Signal für Stuttgart. Lediglich eine Gegenstimme und eine Enthaltung (beide aus der Fraktion der Grünen) standen 14 Ja-Stimmen gegenüber.

"Wir haben unsere Hausaufgaben in den vergangenen Jahren gemacht", so Bürgermeister Michael Thater mit Blick auf den 2016 und 2017 Jahr erarbeiteten Masterplan zum Breitbandausbau. Wichtige Voraussetzungen für eine Landesförderung sind damit bereits gegeben: Es gibt zum einen "weiße Flecken", also eine punktuelle Unterversorgung im Stadtgebiet, gleichzeitig aber auch keine Bereitschaft der Internetanbieter, ein modernes Glasfasernetz zu verlegen. Aufgrund dieses dokumentierten "Marktversagens" darf die Kommune selbst aktiv werden und kann auch mit staatlicher Förderung rechnen.

"Wie hoch die Förderung sein wird, kann Ihnen heute niemand sagen", so Ingenieur Hardy Gutmann, der nun den Antrag vorbereitet. Für mehrere Gemeinden im Landkreis hat er aber bereits positive Ergebnisse – teilweise zwischen 80 und 90 Prozent Fördermittel – erreicht. Da die Stadt Wehr aber verhältnismäßig gut versorgt sei, gebe es allerdings eine gewisses Risiko, ergänzte Thater. Der Förderantrag beschränke sich deshalb zunächst auch auf den Ortsteil Wehr. In Öflingen gebe es mit dem Kabelbetreiber Unity Media bereits einen Anbieter, der Anschlüsse mit Geschwindigkeiten von 400 bis 500 MBit/s bereitstelle. Auch die hohen Kosten haben die Stadtverwaltung bewogen, sich zunächst nur auf Wehr zu konzentrieren. Allein der Antragsvorbereitungen für das gesamte Stadtgebiet hätten nochmals 150 000 Euro mehr gekostet.

Mitentscheidend für die Förderfähigkeit und -höhe des Breitbandausbaus ist die verbindliche Teilnahme möglichst vieler Gewerbebetriebe. Dies soll in den nächsten Monaten abgefragt werden, wie Gutmann erklärte. Die Hauptverbindungen des Glasfasernetzes müssten deshalb zwischen den gewerblichen Anschlüssen geplant werden – wobei Schulen hier auch den Status als Gewerbebetrieb haben, so Hardy Gutmann auf Nachfrage von SPD-Stadträtin Angelika Buchmann-Flaitz. So ist beispielsweise eine Glasfaser-Verbindung vom Schulzentrum auf der Zelg bis zum Gewerbegebiet Kreuzmatt oder sogar dem Öflinger Unternehmen Kownatzki denkbar, von dem auch die angrenzenden Wohngebiete versorgt werden.

"Wieviel Geld ist denn noch in den Fördertöpfen?", wollte CDU-Stadtrat Paul Erhart wissen, um die Wehrer Chancen einschätzen zu können. "Ich denke, in den nächsten zwei Jahren werden noch genügend Mittel zur Verfügung stehen. Aber garantieren kann das niemand", so Gutmann. Sein Apell: "Schmieden Sie das Eisen, so lange es heiß ist."

Karin Gallmann schloss sich für die SPD uneingeschränkt an: "Wir sollten so schnell wie möglich in die Pötte kommen." Ob man später noch zum Zuge komme, sei ungewiss. Alternativen zum Glasfaserausbau wie das Vectoring seien keine vernünftigen Alternativen.

Christoph Schmidt (FW) erkundigte sich nach dem Zeitplan. Im idealen Fall könne man in zwei Jahren loslegen, so Gutmann. Der Förderantrag soll auf jeden Fall bis Jahresende stehen. Je nach Ergebnis des Förderbescheids werde man möglicherweise für Öflingen einen weiteren Antrag stellen, so Thater. Aber auch den schlechtesten Fall hat Thater im Blick: "Wenn wir weniger als 50 Prozent Förderung bekommen, ist das Projekt gestorben." Für das gesamte Stadtgebiet rechnet er mit Investitionskosten von über 30 Millionen Euro, nur für den Ortsteil Wehr etwa 20 Millionen.