Die Chancen, dass in Wehr in Zukunft auch Interregio-Züge halten, stehen ausgesprochen schlecht. Und dennoch beharrt die Stadt auf der Forderung an die Deutsche Bahn, den Bahnhalt in Wehr-Brennet mit der Elektrifizierung ab 2027 auch zu einem Haltpunkt der IRE-Züge auszubauen. „Nach aktuellem Stand sind zusätzliche IRE-Halte auf der Hochrheinstrecke ausgeschlossen“, erklärte der Nahverkehrsexperte des Landkreises Waldshut Lothar Probst im Gemeinderat. Dies gelte sowohl für Wehr als auch für Laufenburg, das sich ebenfalls um einen IRE-Halt bemüht.

Bild: Südkurier

In den Vereinbarungen über die Finanzierung der Elektrifizierung hätten sich viele Partner explizit gegen zusätzliche Halte ausgesprochen, um die Verbindung zwischen Basel und Schaffhausen nicht zu verlangsamen und damit den Vorteil der Elektrifizierung aufs Spiel zu setzen. Außerdem sinke mit zusätzlichen Halten auch die Nutzen-Kosten-Untersuchung, die für die Finanzierung des Gesamtprojekts maßgeblich ist.

Bild: Obermeyer, Justus

Derzeit halten IRE-Züge in Rheinfelden, Bad Säckingen Waldshut, Tiengen und Erzingen. „Ich nehme den Wunsch der Stadt dennoch mit“, erklärte Probst. „Das ist kein Wunsch, sondern eine Forderung“, stellte SPD-Fraktionssprecherin Karin Gallmann fest. Wehr sei immerhin die drittgrößte Stadt im Landkreis. Auch wenn aktuell die Chancen nicht gut stünden, werde die Stadt die Forderung weiter erheben, betonte auch Bürgermeister Michael Thater.

Video: Obermeyer, Justus

Klar ist: Mit der Elektrifizierung muss der Bahnhalt Brennet kräftig umgebaut werden. Alle Bahnsteige am Hochrhein erhalten laut Ronald Heil von der DB Netz AG eine einheitliche Länge von 155 Metern und eine Höhe von 55 Zentimetern, so dass ein ebenerdiger Zustieg möglich sein wird. Bislang hat der Bahnsteig eine Höhe von nur 38 Zentimetern.

Zwei Schritte für die meisten Reisenden – aber für Rollstuhlfahrer und andere mobuilitätseingeschränkte Personen ein unpassierbares Hindernis. Bis 2027 werden die Bahnsteige am Hochrhein deshalb einheitlich auf 55 Zentimeter erhöht.
Zwei Schritte für die meisten Reisenden – aber für Rollstuhlfahrer und andere mobuilitätseingeschränkte Personen ein unpassierbares Hindernis. Bis 2027 werden die Bahnsteige am Hochrhein deshalb einheitlich auf 55 Zentimeter erhöht. | Bild: Obermeyer, Justus

Außerdem sollen die Zuwegungen zu den Bahnsteigen barrierefrei werden. „Es wäre ein Schildbürgerstreich, wenn die Bahnsteige barrierefrei sind, aber nicht die Wege dort hin“, machte Paul Erhart (CDU) deutlich. Einmütig sprach sich der Gemeinderat für den behindertengerechten Umbau der Rampen auf beiden Seiten der Gleise aus, damit auch die Unterführung von Rollstuhlfahrern genutzt werden kann. Aktuell sind zwar beide Bahnsteige über die Rampen zu erreichen, aber jeweils nur von einer Seite des Bahnhofs. Eine barrierefreie Verbindung besteht nicht.

Auch der Zugang von der Nordseite der Bundesstraße soll nach dem Willen der Stdt barrierefrei werden.
Auch der Zugang von der Nordseite der Bundesstraße soll nach dem Willen der Stdt barrierefrei werden. | Bild: Obermeyer, Justus
Das könnte Sie auch interessieren

Einen Großteil der Kosten für den barrierefreien Umbau (insgesamt etwa 3,75 Millionen Euro) trägen der Bund (60 Prozent) und Land (20 Prozent), vom Rest muss die Stadt einen Anteil von mindestens 450 000 Euro bezahlen.

„Ein Schandfleck“ ist der Bahnhof in Brennet laut Stadtrat Hans-Peter Zimmermann.
„Ein Schandfleck“ ist der Bahnhof in Brennet laut Stadtrat Hans-Peter Zimmermann. | Bild: Obermeyer, Justus

Hans-Peter Zimmermann (FDP) forderte die Stadt auf, nicht auf die Elektrifizierung zu warten, sondern den Bahnhalt schon jetzt auzuwerten. Der Bahnhof sei aktuell „der schlimmste Schandfleck der Stadt“.

Insbesondere die – nicht ausgeschilderten – Toiletten sind für Zimmermann eine „Zumutung“.
Insbesondere die – nicht ausgeschilderten – Toiletten sind für Zimmermann eine „Zumutung“. | Bild: Obermeyer, Justus

„Wir können unseren Bahnhof vergolden, die Leute fahren trotzdem nach Schopfheim, weil das Angebot dort dramatisch besser ist“, sieht Bürgermeister Michael Thater das Hauptproblem im mangelhaften Bahnangebot und nicht so sehr im Zusdtand des Bahnhalst. Schon länger bemühe sich die Stadt um den Kauf eines Grundstücks der DB Immo, um einen Park&Ride-Parkplatz ausweisen zu können – doch bislang erfolglos. „Da steht sich die Deutsche Bahn selbst im Weg“, so Thater.

Bild: Obermeyer, Justus
Das könnte Sie auch interessieren