Es gibt im Orchester viele schöne Soli für das Englischhorn. Aber wann hört man schon einmal dieses Holzblasinstrument in einem Solokonzert? Die seltene Gelegenheit bot sich am Sonntag beim Sommerkonzert des Oberrheinischen Sinfonieorchesters Lörrach in der Wehrer Stadthalle mit dem heiter-besinnlichen Concertino für Englischhorn, Streicher und zwei Hörner von Ermanno Wolf-Ferrari.

Die Solistin Selen Schaper brillierte beim Sommerkonzert des Oberrheinischen Sinfonieorchesters in der Stadthalle in einem Englischhorn-Konzert.
Die Solistin Selen Schaper brillierte beim Sommerkonzert des Oberrheinischen Sinfonieorchesters in der Stadthalle in einem Englischhorn-Konzert. | Bild: Jürgen Scharf

In diesem teils barockisierenden, teils neoklassizistischen Stück erklang das Instrument aus der Oboenfamilie, eine Alt-Oboe. Die größere Schwester der Oboe wurde von Selen Schaper geschmeidig und gesanglich gespielt. Die junge Oboistin, die sich gerne auf das Englischhorn spezialisiert, pflegt bläserischen Belcanto: lyrisch, kantabel, tonschön.

Den nasal-dunklen Englischhorn-Ton passte sie vorzüglich auf die melancholischeren und pastoralen Teile an und führte den variablen, stets weichen Klangcharakter ihres Instruments vor, der sich mal schwebend, mal elegisch ins Ohr schmeichelte. Dass Schaper dieses inspirierte und eigenständige Englischhornkonzert bis in die spielfreudige Solokadenz im bukolischen Finalsatz mit natürlicher Musikalität und aller Präzision spielt, hörte man auch.

Verdiente Würdigung: Blumen für Friederike Erhart, die Organisatorin und gute Seele der Schlosskonzerte, überreichte Kulturamtsleiter Frank Johannes Wölfl – und auch die Orchestermitglieder applaudierten.
Verdiente Würdigung: Blumen für Friederike Erhart, die Organisatorin und gute Seele der Schlosskonzerte, überreichte Kulturamtsleiter Frank Johannes Wölfl – und auch die Orchestermitglieder applaudierten. | Bild: Jürgen Scharf

Eingebettet war das betörende Klangbild, das manchmal Strauss‘sche Raffinesse hatte, in den homogenen Streicherklang. Das Orchester begann sein Programm mit dem bekanntesten Instrumentalstück von Gabriel Fauré, der viersätzigen Orchestersuite „Masques et Bergamasques“. Dabei gelang eine stimmungsvolle Wiedergabe, farbenreich und mit viel Verve. Für die Welt der französischen Spätromantik brachte Orchesterleiter Stephan Malluschke genau die richtige stilistische Einfühlung mit.

Das könnte Sie auch interessieren

Ebenso wie für ein zeitgenössisches Stück des Letten Peteris Vasks (“Viatore“), dessen neoromantische Tonsprache sich als subtile klangliche Kulisse in der Streicher-Kernbesetzung entfaltete. Bis hin zu den Streicherglissandi, die sich am Ende in stratosphärische Höhen schrauben, wurde die moderne Komposition zu einem ganz besonderen Hörerlebnis.

Das könnte Sie auch interessieren

Dieses wollte der Dirigent noch intensivieren, indem er ohne Applaus und ohne Pause Mozarts späte „Haffner“-Sinfonie anschloss, damit Mozart einmal anders gehört werden konnte. Malluschke fasst Mozart nicht mit Glacéhandschuhen an, sondern setzt im Kopfsatz festlich und majestätisch ein. Konturenscharf bis zum Finale musiziert, erklang die Sinfonie Nr. 35 sprühend, geistreich und voller Dynamik.

Spezielle Zugaben

An diesem Abend gab es spezielle Zugaben: zwei musikalische, eine belcantistische Solozugabe der Solistin, ein reines Streicherstück vom Orchester und ein blumiges Dankeschön vom neuen Kulturamtsleiter Frank Johannes Wölfl für Friederike Erhart, die „gute Seele“ der Schlosskonzerte. Allerdings machte sich an den etwas weniger Besuchern bemerkbar, dass es kein Abo- sondern ein Zusatzkonzert war.