Die ersten rund 40 Flüchtlinge sind gestern in der neuen Wehrer Gemeinschaftsunterkunft im Egerten angekommen. Es sind ausschließlich Familien mit Kindern, die nun nach einer monatelangen Odyssee in dem Neubau ein neues Zuhause gefunden haben. Bis heute Abend wird der erste Teil des neuen Asylbewerberheims mit rund 70 Personen belegt sein. Die Flüchtlinge kommen allesamt aus Kriegsgebieten: Sie stammen aus Syrien, Irak, Afghanistan und Pakistan. In den nächsten Wochen sollen dann weitere folgen. Insgesamt haben hier 134 Menschen Platz.

Es war eine herzzerreißende Szene, die sich gegen Mittag in der Unterkunft abspielte: Der Syrer Hsan Samer (35) konnte nach mehreren Monaten seine Ehefrau (27) sowie die gemeinsamen Kinder, drei, sechs und acht Jahre alt, in die Arme nehmen. Hsan ist schon vor sechs Monaten vor dem Krieg aus Syrien geflohen; nachdem die Situation im Kriegsgebiet immer gefährlicher wurde, folgte vor anderthalb Monaten auch seine Familie. Während Hsan zwischenzeitlich im Flüchtlingsheim in Rickenbach gestrandet war, kamen seine Frau und die drei Kinder nun über die Erstaufnahmestelle in Sigmaringen nach Wehr. Hier erlebten die fünf nun ihre familiäre Wiedervereinigung – schöner kann der Start für ein Flüchtlingsheim wohl kaum sein.

„Jeder Flüchtling hat sein eigenes Schicksal“, erzählt Heimleiter Sawas Mohammed, der die Neuankömmlinge mit einem ganzen Team von Kollegen aus dem ganzen Landkreis in Empfang nahm. Die meisten Flüchtlinge hätten tagelange Fußmärsche ohne Verpflegung hinter sich – und auch die Erfahrung in überfüllten Booten auf dem Mittelmeer seien vielen nicht fremd. Dass vor allem Familien mit Kindern in dem neuen Heim unterkommen, war die Hoffnung vieler ehrenamtlicher Helfer. Und auch Heimleiter Sawas Mohammed hatte diesen Wunsch für das neue Wehrer Haus: „Familien sind immer bemüht, dass alles ordentlich bleibt“, so seine Erfahrung. Andere Gemeinden hatten in der Vergangenheit über den hohen Anteil alleinstehender junger Männer geklagt, durch die es in den Gemeinschaftsunterkünften häufiger Konflikte gebe. In Wehr dagegen ein völlig anderes Bild: Rund 30 Kinder können hier künftig zusammen spielen und lernen.

„Das Wichtigste für die Integration sind jetzt Sprachkurse“, weiß der Heimleiter. Aus den Reihen des Helferkreises gibt es schon einige Angebote, sogar eine Wehrer Grundschullehrerin will zukünftig regelmäßig Kurse anbieten. „Vor allem die Syrer wollen so schnell wie möglich Deutsch lernen“, so der Heimleiter. Mit entsprechenden Sprachkenntnissen falle dann die Integration in den Schulklassen leichter.