Wehr – Endlich einmal Orchestermusik in der Stadthalle. Mit Schubert- und Weber-Romantik in Reinkultur feierte das Oberrheinische Sinfonieorchester Lörrach bei seinem Gastspiel einen erfolgreichen Einstand bei den Wehrer Schlosskonzerten. Das Sinfoniekonzert des traditionsreichen Klangkörpers, der auf eine 60-jährige Geschichte zurückblickt, wurde vom Publikum gut angenommen: Trotz EM-Fußballspiel war die Halle voll belegt.

Seine Visitenkarte gab das Orchester mit Werken des klassisch-romantischen Repertoires ab, wie man es auch von vielen Auftritten aus Lörrach her kennt. Früher hielt das Orchester – eine feste Größe im dortigen Konzertleben – oft Schubertiaden ab. Auch nach Wehr reiste es mit einer Schubert-Sinfonie an, nicht der „Großen“, sondern der „Kleinen“ in C-Dur. Und man merkte, dass hier immer schon das Mozartische in Schuberts Musik gepflegt wurde. Bei den zwei Mozart-Ouvertüren (Idomeneo und Schauspieldirektor) drängte sich der Vergleich geradezu auf.

Dirigent Stephan Malluschke artikulierte Schuberts sechste Sinfonie mit ihrem Hauch Rossini romantisch und dramatisch zugleich. Schön kam die Bläser-Präsenz bei vollem warmen Streicherklang herüber: ein wirklich ausgewogenes Klangbild. In recht kurzer Zeit, in den vier Jahren seit seiner Berufung zum künstlerischen Leiter hat Malluschke das Orchester auf ein hohes technisches Niveau gebracht. Das ihm aufmerksam folgende Ensemble realisierte die Sechste in recht straffem Tempo, schlankem Klang und unpathetischem Elan als „romantischen Klassiker“. So traf die packende Interpretation den Nerv der Zuhörer.

Mit dem Klarinettisten David Glenn trat ein in der Region bekannter Solist ins Rampenlicht. Zudem stand mit dem Klarinettenkonzert Nr. 2 des „Freischütz“-Komponisten Carl Maria von Weber ein bewährter und beliebter Konzertstandard auf dem Programm. Und Glenn zeigte sich mit der nötigen Virtuosität und Spiellaune auf der Höhe von Webers Instrumentalwerk. Der Auftritt glich einer kleinen Opernszene mit der Klarinette als Primadonna. Das Klarinettenwerk ist ein brillantes Stück Opernarie, das geradezu nach visueller Illustration auf der Bühne verlangt (und damit der Operndramatik der Klavierkonzerte Mozarts verwandt ist).

David Glenn gelang es wunderbar im Mittelsatz die opernhaften Kantilenen sehr kantabel zu gestalten; er wurde aber auch dank seiner technischen Souveränität und gutem Atem der brillanten Virtuosität des Finales mit seinen schnellen Läufen vollauf gerecht. Die italienische Rhetorik à la Rossini machte bei diesem operntheatralischen Konzertstück den zahlreichen Musikfreunden, die dem Orchesterkonzert den Vorzug vor dem Fußball gaben, sichtlich Freude.

Auf eine Fortsetzung dieser Orchestergastspiele mit Sommer- und Adventskonzerten dürfen die Abonnenten freudig gespannt sein. Denn an eine feste Zusammenarbeit mit dem Lörracher Orchester ist auch über die nächste Saison hinaus gedacht. Da hat die Wehrer Kultur ein Tor geschossen.