Wehr (aze) Roland Kroell, Liedermacher und Geschichtenerzähler aus Laufenburg ließ am Samstagabend im Bürgersaal des Alten Schosses in Wehr die Stimmung im Dreiländereck zur Zeit der badischen Revolution lebendig werden. Vor 170 Jahren standen Wehr und das kleine Dossenbach im Brennpunkt der deutschen Geschichte.

Fesselnd erzählt Kroell, wie der Funke der Französischen Revolution ganz Europa ergriff und die Forderung nach einer demokratischen Republik am konsequentesten die badischen Ecke in Brand setzte. Überall bildeten sich Volksvereine. So auch in Wehr, wo sich an die 300 Männer und erstmals auch Frauen zusammenschlossen. Diese Aufbruchstimmung war wie ein Pulverfass für Dichter und Denker. Und so entstanden viele Lieder und Gedichte aus den Federn von Revolutionären wie Herwegh und Freiligrath. Verbotene Lieder, die zu singen vor 170 Jahren das Todesurteil bedeutete. Viele davon hat Kroell vertont und lässt so ein Stück Geschichte in unserer Kultur weiterleben.

„Schlaf Kind, schlaf leis – da draußen steht der Preuss“ (das Badische Wiegenlied), das „Heckerlied,“ „Die Gedanken sind frei“ und „Trotz alledem“. Sie alle erzählen von den Siegen und Niederlagen dieser mutigen und starken Volksbewegung.

Mit Heckerhut und rotem Wams nimmt Kroell die Gäste mit auf die Züge von Friedrich Hecker, dem sich auf seinem Weg von Konstanz Richtung Karlsruhe bis zu 1000 Mann anschlossen, und Georg Herwegh, der in Paris über 700 Deutsche zu einer Legion zusammenfasste und in Kleinkems zur badischen Revolution stieß. Kroell versetzt sein Publikum „Freiheit“ rufend, vor den Balkon des Lörracher Rathauses, von dem Gustav Struve am 21. September 1848 die deutsche Republik ausrief. Struves Marsch endete vier Tage später in der „Krone“ in Wehr, wo er mit seiner Frau Amalie und seinen Mitstreitern gefangen genommen wurde.

Kroells Lieder und Geschichten erzählen vom Rückhalt, den die Freischärler in der Bevölkerung hatten. Sie erzählen vom Mut der Lenzkircher Dorfjugend, die den Hecker-Marsch von Konstanz nach Karlsruhe vor den Württembergischen Soldaten schützten. Oder von der Gastfreundschaft der Bernauer, die bei Wind und Wetter den Hecker-Zug beherbergten. Oder gar vom Karsauer Bauern Jakob Bannwarth, der nach den Kämpfen in Dossenbach, Kopf und Kragen riskierte, um den Herweghs über die Schweizer Grenze zur Flucht zu verhelfen. Aber es gab auch die wankelmütigen Bürger, die bei den Kampfhandlungen in Dossenbach noch den Roten Bändel der Revolutionäre trugen und sich am nächsten Tag, bei der Verhaftung Struves in Wehr zu Handlangern der Säckinger Obrigkeit machten. Aber so Kroell: „Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Man muss sich um eine Demokratie bemühen.“

Kroell ist Liedermacher, Geschichtenerzähler und Buchautor und war 25 Jahre Hörspielkomponist und Hörspielautor beim SWR in Freiburg.

Weitere Termine: Inge Hemberger vom Kulturamt Wehr weist auf weitere VHS-Veranstaltungen zum Thema hin: Am Dienstag, 20. März, um 20 Uhr hält Hubert Bernat einen Vortrag zur Revolution im badischen Dreiländereck im kleinen Saal der Stadthalle Wehr. Am Freitag, 27. April, dem 170. Jahrestag des Gefechts in Dossenbach, findet um 20 Uhr ein Lieder- und Geschichtenabend mit den „Grenzgängern“ im Alten Schloss statt.