Wenn im Rahmen der „Pastoral 2030“ die 224 Seelsorgeeinheiten der Erzdiözese Freiburg zu nur noch 40 Pfarreien zusammengeschlossen werden, dann erschrickt mancher Katholik angesichts der Größe und Unübersichtlichkeit dieser neuen Gebilde. Bei einem Workshop am Samstag im Pfarrzentrum St. Martin in Wehr machte Gemeindeassistentin Carmen Horvatic deutlich, dass diese Entwicklung auch große Chancen mit sich bringe: „Diese Struktur ist nur der Rahmen, es liegt nun an uns, ihn mit Leben und Inhalten zu füllen.“

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Entscheidend sei, dass man bei allen Strukturdebatten nicht aus den Augen verliere, dass es um Christus gehe. „Das Ziel der Pastoral 2030 ist, die Botschaft des Evangeliums wach zu halten, gerade in einer Zeit der Individualisierung, in der der christliche Glaube nur noch eine Option unter vielen ist.“ Die Kunst werde nun darin bestehen, die Idealvorstellungen der Christen von Kirche und Gemeinde mit den Rahmenbedingungen der Reform in Einklang zu bringen. Bei der Diskussion zeigte sich, dass viele Teilnehmer die Kirchengemeinde als Heimat und erweiterte Familie sowie als Ort der Sicherheit und Identität sehen. Betont wurde auch, wie wichtig die Persönlichkeit eines Priesters ist, um die Menschen zum Glauben zu führen. Doch das traditionelle Bild „ein Dorf, eine Kirche, ein Pfarrer“ werde es in Zukunft nicht mehr geben können, erklärte Carmen Horvatic, alleine schon wegen der sinkenden Zahl von Priestern, pastoralen Mitarbeitern und Kirchenmitgliedern.

Gemeindeassistentin Carmen Horvatic präsentierte die Pastoral 2030.
Gemeindeassistentin Carmen Horvatic präsentierte die Pastoral 2030.

In den neuen Großpfarreien wird die Leitung einem Priester obliegen, die Verwaltungsarbeit hingegen wird von professionellen Geschäftsführern übernommen. In jeder Großpfarrei wird es geistliche Zentren geben (wo und wie viele, ist noch offen), doch der wichtigste Punkt für alle Christen, die sich nach der „Kirche vor Ort“ und der „Pfarrfamilie“ sehnen, ist die Zusicherung der Erzdiözese, dass es auch künftig „pastorale Nahorte“ geben wird: „Es kann und darf nicht sein, dass wir uns aus der Fläche zurückziehen“, so die Gemeindeassistentin. Diese Nähe zu den Gläubigen sollen die Gemeindeteams vor Ort herstellen, und für engagierte Laien bieten sich dadurch große Chancen zur Mitgestaltung bis hin zu Leitungsfunktionen. „Die Gemeindeteams werden in der Pastoral 2030 wichtiger sein als jemals zuvor“, erklärte die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Magdalena von Schönau. Dafür wird freilich ein Mentalitätswandel unter den Kirchenmitgliedern unausweichlich sein, denn das Motto der Erzdiözese lautet: „Weg von der Versorgungsmentalität hin zur Pastoral der Ermöglichung“.

Die Teilnehmer beim Workshop zur Entwicklung der Kirche im Rahmen der Pastoral 2030.
Die Teilnehmer beim Workshop zur Entwicklung der Kirche im Rahmen der Pastoral 2030.

Für die Raumplanung gibt es drei Varianten: So könnte die künftige Großpfarrei räumlich dem Dekanat Waldshut entsprechen. Denkbar wäre auch eine Teilung in einen Ost- und Westteil, ungefähr entlang des Albtals, oder auch eine Teilung in einen Ost- und Westteil unter Abspaltung der Seelsorgeeinheit Bonndorf-Wutach. Ungewiss ist die Zukunft der Seelsorgeeinheit Wehr-Öflingen-Schwörstadt. In allen drei Varianten wäre es denkbar, die Einheit in Anbetracht der gewachsenen Bindungen aufrechtzuerhalten oder sich an den Landkreisgrenzen zu orientieren und Schwörstadt dem Wiesental zuzuordnen. Diese Frage wurde nicht-öffentlich in den Workshops diskutiert. Bei der Pfarrgemeinderatssitzung am Mittwoch, 23. Oktober, um 19.15 Uhr im Pfarrzentrum Wehr, wird das Gremium sein Votum abgeben. „Aber die Entscheidung trifft die Erzdiözese„, so Magdalena von Schönau.

Pastoral 2030

Im Rahmen der „Pastoral 2030“ werden die derzeit 224 Seelsorgeeinheiten beziehungsweise 1057 Pfarreien zu 40 Großpfarreien zusammengelegt. In jeder dieser neuen Pfarreien soll es pastorale Zentren geben – wie viele, ist noch offen. Auf jeden Fall wird die Kirche vor Ort, etwa durch Gemeindeteams, präsent bleiben. Die Pfarrgemeinderäte geben derzeit ihre Voten hinsichtlich der Raumplanung ab, und Ende 2020 wird der Zuschnitt der neuen Großpfarreien feststehen. Mehr: www.kirchenentwicklung2030.de.