Alle Ortschaften haben ein flächenmäßig mehr oder weniger großes Hoheitsgebiet um sich, die Gemarkung, die bis Anfang des 19. Jahrhunderts als Bann bezeichnet wurde.

Bei den Banngrenzen handelte es sich zunächst um natürliche Begrenzungslinien, wie Bäche, Hecken, besonders hohe Bäume oder markante Felsen. Ab dem 16. Jahrhundert wurden hingegen Marksteine als Grenzzeichen errichtet, auf denen teilweise das Wappen der jeweiligen Grundherrschaft eingemeißelt war.

In der heutigen Gemarkungsgrenze Öflingen/Wallbach ist nur noch ein Bannstein von 1695 zu finden. Die drei anderen sind im Laufe der Zeit abhandengekommen.
In der heutigen Gemarkungsgrenze Öflingen/Wallbach ist nur noch ein Bannstein von 1695 zu finden. Die drei anderen sind im Laufe der Zeit abhandengekommen. | Bild: Richard Kaiser

Die Gemarkungsgrenze zwischen Öflingen und Wallbach ist infolge Eingemeindungen seit 1972 gleichzeitig Gemeindegrenze zwischen den Städten Wehr und Bad Säckingen. Bis 1695 gab es noch keine Grenze zwischen Wallbach und Öflingen.

Beide Ortschaften hatten ein enges Verhältnis zueinander, bildeten eine gemeinsame Vogtei und hatten dasselbe Ortsgericht. Außerdem besaßen sie auf dem Feld zwischen den beiden Wohngebieten gemeinsame Nutzungsrechte, insbesondere Weideflächen für das Vieh.

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Dennoch bildete man 1695 eine Banngrenze, um damit die Zuständigkeitsbereiche der beiden Dörfer zu verdeutlichen. In einer Urkunde wurde festgelegt, dass vier Bannsteine in „erforderlicher Form und Größe“ gesetzt werden. Auf ihnen soll beiderseits das Freiherrlich Schönauische Wappen mit der Jahreszahl 1695 und auf den entsprechenden Seiten zudem die Anfangsbuchstaben der beiden Gemeinden „Ö“ und „W“ eingehauen werden.

Der erste der insgesamt vier Bannsteine soll in der Nähe des Rheins, der zweite bei der Landstraße nach Säckingen, der dritte am nordwestlichen Fuß des Duttenbergs und der vierte noch ein Stück weiter beim Weg zum Bergsee stehen.

Die Grenze sollte einen geraden Verlauf haben, was einigermaßen gelang. Sie wurde jedoch erst 80 Jahre später vermessen und von Geometer Fridolin Garnie 1775 im Grundriss über den Wallbacher Bann sowie 1779 im Grundriss über den Öflinger Bann kartografisch dokumentiert.

Der Grundriss des Wallbacher Banns von 1775 zeigt die vier Bannsteine von 1695. Ebenso die Entfernungen zueinander, in der damaligen Maßeinheit „Schuh“ (31,61 Zentimeter).
Der Grundriss des Wallbacher Banns von 1775 zeigt die vier Bannsteine von 1695. Ebenso die Entfernungen zueinander, in der damaligen Maßeinheit „Schuh“ (31,61 Zentimeter). | Bild: Richard Kaiser

Der erste Bannstein wurde aus Überschwemmungsgründen 115 Schuh (36 Meter) weg vom Rhein gesetzt. Den Abstand zum zweiten Stein hatte Garnie mit 730 Schuh (231 Meter) ermittelt. Die Entfernung zum dritten Stein betrug 1680 Schuh (531 Meter) und die zum vierten Stein 980 Schuh (310 Meter).

Weil die Banngrenze aber bis an den Haselbach verlief, der 510 Schuh (161 Meter) weiter weg war, kam der Geometer auf eine Gesamtlänge von 4015 Schuh (1269 Meter).

Bei der Katastervermessung, die in Öflingen 1893 und in Wallbach 1896 beendet war, hatte man die Gemarkungsgrenze angepasst.

So wurden aus den vier Banngrenzsteinen 31 Gemarkungsgrenzsteine, diese allerdings nicht fortlaufend nummeriert, sondern mit vorhandenen Nummern aus zuvor erfolgten Waldvermessungen ergänzt. Der Wallbacher „Gemeindewald Vorderer Duttenberg“ und der Öflinger „Kirchenwald Duttenberg“ waren aufgrund des Badischen Forstgesetzes von 1833 bereits vermessen und kartiert.

Auf dem Gemarkungsübersichtsplan Öflingen von 1893 ist der Verlauf der damals aufgemessenen Gemarkungsgrenze zwischen Öflingen und Wallbach mit ihren 31 Bruchpunkten ersichtlich.
Auf dem Gemarkungsübersichtsplan Öflingen von 1893 ist der Verlauf der damals aufgemessenen Gemarkungsgrenze zwischen Öflingen und Wallbach mit ihren 31 Bruchpunkten ersichtlich. | Bild: Richard Kaiser

Die 1893/1896 statuierte Gemarkungsgrenze ist noch immer gültig. Kurioserweise wurde sie 1952 beim Bau der MBB-Werkswohnungen in der Weckertsmatt-Siedlung außer Acht gelassen. So befinden sich noch heute zwei dortige Häuser nicht nur auf zwei Gemarkungen, sondern auch auf dem Hoheitsgebiet zweier Gemeinden. Die dortigen Bewohner können also in Wehr essen und wohnen und in Bad Säckingen schlafen – oder umgekehrt.

Die Suche nach den vier Bannsteinen

Den heutigen Liebhaber historischer Karten und Grenzsteine interessiert es natürlich, was aus den vier steinernen Grenzwächtern des Jahres 1695 geworden ist. Der Gang zur Marksteinsammlung beim Alten Schloss in Wehr sollte weiterhelfen. Dort steht tatsächlich, in der vordersten Reihe ganz links, ein Stein, der zur 1695 erfolgten Beschreibung der Bannsteine passt.

Mit Schönauer Wappen und der Jahreszahl ausgestattet, dazu das „Ö“ und auf der anderen Seite das „W“. Der Sandstein ist zwar etwas verwittert, ist aber erstaunlich gut erhalten. Doch um welchen der vier infrage kommenden Marksteine geht es hierbei? Wer ihn genauer betrachtet, kann auf dessen Kopffläche die Zahl 10 erkennen. Der Gemarkungsübersichtsplan von 1893 bringt Klarheit: Es handelt sich um den vierten Bannstein. Ihm braucht in der Örtlichkeit also nicht mehr nachgegangen werden. Doch was ist mit den drei anderen?

Der 36 Meter vom Rhein gesetzte Stein inmitten einer bewirtschafteten Wiese ist nicht mehr vorhanden. Das wundert nicht, denn dieser Stein wurde bei der Gemarkungsgrenzbestimmung von 1893 richtungsmäßig zwar berücksichtigt, jedoch nicht mehr an dieser Stelle verwendet. Der Stein an der „Landstraße nach Säckingen“ steht ebenfalls nicht mehr. Er überlebte sicherlich 1856 noch den Eisenbahnbau und hatte ab 1893 mit der erhaltenen Nummer 6 weiterhin seine Gültigkeit als Gemarkungsgrenzzeichen, kam indessen vermutlich um 1960 durch die Gewerbebebauung abhanden.

So blieb das Auffinden des dritten Bannsteines beim Duttenbergweg, der im Übersichtsplan von 1893 die Nummer 30 hat, als letzte Hoffnung. Sie erfüllte sich trotz intensiver Suche nicht. Der historisch Interessierte schließt damit etwas enttäuscht seine Nachforschungen ab.

Manch einer will aber wissen, welches Gemarkungsgrenzzeichen sich jetzt an der Stelle des vierten Bannsteines befindet. Mit Hilfe der Deutschen Grundkarte 1:5000, die auch beim Aufsuchen der ersten drei Bannsteine gute Dienste leistete, ist am einst festgelegten Punkt, ein wenig abseits des Stadtweiherweges, tatsächlich ein Markstein zu sehen.

Und zur großen Überraschung steht dort das Original! Etwas vermoost, aber nach Säuberung eindeutig als vierter der 1695 gesetzten Bannsteine erkennbar. Erhard Schorm, ein früherer Mitarbeiter des Wehrer Stadtbauamtes klärt auf: Es handelt sich bei allen Grenzsteinen der in den 1980er Jahren erstellten Sammlung um Replikate. Sie wurden fachmännisch von einem Steinmetz so hervorragend nachgebildet, dass sie nun nach drei Jahrzehnten, ausgesetzt bei Wind und Wetter, täuschend den Originalen entsprechen.

Richard Kaiser
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