Heute, Freitag, ist es endlich soweit: Das neue Wohngebäude der Diakonie Öflingen in der Kreuzmatt wird offiziell eingeweiht. Für Mitte Februar ziehen 24 Bewohner aus dem Doppelhaus in der Paul-Gräb-Straße in das neue Gebäude. Notwendig wurde der Neubau wegen der Neuregelung der Landesheimverordnung.

Das neue Gebäude in der Kreuzmatt wird zukünftig Platz für 24 Menschen mit geistiger und teils körperlicher Behinderungen bieten. Von dem zentralen Eingangsbereich gelangt man nach rechts und links in die insgesamt vier Wohneinheiten, in der je sechs Bewohner in einer Gemeinschaft mit eigener Küche und Gemeinschaftsraum zusammenleben werden. Das Gebäude umschließt einen kleinen Garten an der Wehra. „Die Außenanlage konnte wegen des schlechten Wetters noch nicht fertiggestellt werden“, erklärt der Vorsitzende des Diakonievereins Rainer Kaskel.

In den Wohngruppen gibt es nun für jeden ein Einzelzimmer mit einer Mindestgröße von 14,5 Quadratmetern, zwei Zimmer teilen sich jeweils ein behindertengerechtes Badezimmer. Die Terrasse mit Garten und die Therapieräume werden gemeinsam genutzt. Für die Betreuer erleichtert die kleinere Gruppe die Arbeit, erklärt Heimleiterin Ulla Krug anlässlich des Richtfests im Winter 2018. Außerdem könne man die Gruppen entsprechend der Bedürfnisse der Bewohner zusammenstellen.

Neubau mit Stolpersteinen

Bis es soweit kam galt es einige Hürden zu nehmen: Zuerst musste für den Neubau ein Grundstück gefunden werden – gemäß Vorgaben nicht zu nah am bestehenden Gebäude, trotzdem wollte man aber in der gewohnten Umgebung bleiben. Dank Unterstützung eines lokalen Unternehmers wurde schließlich das bisher unbebaute Grundstück in der Kreuzmatt gefunden. Nachdem die erste Planung stand, entdeckte man eine gusseiserne Druckwasserleitung im Boden, welche die Architekten Franz Michler, Klaus Gayer und Christina Müller-Schott vor große Herausforderungen stellte. Das Gebäude musste zum Teil neu geplant werden, zusätzliche Retentionsflächen für die am Grundstück verlaufende Wehra mit einbezogen werden. Als nächste Hürde fand man Blei im Boden, die Entsorgung kostete erneut Zeit und Geld. Insgesamt verschob sich die Fertigstellung vom ursprünglich avisierten Sommer 2019 so um rund ein halbes Jahr. Auch finanziell ist die Sanierung eine große Aufgabe: Die Gesamtsanierungskosten belaufen sich auf etwa 4,2 Millionen Euro, 15 Prozent muss die Stiftung selbst finanzieren. Zuschüsse gab es vom Land, aber auch von privater Seite. Wohl prominenteste Förderin ist die Stargeigerin Anne-Sophie Mutter, welche die Diakonie unter anderem durch Benefizkonzerte unterstützt. „Ohne die Unterstützung von Anne-Sophie Mutter hätten wir uns vermutlich entsprechend verkleinern müssen“, so der Vorsitzender der Hanna und Paul Gräb-Stiftung Ulrich Delhey im Sommer 2018 anlässlich des letzten Benefizkonzertes der Wehrer Ehrenbürgerin.

Warum saniert und gebaut werden muss

Mit der Änderung der Heimmindestbauverordnung 2011 sind keine Doppelzimmer mehr erlaubt, dazu kommen zahlreiche Details hinsichtlich Details bis hin zur Raumgröße. So müssen die Zimmer zukünftig mindestens 14 Quadratmeter groß sein und eine Mindestbreite von 3,20 Metern aufweisen. Hinzu kommt, dass für je zwei Zimmer ein behindertengerechtes Duschbad mit Toilette und ein Vorraum vorhanden sein müssen. Es sollen Wohngruppen mit maximal 15 Bewohner gebildet werden, dazu kommen genaue Vorgaben zum Raumkonzept. Dies betrifft sowohl Pflege- und Seniorenheime als auch Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. „Schon fünf Zentimeter zu wenig und es muss umgebaut werden“, so Kaskel anlässlich des Richtfests im Winter 2018. Sämtliche Wohnheime der Öflinger Diakonie sind betroffen: Das Haupthaus genauso wie das Doppelhaus in der Paul-Gräb-Straße 1 und 3 und die Außenstelle in Hottingen. Insgesamt werden 42 Wohnungen neu gebaut und zehn Wohnungen saniert, so Kaskel. Dank Übergangsregelungen kann dies nach und nach geschehen: Zuerst ziehen die Bewohner des Doppelhauses in den Neubau in der Kreuzmatt. Nach dem Abriss ist auch hier ein Neubau geplant, in dem unter anderem Bewohner aus dem Haupthaus Platz finden werden. Nach Abschloss der Sanierung im Haupthaus soll schließlich die Außenstelle Hottingen aufgelöst werden, die dortigen Bewohner ziehen nach Öflingen.

Ein gewaltiger finanzieller und organisatorischer Kraftakt für den Diakonieverein und auch ein großer Einschnitt für die Menschen mit geistiger und teilweise auch körperlicher Behinderung.

Der Diakonieverein

Der Diakonieverein wurde 1967 gegründet und hat aktuell 252 Mitglieder. Vorsitzender ist Rainer Kaskel, Stellvertreter Siegfried Tröndle. Ziel des Vereins ist die Unterstützung und Förderung des Öflinger Hauses der Diakonie. Dabei arbeitet der Verein eng mit dem Verein Kunst¦+¦Diakonie und der Hanna und Paul Gräb Stiftung zusammen. Sie verbindet das Öflinger Modell des Kunstpfarrers Paul Gräb. Ein wesentlicher Bestandteil des Modells ist die Förderung von Kunst und Kreativität im Haus der Diakonie. Hier finden regelmäßig Workshops statt, Künstler mit und ohne Behinderung stellen zusammen aus. Auch der landesweit bekannte Lothar-Späth-Förderpreis geht auf dieses Modell zurück.

Informationen im Internet:
http://www.hausderdiakonie.de
http://www.kunstunddiakonie.de
http://www.graeb-stiftung.de

Nächster Neubau in Planung

Statikprobleme: Das Doppelhaus in der Paul-Gräb-Straße 1 und 3, ein Wohnheim der Diakonie Öflingen, soll im Frühjahr abgerissen werden. Bilder: Julia Beckerw
Statikprobleme: Das Doppelhaus in der Paul-Gräb-Straße 1 und 3, ein Wohnheim der Diakonie Öflingen, soll im Frühjahr abgerissen werden. Bilder: Julia Beckerw

Wehr (jub) Ursprünglich sollten die Wohnungen in der Paul-Gräb-Straße 1 und 3 saniert werden, um der neuen Landesheimbauverordnung zu entsprechen. Aufgrund statischer Probleme muss nun auch hier neu gebaut werden. „Wir haben das Gebäude geprüft, es entspricht in vieler Hinsicht nicht mehr den aktuellen Vorgaben“, erklärte Architekt Franz Michler dem Bau- und Umweltausschuss der Stadt im vergangenen November. Der Abriss soll in diesem Frühjahr geschehen – je nach Verfügbarkeit der Handwerker, so Kaskel.

Auf der gleiche Grundfläche wird dann ein dreistöckiges Gebäude mit 18 neuen Wohneinheiten entstehen. Jeweils sechs Personen werden in einer Wohngruppe leben, dazu kommen Gemeinschafts- und Funktionsräume, so Michler im November. Auch wenn bereits für die Sanierung 1,8 Millionen Euro eingeplant wurden: Mit dem Neubau kommen auf den Diakonieverein weitere Kosten zu. „Wir rechnen mit 2,1 Millionen Euro, außerdem erhalten wir weniger Fördergelder“, bedauert Kaskel. Ursprünglich sollte die Sanierung zu 40 Prozent mit Landesmitteln unterstützt werden, für einen Ersatzneubau gibt es nur noch 30 Prozent. Kaskel bleibt aber zuversichtlich: „Wir werden weiterhin unterstützt von Anne-Sophie Mutter und der Hanna und Paul Gräb Stiftung.“