Zwar war der Narrengottesdienst am Samstagabend in der Wehrer St.-Martins-Kirche gut besucht, aber anders als am Sonntag im Bad Säckinger Münster gab es noch den einen oder anderen freien Sitzplatz. Dennoch ist Einzug der Fasnacht in die Kirche auch in Wehr „ein bisschen zur Tradition“ geworden, wie der von Weihrauch umhüllte Stadtpfarrer Matthias Kirner sagte.

Vor dem Gottesdienst mischte sich das Geklingel der Glöckchen an närrischen Gewändern in das Rosenkranzgebet und bunte Farbtupfer lockerten das Grau, Braun, Schwarz und Blau der Wintermäntel auf. Trauben aus Luftballons, ein Bärenkopf und Narrenmasken flankierten die Stufen zum Altarraum, wo ein Ministrant eifrig ein Fässchen schwenkte, aus dem Weihrauchschwaden quollen – nach dem „Nachladen“ waren es sogar solche mit Mentholbeimischung. Dass es so viel Weihrauch gab wie an hohen kirchlichen Feiertagen, erklärte der „geräucherte Pfarrer“ damit, dass „für manchen Fasnacht ein Hochfest“ sei. In seiner gereimten, auf Alemannisch gehaltenen Predigt verzichtete er auf satirische Seitenhiebe auf das Stadt- und Weltgeschehen, sondern suchte die Verbindung zwischen Frohsinn und der Frohen Botschaft und bat „um richtigi Freud in dere of truurige Welt, um e bizzeli Frohsinn unterm Himmelszelt“. Auch in der Larve des Narren „ehre mir Jesus, unsere Gott, der mit uns isch, au in allere Not, und de uns schenkt große Zuversicht, dass uns leuchtet s'ewige Licht“. Dem Christen werde dabei nicht nur ein kontemplatives, sondern auch ein aktives Leben abverlangt: „Wer sait, i bet dich a, min Gott und Herr, und due dich erhebe, de muess au dementsprechend sin Glaube lebe“. Dann werde man die Erfahrung machen, dass „Jesus uns uff siine Schultere trait – er git uns halt, alle Mensche, ob arm ode riich, ob jung oder alt“. Und in diese Gruppe schloss Pfarrer Kirner auch die „schwere Mensche“ ein und scheute sich nicht, die Erlebnisse auf seiner Waage zur Sprache zu bringen. Guter Humor bedeutet nämlich die Fähigkeit, Distanz zu den Widrigkeiten des Lebens zu gewinnen und über sich selbst zu lachen.