Vier lange, unfreiwillig durchwachte Nächte musste Heinz Hauser, der Hauptdarsteller der Komödie „Mordgedanken“, durchleben. Für die Besucher des katholischen Pfarrheims in Öflingen reduzierte sich diese Phase zwar gewaltig, doch die gespielte Zeit betrug immer noch mehr als drei Stunden, als sich die Laienschauspielgruppe nach zweijähriger Pause am Freitagabend wieder auf der Bühne zurückmeldete.

Nicole Schmidt, Andreas Kramer, Susanne Kladisch, Stefan Braun und Veronika Matt (von links) in der Komödie "Mordgedanken".
Nicole Schmidt, Andreas Kramer, Susanne Kladisch, Stefan Braun und Veronika Matt (von links) in der Komödie "Mordgedanken". | Bild: Michael Gottstein

Die von Leo von Wyl ins Alemannische übertragene Komödie von Andreas Heck schildert das Schicksal eines mittleren Angestellten, der die Chance bekommt, zum Abteilungsleiter befördert zu werden. Er beschließt, morgens der Erste und abends der Letzte im Büro zu sein.

Dafür möchte er ausgiebig schlafen, doch in jenen vier Nächsten scheinen sich alle gegen ihn verschworen zu haben: Die aufdringlichen Nachbarn, deren Tochter, die sich in täglichem Wechsel von ihrem Freund trennt und wieder mit ihm versöhnt, der kriegstraumatisierte Vater, der überall russische Soldaten und Agentinnen wittert, und nicht zuletzt die Betriebspsychologin, deren russischer Akzent nicht geeignet ist, die Ängste des Vaters zu zerstreuen.

Zu guter Letzt treiben ein liebesdurstiger Romeo auf der Leiter und der Vogel Hansi mit seiner Vorliebe für den River-Kwai-Marsch den übermüdeten Heinz zur Verzweiflung. Wie die Geschichte endet, erfährt der Zuschauer in einer einleitenden Szene, als sich die Nachbarn auf den Weg machen, um Heinz zu besuchen und auffallend oft betonen, dass er sich in einem „Sanatorium“ befinde: Man darf vermuten, dass sich besagte Einrichtung nicht nur um die physische Gesundheit kümmert.

Rollen gut einstudiert

Regisseur Ulrich Meier hatte eine turbulente Komödie inszeniert, und die Schauspieler hatten ihre Rollen so gut einstudiert, dass Souffleuse Ines Backschat selten eingreifen musste. Stefan Braun konnte überzeugend darstellen, wie der etwas kindliche Heinz unter dem Druck der Verhältnisse zunehmend die Nerven und am Ende, völlig übermüdet (die Maske hatte ganze Arbeit geleistet), gänzlich die Beherrschung verliert.

Nicole Schmidt spielte seine im Grunde gutmütige, aber gelegentlich von Anflügen sozialen Ehrgeizes heimgesuchte Ehefrau. Für Susanne Kladisch, Spezialistin für exaltierte Rollen ohne Altersbegrenzung nach oben und unten, war die zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt schwankende Nadine eine Paraderolle.

Urgestein des Theaters

Ein Urgestein des Theaters ist Heinz-Jörg Saaler, der mit großer Bühnenpräsenz den abwechselnd polternden, verängstigten oder betrunkenen Vater spielte. Viel Erfahrung brachte Veronika Matt als Nachbarin mit, die Rolle ihres Ehemannes übernahm Andreas Kramer. In kleineren Rollen waren Daniela Urich-Wieland, Marco Götz und Siegfried Griener zu erleben. Regisseur Ulrich Meier fand lobende Worte für sein Ensemble und dankte Irmgard Küpper, die von Anfang an bei der Laienspielgruppe war und sich nun zurückgezogen hat.

Weiter beteiligt waren Cornelius Minne (Plakate und Flyer, Bühnenbeleuchtung und Ton), Peter Griesbaum (Administration), Marilena Ciepielewski und Alexandra Hebeisen (Maske), Carmen Urich (Frisuren), Gärtnerei Maier (Blumen) sowie die Spvgg Brennet-Öflingen und die Blitzgi-Schrättele (Bewirtung).