Vor knapp einem Jahr hat das amerikanische Unternehmen Celanese das ehemalige Frisetta Werk in Wehr übernommen. Neben dem bereits begonnenen Ausbau des Werks möchte sich das Großunternehmen zukünftig auch in die Gemeinde einbringen und soziale Projekte unterstützen.

"Rosige Aussichten" sieht Thomas Drechsel aufgrund der steigenden Nachfrage nach Polyamid auf das Werk in Wehr zukommen. Als Leiter der Standorte Utzenfeld und Wehr leitet er den geplanten Ausbau der Produktionsstätten und ist auch bei der Integration des ehemaligen Familienbetriebs in die Celanese Gruppe beteiligt: "Wehr war lange ein Anhängsel des Mutterwerks in Utzenfeld, und soll sich jetzt kräftig weiterentwickeln." Eine neue Maschine sei bereits angeschafft worden, außerdem wurden schon vier neue Mitarbeiter in Wehr eingestellt.

Der große Vorteil sei, so Drechsel, dass man in Wehr genug Platz für eine Erweiterung des Werks habe. Zusammen mit Utzenfeld solle so ein "globales Kompetenzzentrum" für die Polyamidherstellung entstehen, kündigt Drechsel an. "Bisher lag der Schwerpunkt in Utzenfeld auf der Herstellung von Polyamidgranulat aus Rohstoffen, während in Wehr vorwiegend Abfälle aus der Airbagherstellung recycelt wurden", erläutert der Standortleiter. Diese Rohstoffe werden nach Kundenwunsch aufbereitet und für die verschiedensten Kunststoffteile genutzt. "Von Messergriffen über Spritzgussteile im Auto bis hin zum Föngehäuse, überall finden sich unsere Materialien wieder", erklärt Produktionsleiter Alfred Arnold.

Als langjähriger Mitarbeiter hatte er noch unter Firmengründer Fritz Rueb und dessen Sohn gearbeitet und auch die Inhaberwechsel der vergangenen Jahre miterlebt. Die Stimmung unter den gut 30 Mitarbeitern in Wehr sei sehr gut, auch weil bei Celanese Wert auf ein gutes Arbeitsklima gelegt wird. Neben der übervorschriftsmäßigen Arbeitssicherheit und Arbeitsplatzergonomie setze das Unternehmen dabei auch auf soziales Engagement: "Wir wollen in Wehr dabei sein und ein anerkannter Partner werden", so Drechsel.

So bekomme jeder Celanesemitarbeiter unter anderem zwei zusätzliche freie Tage im Jahr, die nach eigener Entscheidung für soziale Projekte genutzt werden könnten. An anderen Standorten des Unternehmens würde sich bereits für Kindergärten oder auch in der Flüchtlingshilfe engagiert, erläutert Thomas Drechsel. Auch am Standort Wehr wolle man zukünftig über ein Standortkomitee passende Projekte finden, kündigt der Standortleiter an. "Das kommt natürlich bei den Mitarbeitern gut an und motiviert auch", weiß Betriebsmeister Süleyman Kocak, der sich selbst bereits unternehmensintern für die Mitarbeit an einem internationalen Hilfsprojekt beworben hat.

 

Der Betrieb

Die Firma Frisetta wurde 1949 vom Schönauer Fritz Rueb als Einmannbetrieb gegründet. Der ausgewiesene Tüftler war unter anderem mit dem Recycling von Teppichfasern und Nylon aus der Strumpfhosenproduktion erfolgreich. Die Firma entwickelte sich zu einem modernen Industrieunternehmen an den Standorten Wehr und Utzenfeld, spezialisierte sich auf Kunststoffverarbeitung und Bürsten für Zahnhygiene. Zwischenzeitlich gehörten die Werke zur Ranir Gruppe, später zur israelischen Nilit Gruppe. Im Mai 2017 übernahm schließlich das amerikanische Chemieunternehmen Celanese die beiden Werke. Das weltweit agierende Unternehmen hat rund 7300 Mitarbeiter und ist unter anderem auf Kunststoffverbindungen verschiedenster Art spezialisiert.