Spannende Einblicke in das Unternehmen Kownatzki Premium Gears (KPG) bekamen gut zwei Dutzend Unternehmer aus der Region dieser Tage in Öflingen. Auf Einladung der „Wirtschaftsregion Südwest“, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der beiden Landkreise Lörrach und Waldshut öffnete das mittelständische Unternehmen seine Türen. Wie sich das Traditionsunternehmen nach einigen Krisen derzeit neu aufstellt und seine Geschäftsfelder erweitert, beeindruckte die Wirtschaftsvertreter aus dem Dreiländereck.

Engelbert Maier (l.), Verkaufsleiter bei Kownatzki Premium Gears zeigt doe neue Rotorhalle, in der Kraftwerksgeneratoren demontiert und ...
Engelbert Maier (l.), Verkaufsleiter bei Kownatzki Premium Gears zeigt doe neue Rotorhalle, in der Kraftwerksgeneratoren demontiert und repariert werden können. | Bild: Justus Obermeyer

Nach der Übernahme der Mehrheitsanteile durch den Hohentengener Unternehmen Günter Ebi wurden in den vergangene Monaten die Weichen in dem vor über 50 Jahren gegründeten Familienunternehmen völlig neu gestellt. Die Neuerungen hängen natürlich eng mit dem neuen Mehrheitsgesellschafter zusammen: Er war bis Anfang 2013 Geschäftsführer des Unternehmens Sensoplan, das seit dem Jahr 1994 in Hohentengen Teile für Kraftwerksgeneratoren herstellte. 2010 wurde die Firma vom amerikanischen Großkonzern General Electric übernommen. „Das war damals ein Glücksfall für Sensoplan, weil es uns die Türen für neue Auftraggeber öffnete“, erinnert sich Engelbert Maier, früherer Sensoplan-Angestellter und vor einigen Monaten mit Günter Ebi zu KPG gewechselt. Als GE einige Jahres später auch eine Sparte des Sensoplan-Konkurrenten Alstom übernahm, endete dies für die Hohentengener tragisch: GE wickelte den kleineren Generatorenhersteller trotz guter Geschäftszahlen ab. Das Know-How, einige Fachkräfte und seine 20-jährige Erfahrung bringt Ebi nun bei KPG in Öflingen ein. Der Service für Generatorenhersteller ist als drittes Standbein für KPG völlig neu und hat mit der bisherigen Produktion von Zahnrädern und anderen Getriebebauteilen nur wenig zu tun.

Ein großer Teil einer Werkhalle wurde dazu abgetrennt und eine Rotorhalle eingerichtet. Hier können bis zu 50 Tonnen schwere Kraftwerksgeneratoren demontiert werden. Anschließend werden Schwingungsmessungen, Schadensanalysen oder auch endoskopische Untersuchungen an den Bauteilen durchgeführt, bevor die Reparatur erfolgt.

Wachstumschancen sieht Engelbert Maier auch beim zweiten Standbein des Unternehmens, dem Service für Großgetriebe. Auch hier bietet KPG den vollen Service an, um Getriebe, die nicht mehr rund laufen, wieder auf Vodermann zu bringen. Auch für Windenergieanlagenhersteller hat das Unternehmen schon einige Prototypen hergestellt. In der Massenproduktion sei es aber schwierig wettbewerbsfähig zu bleiben. „Wenn die Stückzahlen größer werden, verlagert sich das Geschäft in Richtung Osten, weil dort billiger produziert werden kann“, so Maier.

Das ursprüngliche Geschäftsfeld, mit dem Kownatzki groß wurde, rückt hingegen zunehmend in den Hintergrund: Die Herstellung von Zahnrädern. „Wir wollen nicht mehr jedem kleinen Zahnrad hinterherlaufen“, so Maier, „sondern prüfen, welche Aufträge in unser Geschäftsmodell passen.“ Wichtig ist hierbei die hohe Präzision, mit der in Öflingen produziert werden kann und mit denen sich KPG von vielen Mitbewerbern abhebt. „Wir sind allerdings kein Zulieferer der Automobilindustrie“, so Maier. „Für die dafür notwendigen Stückzahlen sind wir nicht ausgerichtet.“

Ihre Stärken können die Öflinger hingegen bei speziellen Aufträgen ausspielen, die in der Vergangenheit auch viel Renommee brachten: Beispielsweise bei einem Bauteil für den Airbus A 380 oder dem Uhrwerk für die größte Turmuhr der Welt in Mekka. Auch bei der Entwicklung von Getrieben für Formel 1-Fahrzeuge hat das Unternehmen schon mitgewirkt.

Derzeit hat KPG rund 70 Mitarbeiter, diese Zahl soll aber wieder steigen. Elf Auszubildende beschäftigt die Firma. Seit diesem Semester arbeitet Kownatzki Premium Gears zudem mit der Dualen Hochschule Lörrach in der Ingenieursausbildung zusammen.